Wenn es die Ärmsten trifft - Erster Auslandshilfe-Einsatz für unseren Rettungswachenleiter Philipp Lautner

Göppingen, 28. Mai 2019

Von Wendlingen nach Mosambik - Für 14 Tage war auch Philipp Lautner aus Wendlingen als ehrenamtlicher Soforthelfer der Auslandshilfe der Johanniter in Mosambik. Über seine Erlebnisse hat er mit Mareen Kupka gesprochen. 

Wie sah die Situation vor Ort aus?

Die Verwüstungen, welche der Zyklon hinterließ, waren auch bei unserem Eintreffen noch deutlich sichtbar. Zwar sah man, dass in der Hafenstadt Beira die Menschen mit dem Wiederaufbau bemüht waren, die Schäden an der Infrastruktur wie Häusern, Lagerhallen oder dem Stromnetz waren dennoch nicht zu übersehen. In unserem Einsatzgebiet waren aufgrund der Überschwemmungen große Teile der Ernte zerstört, sodass die Menschen teilweise sehr weite Strecken zurücklegen mussten, um an Essenslieferungen zu gelangen. Da im Hinterland viele Menschen in provisorischen Häusern oder einfachen Holzhütten leben, waren jene glücklicherweise weitestgehend wieder aufgebaut, sodass die Menschen immerhin wieder ein Dach über dem Kopf hatten.

Was waren Ihre Aufgaben? Welche Krankheiten haben Sie am meisten behandelt?

Meine hauptsächliche Aufgabe war die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Dafür wurde eine Gesundheitsstation im nahegelegenen Ort Grudja durch unser erstes Team aufgeräumt und in einen provisorischen Behandlungsplatz umfunktioniert. Wir knüpften dort an und behandelten hauptsächlich Patienten mit Durchfallerkrankungen und Malaria, viele davon Kinder.

Was war die Aufgabe des Teams?

Der Hauptfokus des Teams liegt auf der Bereitstellung medizinischer Basisversorgung. Dahinter steckt aber ein immenser logistischer Aufwand, beginnend durch unsere fantastischen Kollegen des RV Rhein-Main, über unsere Teamleiter, Logistiker und nicht zuletzt psychosozialen Fachkräfte, welche uns unterstützen. Ohne all diese Zahnräder in diesem großen Apparat, wäre eine Versorgung der Patienten durch den medizinischen Teil des Teams gar nicht möglich.

Was hat Sie bei diesem Einsatz bewegt?
Ich war von der Dankbarkeit und Genügsamkeit der Menschen vor Ort gerührt. Wenn man sich vor Augen hält, dass diese Menschen schon wenig hatten und nun quasi vor dem Nichts standen, wurden wir dennoch immer freundlich begrüßt. Manche Menschen liefen stundenlang zu Fuß zu unserem Behandlungsplatz, nur um dort womöglich nochmals einige Zeit zu warten. Dennoch gab es nie ein Wort der Beschwerde oder des Missmuts. Dies hat mir vor Augen geführt, mit was für verhältnismäßig kleinen Problemen wir uns hier in Deutschland beschäftigen.
Konntet Sie in den insgesamt vier Wochen des Hilfseinsatzes den Menschen wirkliche Hilfestellung geben?

Bereits während unseres Einsatzes wurden Kollegen aus den Länderbüros Ugandas und Nepals der Johanniter Auslandshilfe zu uns geflogen, welche sich erkundigten, wo und in welchem Umfang eine langfristige Projektarbeit sinnvoll erscheint. Wir haben kurz vor unserer Abreise den größten Teil unserer Ausrüstung an verschiedene Organisationen innerhalb des Landes gespendet, sodass damit auch mittelfristig geholfen werden kann. Eine längerfristige Hilfestellung ist nicht die Aufgabe der medizinischen Soforthilfe, sondern kann nur durch Projektarbeit vor Ort geleistet werden.

Der Einsatz in Mosambik war Ihr erster Auslandshilfe-Einsatz. Haben Sie sich gut vorbereitet gefühlt?

Übungen können einen realen Einsatz natürlich nicht authentisch nachbilden, aber sie halfen mir sehr, das Know-How im Umgang mit unserem Material und unseren standardisierten Abläufen zu verinnerlichen. Deswegen fühlte ich mich – gerade wegen den vielen Übungen – sehr gut vorbereitet. Dass sich im Einsatz immer Besonderheit ergeben, auf die man sich schnell einstellen muss, bringt die Dynamik einfach mit sich.

Ansprecherpartnerin Mareen Kupka

Dienststelle Göppingen
Im Pfingstwasen 1
73035 Göppingen