Sommerlager 2007

Am 11. August 2007 war es wieder so weit, das Johanniter-Sommerlager öffnete erneut seine Türen für Gäste und Betreuer. Für mich war es die erste Teilnahme und es sollte eine Woche mit vielen neuen und intensiven Eindrücken werden.

Das Sommerlager wird seit neun Jahren vom Johanniter Orden organisiert und bietet etwa 20 überwiegend geistig und zum Teil auch körperlich behinderten Jugendlichen die Möglichkeit eine Woche Urlaub zu machen und dabei den Alltag hinter sich zu lassen.

Gleichzeitig bietet das Lager den ehrenamtlichen Betreuern ebenfalls die Möglichkeit eine Woche der besonderen Art zu verbringen. Alltagssorgen lassen sich schon nach kurzer Zeit vergessen und Börsenprobleme erscheinen ganz einfach nicht mehr so wichtig wie noch kurz zuvor. Des weiteren ist es eine Möglichkeit Kontakt zu Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft aufzunehmen, die von vielen doch nur am Rande wahrgenommen werden.

Nachdem die Gäste am Sonnabend ankamen, war am Nachmittag Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen. Meiner Unsicherheit aufgrund der nicht vorhandenen Erfahrung wurde mit einem gut gemeinten wie hilfreichen Ratschlag entgegnet: „Kontakt suchen hilft am besten!"

Alle Zweifel waren völlig unbegründet, denn die meisten Gäste waren viel offener und herzlicher als man es selber ist und aus dem eigenen Alltag gewohnt ist. So war man auch als „Neuer" gleich mittendrin.

Für die weiteren Tage waren verschiedene Programmpunkte vorgesehen, die für eine sehr abwechslungsreiche Woche sorgten. Der Sonntag wurde mit einem Begrüßungsgottesdienst durch Pfarrer Jahn begonnen. Am Nachmittag starteten verschiedene Workshops mit Betreuern und Gästen. In diesem Jahr gab es unter anderem einen Bastel-Workshop für Musikinstrumente, gemeinsames Singen, Seidenmalerei oder den Bau eines Altars.

Am Montag besuchte uns die Johanniter Unfall Hilfe und führte Gästen und Betreuern die einzelnen Ausstattungen eines Rettungswagens vor. Einmal das Martinshorn selber betätigen oder auf der Trage zu liegen ohne krank zu sein, sorgte für viel Freude und Spaß bei den Gästen. Später am Nachmittag kam die Rettungshundestaffel der Johanniter und führte uns vor, wie die Hunde im Ernstfall helfen können, Menschen zu finden und zu retten.

Am Dienstag ging es zu Herrn und Frau von Erffa zum therapeutischen Reiten sowie anschließendem Mittagessen und Trampolinspringen im eigenen Garten. Der Mittwoch wurde wieder im Lager verbracht, am Abend gab es Besuch von zwei Zauberern. Durch das Herbeizaubern von einem verlorenen Autoschlüssel sorgten die Zauberer nicht nur bei den Gästen für Freude.

Der Donnerstag wurde durch die Mitarbeiter von Goldman Sachs gestaltet, die seit mehreren Jahren für einen Tag den Ablauf übernehmen und bei der Betreuung mithelfen. Dieses mal ging es in das Frankfurter Senckenberg Museum. Für den Freitag war eine Schnitzeljagd mit verschiedenen Aufgaben von Dosenwerfen bis zum Apfelessen aus der Mehlschüssel vorgesehen, auf die sich die erfahreneren Gäste schon die ganze Woche gefreut haben. Abgerundet wurde der Tag von einem Abschlussgottesdienst zu dem viele Besucher und Freunde kamen.

Zwischen den gut organisierten einzelnen Programmpunkten war immer genügend Zeit, um mit den Gästen spazieren zu gehen, zusammen zu malen und zu zeichnen, Fußball zu spielen oder für eine gemeinsame Runde Mensch Ärgere Dich nicht, sodass weder Langweile noch Stress entstehen konnten. Die Abende endeten jeweils mit der Lager-Disco und anschließender Tagesschau mit den Bildern des Tages.

Zu der guten Stimmung hat sicher auch das Küchenteam beigetragen, das jeden Tag mit einem neuen leckeren Gericht überraschen konnte.

Ich habe in der Woche Gäste mit ganz unterschiedlichen Charakteren kennen gelernt, die genauso ihre großen und kleinen Probleme haben und bei denen es gute wie schlechte Tage gibt. Wie bei allen Menschen gab es auch Gäste, unabhängig von Art und Umfang der Behinderung, die man sofort mag und andere, bei denen es etwas länger dauert, bis man miteinander warm wird.  

Einen Unterschied zwischen Gästen und Betreuern gibt es aber dennoch zu erwähnen:  Direktheit und Offenheit. Bisher war das Kennenlernen meist mit einem mehr oder weniger vorsichtigen Abtasten verbunden. Aber ich kann mich noch gut an den „ersten Kontakt" erinnern, indem ich auf einen Gast zuging, um mich vorzustellen und er sich einfach umdrehte und wieder wegging! Ich war noch etwas perplex als ich nun direkt von einem anderen Gast angesprochen wurde: „Hast Du eine Freundin und Kinder?" und ich entgegnete „Ja, eine Freundin habe ich, aber keine Kinder" - „Warum, magst du keine Kinder???" Da war ich gleich das zweite Mal perplex!

Insgesamt war es gut, dass das Sommerlager eine ganze Woche dauerte, denn so hatte ich noch genügend Zeit, auch die anderen Betreuer besser kennen zu lernen. Deshalb freue ich mich, alle im nächsten Jahr wiederzusehen!