„Das erdet mich"

Wiehl, 19. Dezember 2018

„Das tun, was man gerne macht"

DENISE KLENGEL (30 Jahre, auf dem Bild links) ist hauptberuflich Qualitätsmanagement-Beauftragte der Johanniter in Rhein.-/Oberberg und sorgt dafür, dass Arbeitsabläufe und Strukturen optimiert und für alle nachvollziehbar dargestellt werden. Ehrenamtlich ist sie an der Seite von lebensverkürzend erkrankten jungen Menschen. Dafür ließ sie sich vom Deutschen Kinderhospizverein zur Begleiterin und Hospizhelferin ausbilden.

KIM MÜLLER (24 Jahre, rechts im Bild) ist hauptberuflich Rettungssanitäterin beim Rettungsdienst der Johanniter in Rösrath und zur Stelle, wenn Menschen bei Unfall, Notfall oder schwerer Erkrankung schnelle Ersthilfe benötigen. Ehrenamtlich koordiniert sie unter anderem Sanitätswachdienste für größere Veranstaltungen. Dafür wurde sie von den Johannitern zur Gruppen- und Zugführerin ausgebildet.

Beide sind Sie bei einer Hilfsorganisation angestellt und engagieren sich auch in der Freizeit sozial. Was macht für Sie den Unterschied zwischen Ihrem Haupt- und Ehrenamt aus?

Denise Klengel: Wenn ich bei meinem Beruf organisiere und strukturiere, dann hilft das meinen Kolleginnen und Kollegen ihre Dienste und damit ihre Hilfen für die Menschen effizienter zu gestalten. Doch für mich selbst zeigt mein Wirken erst einmal keine unmittelbaren Auswirkungen.

Das ist bei meinem Ehrenamt anders: Bei Ferienbegegnungen begleite ich lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mehrere Tage lang. Dabei kann ich den Eltern tatkräftig helfen, sie entlasten, ihnen zur Seite stehen und zuhören. Und ich erlebe sofort: Die Kinder freuen sich, und die gesamte Familie kann ihren Urlaub dank meiner Hilfe noch etwas mehr genießen.

Kim Müller: Bei mir ist das umgekehrt. Beim Rettungsdienst erlebe ich, wie meine Arbeit den Menschen direkt hilft und wie dankbar sie und ihre Angehörigen dafür sind. Natürlich bin ich auch beim Sanitätsdienst bei der Erstversorgung von Menschen dabei, doch am allerliebsten beschäftige ich mich bei diesem Ehrenamt mit Organisieren und Verwalten. Das entspannt mich!

Ich mag es zum Beispiel, für den Sanitätswachdienst das Material zu prüfen und zu kartieren, die Einsatzkräfte einzuteilen und ihre Standorte festzulegen.

Bei meinem Dienst lerne ich das Leben und die Gesundheit zu schätzen. (Kim Müller)

Ob Haupt- oder Ehrenamt: Sie beide haben mit Unfällen, Notfällen und dem Sterben zu tun. Sind Sie dafür nicht zu jung?

Kim Müller: Dafür gibt es aber doch gar kein richtiges Alter! Was meinst Du, Denise? Belastet Dich der Umgang mit schwerkranken Kindern?

Denise Klengel: Nein, das belastet mich nicht. Denn erstens wurde ich dafür ausgebildet und bekomme Supervision und zweitens erfahre ich bei meinem Ehrenamt, wie kostbar und wertvoll das Leben ist. Und das macht mich dankbar und erdet mich.

Kim Müller: Das geht mir genauso. Sowohl bei meinem Haupt- als auch bei meinem Ehrenamt lerne ich das Leben und die Gesundheit zu schätzen. Und daher finde ich, man kann sich eigentlich nicht früh genug mit dem Sterben auseinandersetzen. Dabei habe ich zum Beispiel gelernt, dass man loslassen sollte: Viele Angehörige klammern sich zum Beispiel an medizinische Hilfen und Therapien, obwohl der erkrankte Mensch eigentlich gerne aus dem Leben gehen will.

„Das Lächeln und der Dank der Familien zählen für mich mehr als jede Bezahlung.“ (Denise Klengel)

Sind es solche Erfahrungen, die ein Ehrenamt sinn- und wertvoll machen?

Denise Klengel: Ich liebe mein Ehrenamt, weil ich dabei nicht nur anderen helfen kann, sondern selbst wichtige Erfahrungen mache und bereichernde Begegnungen habe – etwa mit den Familien, die ich bei der Kinderhospizarbeit intensiv kennenlerne. Ihr Lächeln und ihr Dank zählen für mich mehr als jede Bezahlung.

Wir würden Sie andere Menschen motivieren, ebenfalls solche Erfahrungen zu machen?

Denise Klengel: Ich würde sagen "Probiert einfach mal unterschiedliche Sachen aus – bis ihr ein Engagement findet, das euch liegt und Spaß macht. "

Kim Müller: Bei den Johannitern kann man zum Beispiel in den Sanitätsdienst reinschnuppern und einfach mal mitgehen. Und als Motivation fürs Mitmachen verweise ich gerne auf die qualifizierten Ausbildungen, die man von den Johannitern geschenkt bekommt.

Beim Sanitätsdienst ist man außerdem bei tollen Events wie Wacken, Parookaville oder den ADAC MX-Masters dabei – und kann einen Blick hinter die Kulissen einer solchen Großveranstaltung werfen.

Ihr Ansprechpartner Claudia Schmied-Prediger, Ehrenamtskoordination

Ohlerhammer 14
51674 Wiehl