Bericht des Werkmeisters - auf dem Rittertag 2017

45. Mitteilungsblatt, 15. August 2017

Im Mittelpunkt unseres Engagements in Schlesien stehen die Sozialstationen. Sie werden von Herrn v. Rheinbaben betreut und mehrmals im Jahr aufgesucht. Im vergangenen Jahr fanden wieder fast 19.000 Behandlungen statt. Das ist besonders hervorzuheben, da unsere Zuschüsse in den letzten Jahren leider nicht erhöht wurden und, um die Lohnsteigerungen auszugleichen, die Öffnungszeiten reduziert werden mußten. Diese Entwicklung soll dadurch gestoppt werden, dass bei einer höheren Qualifizierung der Station öffentliche Zuschüsse beantragt werden können. Die Stationen in Wang und Waldenburg werden den Anforderungen gerecht, die Anträge wurden gestellt. Groß-Wartenberg soll ebenfalls qualifiziert werden; Abstimmungsgespräche mit der Stadt laufen.

Die Station in Breslau soll zukünftig im neuen Diakoniezentrum neben der Schloßkirche ihren Dienst aufnehmen, auch dafür wurden Anträge gestellt. Die Station in Grünberg wird zu 50% von der Stadt finanziert, sie ist besonders bedeutsam, da sie auch die Bewohner eine Noteinrichtung, die sich in der Nähe befindet, betreut. Größere Investitionen sind für die Pkws der Stationen erforderlich. Die Schwestern benötigen sie, um die Patienten zu betreuen. Diesmal waren es Wang und Waldenburg, die Ersatz erhalten haben. Wir sind Herrn v. Rheinbaben sehr dankbar, der für diese Beschaffungen Spenden eingeworben hat.

Herr v. Rheinbaben hob in seinem Bericht hervor, dass die Stationen dringend Sauerstoffgeräte benötigen; leider sind die teuer. Der neue Spendenbeauftrage, Herr v. Gersdorff, hat versprochen, sich darum zu kümmern.

2016 waren es 5 Transporte mit Inkontinenzmaterial der Firma Hartmann und der Firma Attend, die an die Sozialstationen geliefert werden konnten. Es ist bereits eine eingespielte Abwicklung: Die Lieferung erfolgt auf den Betrieb von Herrn v. Kap-herr nach Prusny, dorthin kommen die Vertreterinnen der Stationen und teilen unter Leitung von Schwester Lydia von der Christophori Gemeinde in Breslau die Lieferung auf. So weit ich gehört habe, werden sie anschließend liebevoll von Frau v. Kap-herr mit Kaffee und Kuchen gestärkt. Herzlichen Dank.

Dieses Material ist so hilfreich und wichtig, dass manchmal auch ein  Vertreter der Sozialstation Sonnenland in Kattowitz kommt, um  Material abzuholen.

Insgesamt hat sich die Situation verändert. In den Verleihstationen richtet sich die Nachfrage nicht mehr auf das gesamte Spektrum der Hilfsmittel, sondern konzentriert sich auf elektrische, zerlegbare Pflegebetten.

Ich habe die Auskunft bekommen: Rollstühle u. andere Hilfsmittel müssen von den Patienten selbst gekauft werden, die Kasse gibt nur einen kleinen Zuschuss.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir allen Verleihstationen neue Betten bereit gestellt, pro Jahr etwa 10. Herr v. Lieres hat zusammen mit Herrn v. Gregory die Stationen in Oberschlesien besucht und die Nachfrage nach Betten und Sauerstoffgeräten bestätigt gefunden. Die neue Verleihstation in Sosnowiec mit einer Nebenstelle im benachbarten Myslowitz hat inzwischen ihren Betrieb aufgenommen. Bischof Pytel hat in seiner Begrüßung hervorgehoben, dass die Verleihstationen große Bedeutung für die evangelischen Gemeinden haben, weil diese dadurch zeigen, dass sie auch für die Allgemeinheit offen sind.

Die Nachfrage nach Krankenhausbetten ist inzwischen gering. Haben die Lieferungen aus der Schweiz 2015 noch Krankenhäuser im Raum Grünberg gegolten, so gingen sie im letzten und in diesem Jahr nach Ostpreußen und Posen Westpreußen. In den dortigen ländlichen und für polnische Verhältnisse armen Gebiete werden die Betten in den Krankenhäusern gebraucht. An dieser Stelle Dank an den Ritterbruder Hug in Zürich, der die Transporte zusammenstellt, koordiniert und teilweise finanziert.

Es ist im Prinzip eine erfreuliche Entwicklung, die wir in Schlesien beobachten, Mangel und Armut sind im Großen und Ganzen verschwunden, die Zeiten in denen unsere Ritterbrüder jedes Jahr bis zu 80 Transporte gemacht haben, Geschichte. Erinnern wir uns: In der Zeit von 1980 bis 1995 waren es 810 Transporte in einem Volumen von rund 3.000 to und einem Wert von 39 Mio. Euro. Vor dem, was damals geleistet wurde, kann man nur den Hut ziehen. Diese Transporte wurden natürlich in geringerem Umfang fortgesetzt und die Gemeinden betreut. Auch die Gemeindebetreuung ist fast zum Erliegen gekommen, weil der Bedarf sich verändert hat bzw. durch Tod der über Jahre Betreuten entfallen ist.

Ich habe von der Familie Bartenwerfer, die zusammen mit anderen Ritterbrüdern sehr viele Fahrten gemacht hat, ein Fotoalbum mitgebracht. In dem Album sind die Fahrten beschrieben mit Bildern. Ich habe auch einen Ordner mit den ausführlichen Reiseberichten erhalten, wie sie im Anschluß an die Reisen zusammen mit der Abrechnung gemacht wurden, es müßten eigentlich über 800 Berichte sein. Ich weiß nicht, wo die Berichte geblieben sind, wir sollten sie sammeln und aufheben, da sie für die Geschichte der Genossenschaft wertvoll sind.

Das Johanniter-Kom-petenzzentrum bietet die Möglichkeit, alte Unterlagen zu archivieren, wir werden das prüfen und ggf. umsetzen. Ich bitte nochmals herzlich, mir Berichte und Fotos zu schicken, damit ich sie kopieren und aufheben kann, die Originale erhalten Sie natürlich zurück.

Eine große Rolle spielt die Jugendarbeit, z. B.in der schlesischen Oberlausitz. Die Berufsberatung am Johanneum findet regelmäßig statt und erfreut sich großer Beliebtheit. Im Lebenshof bei Görlitz unterstützen wir zusammen mit der sächsischen Genossenschaft die Ausbildung von Jugendlichen, beim Rittertag in Breslau hat der Leiter darüber berichtet.

Erfreulich ist, dass der Schulsanitätsdienst  in Schlesien und dem Teschenerland sich weiter gut entwickelt. Im letzten Jahr konnten wieder 80 Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden, in diesem Jahr wird die Arbeit in einer weiteren Schule aufgenommen.

In den vergangenen Jahren haben wir das Straßenkinderprojekt in Beuthen unterstützt:

Bei dem Projekt handelt es sich um eine systematische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Beuthen, die täglich folgenden Problemen begegnen: Gewalteinwirkungen seitens der Eltern und Gleichaltrigen, Armut, Drogen- und Alkoholsucht, Aggressivität. 

Bei dem Projekt sollen zwei Programme realisiert werden:

Mobile Schule: Hierbei handelt es sich um das Veranstalten von anregenden, erzieherischen Aktivitäten in den Beuthener Hinterhöfen. Der Unterricht findet 4mal in der Woche, in der Nachmittagszeit, statt. 200 Kinder nehmen daran teil.

Breite deine Flügel aus: Hierbei geht es um eine sehr intensive Arbeit mit drei Gruppen (8 Schützlinge in jeder Gruppe), sie findet 4mal in der Woche statt, auch die Kontakte mit den Eltern der Kinder und den jeweiligen Schulpädagogen werden gepflegt 

Im Rahmen der Aktivitäten bringen die Kinder eigene Projekte auf die Beine, unternehmen Ausflüge an Orte, wo ihre Talente gefördert werden, verleben ihre Freizeit auf eine schöpferische Art und Weise.

Wir können dankbar sein, dass wir in dem Missionszentrum der evangelischen Kirche Polens einen Partner gefunden haben, der diese schwierigen Projekte angeht und wir mithelfen können.

Die Jugendarbeit verschiedener Gemeinden wird unterstützt. Über viele Jahre hat Graf Rittberg Gemeinden besucht und Geldspenden, die er selber gesammelt hat, für die Jugendarbeit weitergegeben. Diese Aufgabe haben Herr v. Gregory und Herr v. Lieres übernommen. Das Lutherjahr stand natürlich im Mittelpunkt der Spendenbitten. Finanziert werden Reisen Jugendlicher nach Wittenberg, Eisleben oder zur Wartburg. Ziel ist es den Glauben und den Zusammenhalt der Jugendlichen zu stärken.

Die Unterstützung der Jugendarbeit sollte verstärkt werden, sie ist für die Diasporakirche für das Überleben wichtig. Unser Ziel wird es sein, geeignete Projekte zu finden und zusammen mit den Pfarrern umzusetzen. Ein Projekt ist realisiert: Der neue Pfarrer von Pless/Pszczyna, Herr Czyz, hat um einen Beamer, eine Leinwand und ein Laptop gebeten, beides ist nun in Betrieb und ermöglicht einen Konfirmandenunterricht unter Einsatz zeitgemäßer Technik.

Auch an anderer Stelle hat die veränderte Sozialpolitik negative Folgen, diesmal bei der JDP. Dieses Hilfswerk erzielte in den Vorjahren Einnahmen aus der Absicherung von Veranstaltungen. Im Vorfeld fanden Bewerbungen statt, an denen sich auch andere Organisationen beteiligten. Nun wurde beschlossen, dass kommunale Einrichtungen, wie die Feuerwehr, bevorzugt beauftragt werden sollen. Das hat zu einem drastischen Umsatzrückgang geführt. Glücklicherweise ist das JDP nicht auf den Kosten sitzen geblieben, da für diese Projekte keine Hauptamtlichen vorgehalten werden, sie werden für die einzelnen Einsätze angeheuert. Die Ehrenamtlichen des JDP kriegen lediglich die Auslagen erstattet.

Es ist beruhigend, dass im ordentlichen Geschäft beim JDP eine schwarze Null erwirtschaftet wurde. Ein befriedigender Zustand ist das nicht. Der Vorstand ist dabei, eine neue Strategie zu überlegen.

 

EK Babo Graf Harrach