Wenn Jugendliche Menschen retten

Reutlingen, 26. April 2018

Ein Hochhaus in Reutlingen, im sechsten Stock brennt es. Personen sind noch im Gebäude. Es herrscht Chaos. Eine Person wird vermisst. Den Jugendlichen der Johanniter-Jugendgruppe aus Reutlingen stehen ein paar herausfordernde Stunden bevor.

Auf dieses Szenario treffen die acht jungen Erwachsenen, zwischen 14 und 18 Jahren, bei ihrer letzten Gruppenstunde. Die ehrenamtliche Ortsjugendleitung, bestehend aus Manuel Eppler und Erina Scholze, überraschen die jungen Ersthelfer beim gewohnten Eintreffen in ihren Räumlichkeiten. Schnell wählen die Ehrenamtlichen demokratisch einen Einsatzleiter und packen die notwendigen Utensilien für die Übung zusammen, bevor sie sich auf den Weg zum Übungsgelände „Reihersteige“, der Feuerwehr Reutlingen machen. Angekommen verschafft sich der Einsatzleiter einen ersten Überblick. Dank der vielen Gruppenstunden, in denen den jungen Rettern Erste-Hilfe-Wissen vermittelt wurde, sind die ersten Schritte schnell klar. Der Einsatzleiter teilt mehrere Sanitätsteams ein und vergibt unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Ein Sanitätsteam versorgt die Verletzten und Betroffen, die von realistisch geschminkten Mimen dargestellt werden. Ein anderes Team baut eine Betreuungsstation auf, da in der Übung nun auch ein kleines Gewitter bevorsteht. Diese zusätzliche Herausforderung macht ein weiteres Team notwendig, dass sich um die Verpflegung vor Ort kümmert. Zu guter Letzt berichten viele Verletzte von einer vermissten Person. Die jungen Erwachsenen beraten sich und der Einsatzleiter handelt: Eine Suchtruppe wird losgeschickt. Viele Schwierigkeiten und Herausforderungen mit denen die Jugendlichen konfrontier sind.

„Mit einer solchen Übung proben wir den Ernstfall. Die jungen Ehrenamtlichen sollen die Möglichkeit bekommen, ihre gelernten Erste-Hilfe-Kenntnisse praktisch einzusetzen. So lernen sie in brenzligen Situationen schnell die richtige Entscheidung zu treffen, mit Druck umzugehen und auch einfallsreiche Lösungen zu finden“, erläutert Manuel Eppler die Ziele der Großübung. Ein praktischer Nebeneffekt: Anfang Juni findet der Tag der Johanniter statt. Johanniter aus ganz Baden-Württemberg kommen zusammen, um ihr Können in Erster Hilfe unter Beweis zu stellen. Um die Jugendlichen auch für den dortigen Wettkampf fit zu machen, sei die Großübung zudem ideal gewesen, so Eppler weiter. Nach zweieinhalb Stunden ist die Übung zu Ende. Die jungen Retter meistern alle Hürden mit Bravour. „Als Organisatoren und ihre Jugendgruppenleiter begeistert uns vor allem, wie gut die Jugendlichen zusammen gearbeitet und wie professionell sie die Patienten versorgt haben. Trotz Druck hat sich jeder respektiert und die Stärken jedes einzelnen geschätzt. Jeder hat dort angepackt, wo er gebraucht wurde“, freut sich Erina Scholze.

Am Ende der Rettungsaktion vertilgen alle zusammen im Betreuungszelt die selbstgemachte Kartoffelsuppe. Als letzte Überraschung wartet Eis auf jeden der jungen Retter. „Unser Fazit: Jeder einzelne kann sehr stolz auf seine Leistung sein. Vor allem als Gruppe haben sie zusammen jeder Herausforderung und zusätzlicher Belastung getrotzt. Großen Respekt von unserer Seite“, so Scholze abschließend.

Lust bei der Johanniter-Jugend in Reutlingen mitzumachen?

Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sind herzlich eingeladen. Die Johanniter-Jugend setzt sich, unabhängig von Geschlecht, Nationalität und Weltanschauung, für eine bessere Gesellschaft mit Toleranz und Nächstenliebe ein. In wöchentlichen Gruppenstunden wird Erste-Hilfe-Wissen vermittelt und darüber hinaus zusammen gespielt, gebastelt und gelacht – eine lebendige Gemeinschaft steht im Vordergrund.

Die Jugendgruppe trifft sich jeden Mittwoch, 17:15 bis 19:15 Uhr (außer in den Schulferien), in der Johanniter-Dienststelle Reutlingen, Bahnhofstr. 1/1, 72764 Reutlingen. Noch Fragen? Manuel Eppler, manuel.eppler@johanniter.de

Ihr Ansprechpartner Lisa Schaber

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Regionalverband Stuttgart
Eschbacher Weg 5
73734 Esslingen