Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Buseck, 19. Oktober 2018

Am 19. Oktober wurden in der Gemeinde Buseck so genannte Stolpersteine, Gedenksteine für Busecker Bürgerinnen und Bürger, die Opfer des Naziregimes wurden, verlegt. Mit dieser Aktion setzt Buseck ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen. Die pflastersteingroßen Gedenktafeln aus Messing, die an den jeweils letzten selbstgewählten Wohnorten ins Trottoir eingelassen werden, sollen uns auch heute, über 70 Jahre nach Kriegsende, weiter an jene Menschen erinnern, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt und deportiert wurden. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, lautet ein Zitat aus dem Talmud, das den Künstler Gunter Demnig zu seiner Stolpersteinaktion motiviert hat.

Während dieser ans Werk schritt und die Steine fachmännisch einließ, verlasen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Buseck Hintergrundinformationen zum Leben und Schicksal der jeweiligen Personen, denen die Stolpersteine gewidmet sind.

Dort, wo einst die Vertriebenen aus den Familien Berlin und Krämer wohnten, werden heute von den Johannitern Senioren im Rahmen einer Tagespflege-Einrichtung betreut. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den anwesenden Gästen war es wichtig, andächtig der Stolpersteinverlegung zuzuschauen, sind doch viele der über Achtzigjährigen noch lebende Zeitzeugen, die den Krieg und seine Schrecken in Kindertagen miterleben mussten.

„Viele unserer Gäste kämpfen mit dem Thema Demenz und damit einhergehend einem degenerativen Abbau des Kurzzeitgedächtnisses. Aber Erlebnisse aus der Kindheit haben alle noch sehr präsent – das Langzeitgedächtnis funktioniert noch sehr gut“, erläutert Christina Herwig, Leiterin der Tagespflege Buseck, ihre Erfahrungen mit den zu betreuenden Senioren. „Wir schlagen in unserer täglichen Arbeit durch alte Lieder, gemeinsames Singen und Musizieren gerne die Brücke in die Vergangenheit und lesen auch mal ein altbekanntes Märchen vor. Man kann nur staunen, wie leicht es unseren Senioren dann fällt, sich an Begebenheiten aus längst vergangenen Zeiten zu erinnern.“

„Als ich von Bürgermeister Dirk Haas erfahren habe, dass man die Aktion unterstützen kann, indem man eine Patenschaft für jene Stolpersteine übernimmt, habe ich nicht gezögert“, so Marco-Schulte Lünzum, Regionalvorstand Mittelhessen der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH). „Wir fühlen uns der Gemeinde Buseck durch unsere örtlichen Einrichtungen Sozialstation Buseck, (Demenz)Café Edith sowie dem Seniorenstift eng verbunden. Zudem lebten just in der Kaiserstraße 24, dem Gebäude, in dem wir seit März dieses Jahres eine Tagespflege-Einrichtung betreiben, vier der Busecker Bürgerinnen und Bürger, denen von nun an mit einem Stolperstein gedacht werden soll. Drei Patenschaften inklusive deren Finanzierung übernimmt die JUH.“