Spenden machen nicht nur Flüchtlinge glücklich

Hanau, 05. September 2018

Spenden machen nicht nur Flüchtlinge glücklich

„Wir gehen dahin, wo unsere Hilfe benötigt wird“ - das ist das neue Credo des Regionalverbands Hanau & Main-Kinzig der Johanniter-Unfall-Hilfe. Nachdem die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Hanau, die die Johanniter fast drei Jahre lang für das Land Hessen betreut hatten, geschlossen worden ist, wird die Hilfe jetzt andernorts geleistet. Auch 1600 Kilometer entfernt. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen organisierten die Johanniter einen Hilfstransport nach Rumänien. Diesmal an Bord: Stühle und Tische, Kleidung und Spielzeug - mehrere Tonnen Material, die nach der Räumung der Erstaufnahmeeinrichtung auf einen neuen Verwendungszweck warteten.

„Für uns war klar, dass wir die Sachen, die zum großen Teil von der Bevölkerung gespendet worden sind, nicht einfach wegschmeißen können“, so Regionalvorstand Sven Holzschuh. Ob Fahrräder, Bobbycars, Hosen, Pullover oder Musikinstrumente - die Spendenbereitschaft für die Flüchtlingshilfe war groß. „Und vieles davon war noch sehr gut zu gebrauchen“, so Holzschuh. Lange darüber nachdenken, wo die Gegenstände noch benötigt werden könnten, musste der 41-Jährige nicht - zu präsent waren noch die Bilder, die Delia, Anca und Florin Notar gerade gezeigt hatten. Im April hatten die Geschwister, die allesamt für die Johanniter in der Erstaufnahmeeinrichtung gearbeitet hatten, einen spontanen Hilfstransport in ihre rumänische Heimat organisiert. Die Fotos, die sie danach präsentierten, zeigten glückliche Menschen, euphorische Kinder, dankbare Krankenhausmitarbeiter - und große Armut. „Für uns war schnell klar, dass wir dort weiter helfen wollen“, so Holzschuh. So war es jetzt auch keine Frage, wohin der neuerliche Hilfstransport gehen sollte.

Hatten die Notars im Frühjahr noch weitgehend alles selbst organisiert, lief diesmal eine generalstabsmäßige Planung an - denn es galt, zwei 40-Tonner einer Spedition zu füllen. Rund 20 Johanniter packten in der Erstaufnahmeeinrichtung, teilweise ehrenamtlich, mit an, um die Lastwagen zu beladen. Keine ganz einfache Aufgabe, denn Florin Notar hatte sich ein Ziel gesetzt: Die Schule in seinem Heimatdorf Bagaciu sollte endlich dringend benötigtes Mobiliar bekommen. So wurden fast 100 Tische und rund 100 Stühle, auf denen bis vor kurzem noch Flüchtlinge in der ehemaligen Elementary School von Sportsfield Housing die deutsche Sprache gepaukt hatten, verladen. Weitere 100 Stühle wurden für die Trauerhalle eingepackt. „Die Verantwortlichen in Bagaciu waren hellauf begeistert“, berichtet Florin Notar, der den Hilfstransport auch diesmal auf der knapp 1600 Kilometer lange Reise begleitete.

Bei den knapp 2500 Einwohnern des rumänischen Dorfs verbreitete sich die Nachricht der Hilfslieferung wie ein Lauffeuer - innerhalb weniger Minuten hatten sich rund 50 Menschen eingefunden, die Notar dabei halfen, die Lastwagen zu entladen. „Die Leute dort sind sehr arm, es fehlt an fast allem“, erzählt der 42-Jährige, der selber aus Bagaciu stammt, aber schon seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt. Auch seine Familie packte vor Ort mit an - neben seinen beiden Schwestern auch die eigenen Kinder Mario (3) und Karla (6). „Die waren voller Eifer dabei und haben vor allem die einheimischen Kinder mit dem Spielzeug glücklich gemacht“, so der stolze Vater.

Doch nicht nur in Bagaciu machte der Hilfskonvoi aus Hanau Station, sondern auch in Mures und in Tarnaveni. Dort wurde vor allem medizinisches Equipment ausgeladen - für die örtlichen Kliniken. Diese freuten sich über Betten und Liegen, Rollstühle und Rollschränke, Behandlungslampen und Hustensaft - alles Material, das in der Erstaufnahmeeinrichtung genutzt und nun überflüssig geworden ist. „In Rumänien wird das alles dringend benötigt“, so Notar. Auch säckeweise Kleidung, die von Bürgern für die Flüchtlinge gespendet worden war, fand glückliche Abnehmer.

„Die Bilder und Erzählungen von Florin zeigen, dass es die absolut richtige Entscheidung gewesen ist, die Sachen nicht einfach zu entsorgen“, freut sich Sven Holzschuh. Die Erstaufnahmeeinrichtung ist inzwischen komplett geräumt und besenrein an das Regierungspräsidium Gießen übergeben worden. Einige Gegenstände, die nicht in die Lastwagen passten, haben die Johanniter in Hanau eingelagert. „Wir werden sie selbstverständlich auch dafür einsetzen, wofür sie gespendet worden sind - nämlich um dort Hilfe zu leisten, wo sie gebraucht wird“, so der Regionalvorstand.