Sozialstationen in Polen

Als Polen noch zum Ostblock gehörte, haben die Ritterbrüder unserer Genossenschaft in Deutschland gespendete Hilfsgüter des täglichen Bedarfs nach Polen transportiert und so geholfen die Not insbesondere der Landbevölkerung zu lindern.

 

Nach der politischen Wende konnte Johanniter-Sozialstationen aufgebaut werden. Viele pflegebedürftige - insbesondere ältere - Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten, sind nur unter Aufbringung großer Kräfte und finanzieller Anstrengungen in der Lage, Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken aufzusuchen. Häusliche Pflege durch Fachkräfte und hauswirtschaftliche Betreuung ist kaum bekannt und auf Familienhilfe beschränkt. Die Hausbesuche unserer Krankenschwestern helfen den Betroffenen sehr.

Das Konzept zur Einrichtung der Sozialstationen durch den Johanniterorden ist kurz gefaßt :

 

  • Der Johanniterorden leistet bzw. organisiert Anschubhilfe, der laufende Betrieb wird lokal gemanagt

  • Die Partner vor Ort tragen alle in Polen anfallenden laufenden Kosten

  • Den laufenden Betrieb unterstützt der Orden nach besten Kräften durch Lieferung von in Deutschland gespendeten Medikamenten, med. Verbrauchsmaterial und orthopädischen Hilfsmitteln

  • Besonders wichtig ist die fachliche Fort- und Weiterbildung der Stationsschwestern.

  • Geholfen wird ohne Ansehen der Person, ihrer Religion, Nationalität, Hautfarbe oder ihrer sozialen Stellung

  
Die Sozialstationen wurden in ihrer Entstehungsphase mit Unterstützung der JUH sowie zum Teil durch eine Anschubfinanzierung der Bundesregierung errichtet. Später kamen noch Sozial-Stützpunkte hinzu. Im Gegensatz zu den Sozialstationen sind diese nicht durch Fachkräfte besetzt und dürfen keine Medikamente verteilen.

1995 besteht eine gemeinsam mit der JUH Baden-Württemberg, eingerichtete Sozialstation in Lodz (Łódź) , die in Zusammenarbeit mit der dortigen evangelischen Kirchengemeinde St. Matthäus betrieben wird.

1999 kam eine Sozialstation in Marienburg (Malbork) hinzu, die in Kooperation mit der Stadt Marienburg und der deutschen Minderheit Marienburg betrieben wird.

2002 wurde eine weitere Sozialstation in dieser Region - in Marienwerder (Kwidzyn) - eingerichtet. Auch hier sind die Kommune und die deutsche Minderheit Marienburg und Marienwerder die Partner der Posen-Westpreußischen Genossenschaft.

2004 wurde in Lask (Łask) unweit Lodz ein Sozial-Stützpunkt zum Verleih für medizinisches Gerät und orthopädische Hilfsmittel eingerichtet, der in Kooperation mit der dortigen evangelischen Kirchengemeinde betrieben wird.

2007 wurde die dritte Sozialstation in Christburg (Dzierzgoń) östlich von Marienburg eingeweiht. Der Partner unserer Genossenschaft ist die Gemeinde.


Im August 2008 eingerichtete Sozial-Stützpunk Ritschenwalde (Ryczywół) wird gemeinsam mit der Gemeinde betrieben.


Durch diese Aktivitäten geschieht neben dem diakonischen auch ein politisch wirksamer Dienst, weil Gräben eingeebnet und auf beiden Seiten der Grenze Deutschland/Polen noch virulente Vorurteile abgebaut werden. Verstärkt wird dies durch ein sehr positives Echo in der örtlichen Bevölkerung, bei Behörden und in polnischen Medien, was durch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen dokumentiert wird. Ein erfreulicher Nebeneffekt ist, dass die zu Sowjetblockzeiten vielfach ins Abseits gedrängten deutschstämmigen Menschen durch ihre Mitarbeit bei den Sozialstationen wieder zu sozialem Ansehen gelangt sind.