Pädagogischer Kopfstand beim Kita-Fachtag 2019

Coswig, 21. September 2019

Die Messlatte lag hoch. Schon der Kita-Tag 2017 war kein gewöhnlicher Weiterbildungstag. „Erzieher*innen bewegen“ glich eher einem Aktionstag mit Gesundheitsangeboten zum Mit- und Nachmachen. Das Feedback jedenfalls wahr ausgesprochen gut.

Unter Volldampf

Entsprechend groß war der Anspruch, den das Kita-Team aus dem Landesverband an sich selbst gestellt hat. Monatelang rauchten die Köpfe, glühten die Finger, wurde der „Kreativteil“ im Hirn befeuert. Am Ende haben Berit Bemmann, Maria Brennecke und Mandy Göttert ein „Bühnenprogramm“ ersonnen. Eine Weiterbildung, die man als solche nicht empfunden hat. An ihrer Seite: „Platz im Raum“, ein Theaterpädagogen-Team, das mit dem Publikum spielt und dennoch wichtigen fachlichen Input gibt. Aber eben ganz spielend.

Die üblichen Unken

„Natürlich gab es Skeptiker. Und auch wir waren uns nicht immer ganz sicher, ob das aufgehen wird“, erinnert sich Berit Bemmann. „Wir wollten aber nicht mit Power-Points und Frontalschulungen langweilen. Es geht darum, dass Kinder ihren Kindergarten als Ort der kreativen Entwicklung erleben. Wie öde wäre es denn dann gewesen, auf Wissensvermittlung im besten Sinne der preußischen Tugenden – mit Disziplin, Gehorsam und Freudlosigkeit – zurückzugreifen.“

Warm-up am Vormittag

Los ging es mit einer Chorprobe. Auch dazu mussten erst einmal Stimme und Körper gelockert werden. Gut „angelockert“ übernahm das Team von Platz im Raum. Hanka Büchner und Andreas Knodel steigen mit kleinen Spielen ein: Die linke Hälfte des Saales ruft „Eins“, die rechte „Zwei“ und so weiter. Aus voller Kehle schreien sich dann die Gruppen an „ha“ und „nein“; „aber“ und „doch“. Mit jedem „Schrei“ wird es spürbarer. Viele der 360 Fachkräfte im Saal bauen ihre Scheu ab, trauen sich aktiv und laut zu werden, spielen mit der Stimme. Sie sind bereit für weitere Aufgaben, die sich im Laufe des Tages steigern werden.

Der „Hauptact“

Nach dem Mittag „aufwärmen“ mit einer Massenmassage. In einer fast endlosen Reihe bearbeitete jeder seine Vorderfrau/seinen Vordermann. So aufgelockert stand dann der „Hauptact“ des Nachmittags an. Ein Improvisationstheater: 3. Akt „Bewegung, Tanz, Körpereinsatz und Körpersprache“.

Die Aufgabe:

Das „Publikum“ liefert Worte wie Käsefuß, Liebe, Stinker oder Faulheit. Dann sind neun freiwillige Artisten aus den Reihen der Teilnehmer gefordert. Sie sollen diese Begriffe nun Spielen. In Abstufungen von aggressiv bis liebevoll, von ängstlich bis mutig, von teilnahmslos bis neugierig.

Was kam raus?

Ernsthaftes Spiel, sinnvoller Quatsch, oberflächlicher Hintersinn. Den Körper und die eigene Stimme spüren sich selbst wahrnehmen.

Und noch ein Tipp von Profi Hanka Büchner: Es sei im Kita-Alltag nicht nötig, dass die Großen immer alles verstünden, was sich Kinder ausdenken. Sie hätten meist einen Plan, eine Vorstellung von dem, was sie da so machen.

Mit gut gefüllten Methoden-Koffern auf den Heimweg

Diese Koffer waren keine im herkömmlichen Sinn. Sie hatten keinen Deckel und keinen Griff. Der „Koffer“ glich eher einem Feuerwerk im Kopf. Was habe ich heute hier erlebt, was nehme ich davon mit in meinen Erzieher-Alltag? Was macht das bei den Kindern und meinen Kollegen? Wie setze ich das in der Praxis um? Wie passe ich das an die verschiedenen Altersgruppen an?

Como Vento – mehr als eine Show

Für das Feuerwerk in den Ohren war mal wieder Como Vento zuständig. Doch neben der Trommelshow erzählten im Interview Celina Schmidtchen und Janek Rochner-Günther über die musikalische Arbeit. Mindestens genauso wichtig sei Integration, Teamgeist und das Aufeinander-Verlassen – in einer Truppe, die im Jahr über 70 Auftritte absolviert.

Und wie geht es beim nächsten Mal 2021 weiter? Eine Steigerung ist kaum möglich. Aber das hat das „Kita-Team“ 2017 auch schon gesagt. Fühlt Euch weiter herausgefordert.

Video: Como Vento in Aktion