Notfallsanitäter-Ausbildung in Duisburg stockt

Duisburg , 25. Januar 2019

Rettungssanitäterin Diana Nellen übergab am 23. Januar 2019 offiziell ihre Online-Petition an Dr. Ralf Krumpholz, Duisburgs Beigeordneten für Integration, Sport und Gesundheit, Verbraucherschutz und Feuerwehr.

Die 30-jährige Johanniterin bittet darin Oberbürgermeister Sören Link, auf die Krankenkassen zuzugehen, damit in Duisburg mehr Notfallsanitäter Ausbildungen angeboten werden können. Die Krankenkassen weigern sich derzeit für die Aus- und Weiterbildungen aufzukommen. Binnen eines Monats unterzeichneten 450 Menschen Diana Nellens Petition.

„Die Frage der Finanzierung muss zügig geklärt werden“, sagt Diana Nellen. „Ich liebe meinen Job, möchte mich weiterbilden.“ Sie zeigte sich sehr erfreut: „Ich kann mich nur bei meinen vielen Unterstützern bedanken! Man sieht, dass diese Petition viele Menschen in Duisburg und NRW bewegt!“

Jens Bleckmann, Leiter Verwaltung der Johanniter Rhein-Ruhr, ergänzt: „Es wurde festgelegt, dass die Ausbildungskosten für Notfallsanitäter als Kosten des Rettungsdienstes gelten und so von den Krankenkassen als Kostenträger zu übernehmen sind“

Am Rande der Übergabe konnte Diana Nellen kurz mit dem Beigeordneten Dr. Krumpholz über die Situation des Rettungsdienstes und vor allem über die mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten zum Notfallsanitäter in Duisburg sprechen. Dr. Krumpholz versprach das Anliegen an den entsprechenden Stellen vorzutragen: „Ich kann die Sorgen der Johanniter verstehen und teile sie. Wir sitzen im selben Boot. Auch wir als Stadt sind auf die Gelder angewiesen, um Rettungskräfte auszubilden“, so der Beigeordnete.

v.l.Christian Umbach (stellvertretender Feuerwehrchef), Diana Nellen, Dr. Ralf Krumpholz

Hintergrund

 Die Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes geht in NRW weiterhin nur schleppend voran. Grund ist ein Konflikt zwischen Kommunen und Krankenkassen über die Übernahme der Aus- und Weiterbildungskosten zum Notfallsanitäter. Deswegen adressierte Diana Nellen eine Online-Petition an den Dezernatsleiter mit der Bitte, sich des Themas anzunehmen und die Rettungsdienstler in Duisburg zu unterstützen. Binnen 14 Tagen unterzeichneten 450 Personen die Petition.

Die Frage der Finanzierung der Notfallsanitäterausbildung muss zügig geklärt werden. Schon jetzt gibt es in NRW einen erheblichen Fachkräftemangel im Rettungsdienst. Durch den Konflikt wird die Anzahl der Ausbildungsplätze erheblich verknappt.

In einer besonders prekären Situation sind die Rettungsassistenten in NRW, die nach bisheriger Rechtslage die nach dem Notarzt höchstqualifizierten Rettungskräfte. Sie können nur noch bis zum 31. Dezember 2020 eine Ergänzungsprüfung absolvieren, um Notfallsanitäter zu werden. Wenn diese Frist versäumt wird, weil die Ausbildung nicht anläuft, müssen sie die volle dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter durchlaufen, auch wenn sie zuvor schon jahrelang in dem Beruf tätig waren.

 

Ein neues Berufsbild: Notfallsanitäter

 

Im Jahr 2013 beschloss der Deutsche Bundestag das Notfallsanitätergesetz, wodurch der Beruf „Rettungsassistent“ durch den des „Notfallsanitäters“ abgelöst wurde. Dies sollte mehr Rechtssicherheit für die Frauen und Männer im Rettungsdienst schaffen und die Attraktivität des Berufsbildes erhöhen, insbesondere durch die eingeführte Ausbildungsvergütung und die Anhebung der Ausbildungsdauer. Damit ist auch eine stärkere Durchlässigkeit zu anderen Gesundheitsfachberufen verbunden. Gerade dies ist eine entscheidende Verbesserung für die Rettungsdienstler, denn aufgrund der physischen und psychischen Belastungen können nur wenige Kolleginnen und Kollegen bis zum 65. oder 67. Lebensjahr ausgeübt werden.

Der Landesgesetzgeber novellierte zu diesem Zweck am 01.04.2015 das Rettungsgesetz NRW und wies die Kommunen als Träger des Rettungsdienstes an, die bisherigen Funktionen „Rettungsassistent“ durch „Notfallsanitäter“ zu ersetzen. Es wurde klar festgelegt, dass die Ausbildungskosten für Notfallsanitäter als Kosten des Rettungsdienstes gelten und damit über Bedarfsplan und Gebührensatzung von den Krankenkassen als Kostenträger zu übernehmen sind. Die Krankenkassen in NRW weigern sich dennoch, ihrer rechtlich festgelegten Finanzierungspflicht nachzukommen.