Manchmal ist der Tod gar nicht schrecklich

Waldbröl, 26. März 2019

Den Märchenabend gestalteten die Erzählerinnen Jutta Rittgen (3.v.li.) und Wiltrud Klöckner (re.), eingeladen hatten die Johanniter-Koordinatorinnen Sabine Achenbach, Claudia Koch und Elke Kremer (v.li.).

Hospizdienst lud zum Märchenabend

Da waren einmal die verstorbenen Söhne einer Inuit-Frau, die im Haus der Toten regungslos in den gefrorenen Tränen ihrer Mutter feststeckten. Und viel, viel weiter im Süden gab es einen Sultan, der eigentlich dem Sterben davonreiten wollte, um dann allerdings am Ziel auf den wartenden Tod zu treffen. Mit diesen und anderen Geschichten hatten jetzt die ausgebildeten Märchenerzählerinnen Jutta Rittgen aus Morsbach und Wiltrud Klöckner aus Siegen das Publikum in der Waldbröler Gaststätte „Zur Klus“ in eine Welt mit zum Teil wenig bekannten Märchen für Erwachsene entführt.

Eine tragende Rolle für den Tod

Ihre Geschichten hatten eines gemeinsam: In ihnen spielte der Tod eine tragende Rolle. „Denn er beschäftigt die Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen“, sagt Elke Kremer, Koordinatorin des Ambulanten Johanniter-Hospizdienstes für Morsbach, Reichshof und Waldbröl. Der Hospizdienst hatte zu dem Abend eingeladen, und mehr als 70 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um die Märchen aus Alaska, Ungarn oder Persien zu hören.

Märchen sprechen die Sprache der Seele

Die Trauer und die Freude, das Leben und der Tod: „Eines geht nicht ohne das andere, und genau das macht eben das Mysterium unseres ganzheitlichen Seins aus.“ Märchenerzählerin Jutta Rittgen hatte mit diesen Worten die Gäste begrüßt. Die gelernte Tiefbau-Ingenieurin ist seit 2012 ehrenamtlich als Hospizhelferin bei den Johannitern aktiv. „Der Tod hat in unseren Zeiten des unbegrenzten Wachstums meist keinen Platz“, ist ihre Erfahrung. „Doch die Märchen sprechen eine Sprache, in der er beschrieben werden kann, indem sie mit Bildern die Seele der Zuhörenden berühren.“

Und manchmal, so erzählten ihre Märchen in Waldbröl, ist der Tod gar nicht schrecklich: In den Geschichten ließ er viel mehr eine Ente sanft und warmgehalten ins Jenseits gleiten und schenkte einer alten Frau das ewige Dasein als junges und schönes Mädchen im Apfelgarten.

Einen Apfel gab es auch für die Gäste bei der abschließenden Meditation: „Wie der Herrschaftsapfel ist er Zeichen für dein Reich. Welche Aufgabe liegt in deinem Reich vor Dir, und wie wirst du sie lösen?“ Mit diesen Fragen von Jutta Rittgen und dem Nachdenken über die eigene kostbare Lebenszeit klang der Abend aus.