Am Ende in vielen guten Händen

Waldbröl, 07. November 2018

Zu Hause sterben: Auf Einladung des Johanniter-Hospizdienstes informierten Fachleute aus Hospizarbeit, Palliativmedizin und Sozialarbeit über Hilfen und Beistand

Der Waldbröler Palliativmediziner Dirk Feuerstein

„Durst ist die Angst der Angehörigen“, sagt der Waldbröler Haus- und Palliativarzt Dirk Feuerstein. Der Mensch halte Flüssigkeitsmangel nicht aus, und wolle daher auch seine sterbende Mutter nicht verdursten sehen, hat der Mediziner beim zweiten Informationsabend zur häuslichen Sterbebegleitung des Ambulanten Johanniter-Hospizdienstes in Waldbröl erklärt.Wie Angehörige dem sterbenden Menschen beistehen können, veranschaulichte der Mediziner den 70 Gästen im Festsaal des Waldbröler Kreiskrankenhauses: „Tränken sie ein Stäbchen mit Schaumstoff in sein Lieblingsgetränk und befeuchten damit seine Lippen.“

Viele weitere praktische Tipps sowie einen Überblick über unterstützende Angebote zur häuslichen Sterbebegleitung in der Region gab es bei den zwei Veranstaltungen, zu denen der Johanniter-Hospizdienst für Morsbach, Reichshof und Waldbröl eingeladen hatte. Dabei informierten unter anderem Fachkräfte aus Pflege, Palliativmedizin, Seniorenberatung und Sozialen Diensten.

„Die meisten Menschen möchten in ihrem persönlichen Umfeld sterben“, weiß Sabine Achenbach, Koordinatorin des Ambulanten Johanniter-Hospizdienstes für Morsbach, Reichshof und Waldbröl. Doch die Realität sieht meist anders aus: Laut dem DAK-Pflegereport von 2016 sterben drei von vier Menschen in einer Klinik oder in einem Pflegeheim. Menschen, die das nicht möchten, können jedoch im Oberbergischen Kreis mittlerweile auf ein tragfähiges Netzwerk mit vielen Schnittstellen zurückgreifen. „Es gibt viele Möglichkeiten, über die man sich jedoch frühzeitig informieren sollte“, betont Sabine Achenbach.

Da ist zum Beispiel Hilde Müller, 80 Jahre alt und bisher selbständig im eigenen Haus lebend. Jetzt diagnostiziert der Hausarzt bei ihr eine fortgeschrittene Krebserkrankung. Frau Müller ist eine fiktive Person, die aber beim zweiten Info-Abend des Johanniter-Hospizdienstes im Mittelpunkt stand. Denn an ihrem Fall haben die Fachleute und Experten aus dem Oberbergischen Kreis detailliert aufgezeigt, wie Menschen bis zum Lebensende in ihrem eigenen zu Hause bleiben und dabei qualifiziert betreut und begleitet werden können.

Da ist der Hausarzt, der mit der Patientin die Folgen der Diagnose bespricht. Die Angst vor Schmerzen und die Sorge, den Kindern zur Last zu fallen, beschäftige ältere Menschen am meisten, sagte in Waldbröl der Mediziner Dirk Feuerstein. Er verweist dann an die Pflegeberatung und auf die fortgeschrittene Palliativmedizin, die Symptome wie Schmerzen oder Luftnot lindern bis nehmen kann. „Die Angst vor dem Tod kann ich den Menschen nicht nehmen, daher rate ich ihnen, den Kontakt zu einem Seelsorger oder Hospizdienst aufzunehmen.“

Multiprofessionelle Begleitung am Lebensende

„Wir helfen, den richtigen Pflegedienst zu finden, informieren über Pflegestufen und können hauswirtschaftliche Hilfen aufzeigen “, erklärte in Waldbröl Carmen Munoz-Berz von der Senioren- und Pflegeberatung der Stadt Waldbröl. Nehmen die Schmerzen zu, kann die Patientin dann auch von der Palliativstation des Kreiskrankenhauses in Waldbröl aufgenommen werden. „Dann steht ihr ein multiprofessionelles Team aus Pflegefachkräften, Seelsorgerin und Psycho-Onkologin und einer speziell zur Schmerzbehandlung ausgebildeten Krankenschwester zur Seite“, informierte Nicole Schrade Leiterin der Palliativstation.

Nach einer Entlassung stehen ihr dann im gesamten Oberbergischen Kreis die Ambulanten Hospizdienste sowie die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung“ (SAPV) zur Verfügung. „Wir machen keine Grundpflege, sondern stehen rund um die Uhr mit Palliativpflegekräften und -medizinern zur Symptombehandlung bereit“, erklärte Palliativärztin Elisabeth Jülich von der SAPV in Gummersbach-Dieringhausen. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden des Hospizdienstes könnten dazu für die sterbenden Menschen da sein und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen.

Frühzeitig mit Angehörigen das Hospiz anschauen

Eine Aufnahme in stationäre Johannes-Hospiz Oberberg sei eine weitere Option, wenn die häusliche Versorgung nicht geleistet werden könne, oder der Betroffene gerne in das Haus der Johanniter in Wiehl aufgenommen werden möchte. „Nehmen sie gerne Kontakt mit mir auf, damit sie sich mit ihren Angehörigen das Hospiz frühzeitig anschauen können, um sich ein Bild vom Leben in unserem Haus zumachen“, riet Krankenschwester Bettina Hüttig-Reusch, die bei den Johannitern für das Aufnahmemanagement zuständig ist.

Ihr Ansprechpartner Leitung Hospizdienst in Rhein.-/Oberberg

Wiedenhof 12a
51545 Waldbröl