Großes Rettungsdiensttraining für Lebensbedrohliche Einsatzlagen

Linden (Gießen), 09. November 2019

Linden (Gießen) ▪ Der Landkreis Gießen (LKGI) als Träger des Rettungsdienstes ist gesetzlich dazu verpflichtet, ausreichende Vorsorgemaßnahmen zu treffen, damit ein plötzlicher Massenanfall von verletzten oder zu betreuenden Personen, kurz MANV genannt, bewältigt werden kann.

Hierzu gibt es vier Pflichtfortbildungstermine für alle Einsatzkräfte im Rettungsdienst, um im Praxistest zu überprüfen, ob die vorhandenen Konzepte funktionieren.

Schauplatz der Übungen, an denen Einsatzkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) und des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, die Polizei Mittelhessen sowie der Landkreis Gießen mitwirken, ist jeweils das Gelände der Regionalgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. in der Carl-Benz-Straße in Linden.
Schwerpunktthema des Jahres 2019 war an allen vier Samstagen die organisierte rettungsdienstliche Vorgehensweise in Zusammenarbeit mit der Polizei im simulierten Szenario einer Gewalttat, die eine größere Personengruppe betrifft. Anwendung fand hierbei wieder die Dynamische Patienten Simulation (DPS). Mit Hilfe dieses Trainingskonzepts, das die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) erarbeitet hat und der Landkreis Gießen aktualisiert hat, kann der Massenanfall von verletzten und erkrankten Personen (MANV) simuliert und geübt werden. Im Mittelpunkt stehen der Einsatz im Bereich der Patientenablage und/oder eines Behandlungsplatzes. Ziel ist die notfallmedizinische Versorgung von Patienten in einer MANV-Lage und der Aufbau von Führungsstrukturen. Hierbei stehen die medizinischen und taktischen Entscheidungen der ersten Kräfte unter Zeitdruck im Vordergrund.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Simon Little, dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst, Kreisbrandinspektor Mario Binsch und Horst Jeckel aus dem Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises sowie Axel Reinhardt vom Polizeipräsidium Mittelhessen, Abteilung Einsatz, Dr. Marius Merz, Notarzt und Heinz-Georg Jäger, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OLRD), übte man gemeinsam die strukturierte Bewältigung einer inszenierten Großschadenslage.

Als Ausbilder fungierten Dr. Nils Lenz, Leitender Notarzt (LNA), Dirk Rausch, OLRD JUH, Jens Dörr, JUH, Alexander Hejny, OLRD DRK, Dr. Florian Martens LNA, Dr. Alexander Schlier LNA, Heiko Wagener OLRD JUH, Dominik Panz, OLRD JUH, Frank Niemann OLRD DRK, Prof. Dr. Frank Marx LNA, Dr. Christian Koch LNA, Christopher Cyskat, JUH, Wilfried Brömme, JUH sowie der Einsatztrainer Thomas Prem, Polizeipräsidium Mittelhessen.

Insgesamt nahmen rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Rettungsdienste von DRK und JUH, Leitende NotärztInnen, NotärztInnen aus allen Kliniken des Gießener Kreisgebietes sowie aus Marburg, Wetzlar und der Wetterau, Polizei NIT Teams, THM-Studenten, Verletztendarsteller der JUH, die Zentrale Leitstelle Landkreis Gießen, Feuerwehren aus Rabenau, Staufenberg, Reiskirchen, Grünberg, Biebertal, Buseck und Pohlheim an den vier Übungsterminen teil. Aufgrund der hohen Resonanz sind auch für 2020 bereits vier weitere Ausbildungstermine geplant. 
 
Die Besonderheit im Vergleich zu anderen rettungsdienstlichen Übungen bestand bei diesem organisationsübergreifenden Training in der engen Zusammenarbeit mit dem Notinterventionstraining (NIT) der Polizei, das alle Mitwirkenden dahingehend sensibilisierte, Gefahren zu erkennen, ständig zwischen den Kräften zu kommunizieren, sowie strukturiert und kompetent nach den Regeln der taktischen Medizin zu handeln, ohne dabei den Schutz des eigenen Lebens außer Acht zu lassen.

„Situationen wie ein Massenanfall von Verletzten können nur in der koordinierten Zusammenarbeit von Partnern bewältigt werden. Der Landkreis Gießen als Rettungsdienstträger arbeitet hier hervorragend mit den Hilfsorganisationen zusammen. Für die gute Organisation der Übung bedanke ich mich bei allen Haupt- und Ehrenamtlichen des Landkreises und seiner Partner – ebenso bei allen Einsatzkräften, die gemeinsam üben, damit im Notfall alle Handgriffe und Abläufe reibungslos funktionieren“, so Landrätin Schneider über die erfolgreich absolvierte Übung. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich ergänzt: „Aus meiner eigenen Erfahrung als ausgebildeter Rettungssanitäter weiß ich, wie wichtig praxisnahe Übungen sind, vor allem wenn es um Abläufe geht.“ RP Ullrich saß während seines Studiums als erster Mann im Einsatzwagen.

„Ich freue mich, dass unsere Einsatzkräfte im Rettungsdienst diese Übungsszenarien gemeinsam mit der Polizei Mittelhessen, insbesondere mit den NIT-Teams, durchführen konnten. So wird ihnen das bestmögliche Rüstzeug für lebensbedrohliche Einsatzlagen vermittelt und es entstehen neben wichtigen Synergieeffekten die nötigen Kompetenzen, um den hoffentlich nie eintretenden Ernstfall meistern zu können“, ergänzt Marco Schulte-Lünzum, Regionalvorstand der Johanniter im Regionalverband Mittelhessen. Dieser Ansicht ist auch Markus Müller, Geschäftsführer des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, und bekräftigt: „Eine kontinuierliche Vernetzung aller beteiligten Akteure ist für eine reibungslose Zusammenarbeit im Einsatzfall unerlässlich. Auch dazu tragen solche Übungen entscheidend bei.“
„Ich freue mich, dass wir im Zuge von mehreren Fortbildungsveranstaltungen die Zusammenarbeit zwischen den Rettungskräften und der Polizei weiter intensivieren konnten. Auch vor dem Hintergrund, dass Gewalttaten oder Aggressionen gegen Rettungs- und Einsatzkräfte zuletzt erkennbar anstiegen, sind solche Veranstaltungen wichtig und fördern die Vorbereitung auf bestimmte Szenarien. Unsere Einsatztrainer geben dabei wertvolle Tipps bei den geübten dynamischen Einsatzlagen. Es ist bereits die vierte dieser Veranstaltungen, die so gemeinsam durch Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mittelhessen und den anderen Beteiligten erfolgreich vorbereitet und durchgeführt wurde“, so Mittelhessens Polizeipräsident Bernd Paul beim Besuch der Fortbildungsveranstaltung am 09.11.2019 in Linden.