Sommerlager 2005

Eine interessante Mischung, 22 Gäste mit Behinderungen unterschiedlichster Art und Stärke und Betreuer, die durchweg nicht aus sozialen Berufen, sondern eher aus der Finanzwelt kommen, verbringen eine Woche gemeinsam. Die Umgebung ist ideal, kleine Holzhütten, in denen wir Betreuer mit den Gästen gemeinsam schlafen, zentrale Küche und Waschmöglichkeiten, im Lilienwald in Karben-Petterweil.

Hier ist das Leben sowohl für die Gäste als auch für die Betreuer grundlegend anders als im Alltag. Man verbringt die Zeit draußen in der Natur, ist rund um die Uhr mit Menschen zusammen und die Uhren gehen hier langsamer, nicht jede Sekunde muss effizient genutzt werden.

Als am Samstag die Gäste ankamen, konnten wir schon in strahlende Gesichter blicken, die Freude auf diese Woche ist riesig sowohl bei denjenigen, die das Lager schon kennen, als auch bei denen, für die es noch fremd ist. Die Lagerleitung hatte wieder, wie in den Vorjahren, für die Woche ein sehr abwechslungsreiches Programm ausgewählt, das auch Freiraum für Singen, Spiele oder Spazieren zwischendurch ließ.
Für unser leibliches Wohl war das Küchenteam verantwortlich, das uns täglich hervorragend bekochte, wunderbar abwechslungsreich, die Gerichte mit viel Liebe zubereitet, einfach klasse!

Begleitet wurde die Woche wieder durch Pfarrer Jahns mit täglichem Gebet und in diesem Jahr mit der Geschichte des Moses. Der Gottesdienst am Sonntag sowie der Abschlussgottesdienst am Freitagabend rahmten die Woche ein, so dass der christliche Glaube auch ein fester Bestandteil des Lagers war.

Die Vorbereitung für den Abschlussgottesdienst motivierte auch die Workshops, ein Altar musste gebaut werden, was sowohl die Holz-Handwerker als auch die Seidenmaler forderte und Lieder wurden geübt, ideal für die musikalischen Gäste. An einem konkreten Ziel zu arbeiten, hat uns allen viel Freude gemacht. Neben den Workshops waren besondere Höhepunkte der gemeinsamen Woche das therapeutische Reiten bei von Erffas, der Besuch des Zauberers, die Hundestaffel der Johanniter Gießen wie auch der Besuch der Ronneburg.

Besonders beeindruckend war, wie wir alle, Gäste und Betreuer, an unseren Aufgaben gewachsen sind. Die Gäste haben Fähigkeiten entdeckt, die sie sich nicht zugetraut haben, hier ein Beispiel, das uns alle besonders beeindruckt hat: Andreas ist vor Jahren von einem Pferd gefallen und wollte auch das therapeutische Reiten nicht annehmen. Doch nach seiner ersten Scheu konnte ihm die Therapeutin doch Vertrauen geben, so dass er ritt und wieder Freude an Pferden hat. Viele kleine Beispiele gab es auch beim Sägen und Malen oder auch beim Zusammentreffen mit der Hundestaffel. Doch nicht nur die Gäste haben Neues entdeckt auch die Betreuer. Für mich persönlich war das Lager im vergangenen Jahr die erste Gelegenheit in meinem Leben direkten Kontakt zu Menschen mit Behinderungen zu haben; mit gemischten Gefühlen habe ich der Zeit entgegen gesehen, da ich nicht wusste, wie ich die Hilfestellungen, die nötig sind, meistern würde. Doch nach den ersten Stunden waren alle Bedenken verflogen und es war sicherlich eine der wunderbarsten Erfahrungen, die Vieles im Alltag relativiert und Kraft gibt. Damit war auch klar, dass ich den kommenden Jahren mit bei dem Lager dabei sein wollte.

Ähnliche Reaktionen konnte man auch bei den Mitarbeitern von Goldman Sachs sehen, die seit mehreren Jahren Tagesausflüge mit den Gästen des Johanniterlagers organisieren und die dieses Jahr den Ausflug zur Ronneburg veranstaltet haben. Die „Goldmänner“, wie sie genannt werden, kommen aus einem sicher harten beruflichen Umfeld und haben aber diesen Tag mit den Gästen verbracht, als wäre das ihre eigentliche täglich Beschäftigung, sie waren so begeistert, dass die meisten blieben bist es an der Zeit war, für uns alle zu Bett zu gehen. Natürlich nicht ohne unsere individuelle Tagesschau, die ich noch erwähnen möchte, da sie allen sehr wichtig ist. Hier werden Bilder des Tages gezeigt und „professionell“ von unserem Tagesschausprecher kommentiert, was einen wunderbaren Tagesabschluss bildet.

Eine gefüllte Woche…. Als am Samstag der Abschied kam, waren die Herzen sicher auf allen Seiten schwer, denn das Zusammenleben schweißt zusammen, doch nun können wir uns wieder auf das kommende Jahr freuen. Um meine Eindrücke in einem Satz zusammen zu fassen, es ist eine intensive Erfahrung, die Demut und Dankbarkeit lehrt und mir viel Energie für den Alltag gibt.