Wilhelm Graf Schwerin

Wilhelm Graf v. Schwerin v. Schwanenfeld: Von ganzem Herzen Landwirt

Wilhelm Graf v. Schwerin v. Schwanenfeld wurde am 7. Februar 1929 im mecklenburgischen Göhren als Sohn von Marianne und Ulrich-Wilhelm Graf v. Schwerin v. Schwanenfeld geboren, einem Widerstandskämpfer und Attentäter des 20. Juli 1944.

Schon früh erfuhr Wilhelm Graf v. Schwerin die ganze Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus: Sein Vater wurde wenige Wochen nach dem gescheiterten Attentat gegen Hitler nach einem Scheinprozess hingerichtet, die Familie von ihrem Gut in Göhren vertrieben und in sogenannte "Sippenhaft" genommen.

Aufgrund seiner Leidenschaft für die Natur schloss Wilhelm Graf v. Schwerin zunächst eine landwirtschaftliche Lehre ab, danach die Höhere Landbauschule und schließlich eine Ausbildung im Bereich Obstbau. 1952 wanderte er als Farmer nach Südafrika aus und trat dort dem Johanniterorden bei. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1956 absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der deutschen Abteilung eines großen amerikanischen Landmaschinenhersteller in Mannheim, dem er von 1961 bis zu seiner Pensionierung 1994 in verschiedenen Leitungsfunktionen angehörte, zuletzt als PR-Direktor in der Europazentrale. Im selben Jahr siedelte er mit seiner Frau wieder auf das alte Familiengut in Göhren über.

Als Ehrenritter und Rechtsritter des Johanniterordens (Ernennung 1954 bzw. 1973) leitete er die Subkommende Kurpfalz und trat 1968 der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. bei; am 22. November 1980 wurde er ihr fünfter Präsident.

In seiner 21-jährigen Amtszeit engagierte sich Wilhelm Graf v. Schwerin erfolgreich beim Ausbau der JUH, die unter seiner Führung auf 1,3 Mio. Mitglieder anwuchs. Auch der Aufbau der JUH in den neuen Bundesländern nach der Wende 1989 war ihm ein besonderes Anliegen, die er als seine "spannendste und schönste Aufgabe" bezeichnete. Im Winter 1989/1990 verantwortete er u. a. den damals größten Auslandseinsatz der Johanniter in Rumänien. Unter seiner Leitung wurde die JUH in ein Soforthilfeprogramm der Bundesregierung eingebunden und belieferte Krankenhäuser in Ostdeutschland mit Pflegematerial. Hilfstransporte nach Russland und Weißrussland folgten ein Jahr später nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa. Während seiner Amtszeit integrierte die JUH die internationale Hilfe in ihren satzungsgemäßen Aufgabenbereich und baute sie entsprechend auf und aus. Im Inland wurden in den Achtziger- und Neunzigerjahren Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungsdienst und Soziale Dienste der JUH kontinuierlich weiter entwickelt. Besonders hervorzuheben ist zudem das Engagement Wilhelm Graf v. Schwerins gegen den Rechtsradikalismus.

Für seine Verdienste ernannte ihn der Johanniterorden 1989 zum Ehrenkommendator sowie drei Jahre darauf zum Ordensstatthalter. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des JUH-Präsidenten 2001 wurde er zum Ehrenpräsidenten der JUH berufen und zum Chairman der internationalen Vereinigung der Johanniter-Hilfswerke gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2005 inne.

Wilhelm Graf v. Schwerin v. Schwanenfeld lebt als Pensionär und passionierter Landwirt und Jäger in Göhren.