Bericht über die Schlesienhilfe auf dem Rittertag 2015

43. Mitteilungsblatt, 11. Dezember 2015

Sozialstationen:

Herr v. Rheinbaben berichtet, dass sich die Stationen, die er im vergangenen Jahr mehrfach besucht hat, weiter gut entwickeln. Mit ca. 20.000 Behandlungen wird das langjährige Niveau erhalten. Eine organisatorische Veränderung konnte nicht umgesetzt werden, da sich die rechtlichen Rahmenbedingungen verändert haben. Zusammen mit Pfarrer Pech, Wang wird aber weiter daran gearbeitet.

 

Verleihstationen:

Die Gemeinden mit Verleihstationen wurden Mitte Mai von Karl Otto Graf v. Rittberg, Sebastian Frhr. v. Gregory und Carl-Theodor v. Lieres besucht. Überall besteht nach wie vor große Nachfrage nach zerlegbaren elektrischen Pflegebetten. Andere Reha-Geräte wie z.B. Rollstühle und Gehhilfen sind für viele Bedürftige inzwischen auch über das polnische Gesundheitssystem leichter erhältlich. Da gebrauchte Pflegebetten in Deutschland inzwischen wegen der großen Konkurrenz durch gewerbliche Unternehmen aus Osteuropa kaum noch zu bekommen sind, müssen wir dazu übergehen, Betten - gebraucht oder neu - zu kaufen. [siehe daher auch Weihnachtsspendenaufruf auf der ersten Seite] Von  Pfarrer Raszyk aus Ruptau haben wir auch schon eine Quelle in Oberschlesien genannt bekommen. Der Pfarrer von Kattowitz-Szopienice möchte im September in der von ihm ebenfalls betreuten Gemeinde in Sosnowiec, einer Großstadt östlich von Kattowitz, mit Hilfe der Schlesischen Genossenschaft eine Verleihstation eröffnen. Der dafür vorgesehene Raum, die ehemalige Kapelle am Rande des evangelischen Friedhofs, wurde besichtigt und erscheint für die Verleihstation sehr geeignet. 

 

Graf Rittberg, Frhr. v. Gregory und Herr v. Lieres waren von Bischof Dr. Niemiec eingeladen worden, an dem Pfarrkonvent der Diözese Kattowitz teilzunehmen und den Johanniterorden und die Aufgaben der Schlesischen Genossenschaft vorzustellen. Dabei zeigten auch Pfarrer, mit denen bisher keine Kontakte bestanden haben, Interesse an einer Zusammenarbeit.

 

Unser besonderer Dank gilt Graf Rittberg nicht nur, dass er immer wieder diese Reisen unternimmt, sondern auch, dass es ihm gelingt Geld zu sammeln, das für die Jugendarbeit der Gemeinden besonders in Oberschlesien eingesetzt werden kann. Diese Reisen macht er mit  kleinen Unterbrechungen seit 1982 also seit 33 Jahren. In dieser Zeit hat er die für die Jugendarbeit verteilten Spenden gesammelt, ein Betrag der bei mehr als 150.000 € liegen dürfte. Das ist vorbildlich, vielen Dank. 

 

Die Sozialstation in Kattowitz entwickelt sich gut, es werden 15-20 Patienten mit unterschiedlicher Hilfe ambulant betreut. Daneben versorgt und berät die Schwester Patienten in der Diakoniestation Sonnenland. Für 2015 wurde die Unterstützung, wie vertraglich vorgesehen, reduziert. Diese Regelung wurde in der Erwartung  getroffen, dass die Stadt sich an den Kosten beteiligt. Nun wurde die Stadt in 3 Bezirke aufgeteilt und die Zuschüsse an 3 größere Organisationen gegeben. Kleine Dienste erhalten nichts. Wir werden die weitere Entwicklung beobachten. Der neue Bischof Dr. Niemiec führt bereits Gespräche.

 

Es wurden insgesamt 3 teilweise sehr große Transporte mit Inkontinenzmaterial abgewickelt, Empfänger waren die Sozialstationen in Niederschlesien, Kattowitz und auch das Altenheim in Teschen.

 

Gemeindearbeit:

Im abgelaufenen Jahr wurde die Jugendarbeit gefördert, wobei die Genossenschaft weniger Mittel verteilt als Graf Rittberg. Einzelne Gemeinden erhielten, wie in den Vorjahren, z.B. Heizungskostenzuschüsse.

Herr Mark v. Busse hat die Betreuung von 2 Gemeinden übernommen, die besonders bedürftig sind, das sind Sorau und Liegnitz. In Liegnitz ist ein engagierter junger Pfarrer, der auch um die Errichtung einer Verleihstation gebeten hat.

 

Jahrelanger Streit über die Rückgabe von gemeindlichen Grundstücken hat in Liegnitz zu einem Vergleich geführt: die Gemeinde erhält Gebäude im Werte von 2.1 Mio zł zum Preis von 1%. An Dach und Fach sind die Häuser in Ordnung, Lage 7 Fußminuten von der Liebfrauenkirche. Das eine Gebäude wird wahrscheinlich als Gemeindehaus mit Wohnungen genutzt, das andere als Altenheim ca. 50 Betten. Die Gemeinde ist mit 4o Mitgliedern in Liegnitz klein. Das war auch einmal die Ausganssituation in Lauban. Dort hat sich jedoch gezeigt, dass durch die Schaffung eines Gemeindehauses sich neue Mitglieder einstellten - in Lauban sind es jetzt 100.

 

Die Gemeinde Liegnitz betreut eine große Region, zu der auch Glogau gehört und hat kein geeignetes Fahrzeug für den Transport von Jugendlichen und Gemeindemitgliedern zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen. Durch den Weggang von Pfarrer Mendrok von Christophorie wird ein Fahrzeug dort nicht mehr benötigt. Die Gemeinde  könnte den Bus aus Breslau, wenn er dann zur Verfügung steht, sehr gut gebrauchen. Graf Beust hat diese Spende der  Subkommende Franken initiiert, diese hat der neuen Verwendung zugestimmt. Auch Pfarrer Fober hält die Übertragung für sinnvoll. Die Gemeinde kann aus eigener Kraft die Betriebskosten besonders die Versicherung nicht zahlen, der Konvent hat daher eine Unterstützung beschlossen.

 

An dieser Stelle sind einige Bemerkungen über die wirtschaftliche Situation in den Gemeinden zu machen. Viele glauben, in Polen steht alles zum Besten und unsere Arbeit ist nicht mehr so nötig. Natürlich hat sich vieles aber auch nicht alles zum Besseren geändert, und Polen ist kein Notstandsgebiet mehr. Regional betrachtet trifft das auf die ländlichen Gebiete und für das ehemalige Industriegebiet in Oberschlesien, aber auch in Waldenburg, nicht zu. Die protestantischen Gemeinden in diesen Regionen leiden mit der Bevölkerung. Besonders, wenn sie keine Latifundien, die sie vermieten können, haben, ist die Kasse oft leer. Dort werden Spenden, auch Kleiderspenden gerne angenommen. Die jungen Pfarrer kämpfen und versuchen das Image zu verbessern, dabei müssen wir ihnen helfen.

 

Daher bin ich Mark v.  Busse dankbar, dass er den Kontakt hält. Und Herr v. Baath, der mit Mitteln der Volk Stiftung die Gmeinde in Sorau unterstützt.

 

Es gibt aber noch andere, für die ein Gemeindebetreuer hilfreich wäre. Ich darf daher nochmals bitten, sich zur Verfügung zu stellen. Der Zeitaufwand ist steuerbar und würde das wohl erworbene Rentnerleben nicht beeinträchtigen, Kontakt kann per Internet und Telefon gehalten werden. Dem Aufwand steht ein großer Ertrag gegenüber, es macht den Pfarrern Mut, wenn wir Ihnen zur Seite stehen, es hilft den ev. Christen und stärkt das Image der Gemeinde ggü. den jeweiligen Kommunen.

 

Jugendarbeit: Regionalverband Schlesien des JDP 

Die Ausleihstellen für Rehabilitationsgeräte, der Grundstock wurde von uns gelegt, entwickelt sich gut. Groß ist die Nachfrage nach Betten, deren Bestand sich durch Zukäufe erhöhte. Im Mittelpunkt standen wieder die Schulungen in Erster Hilfe -  im letzten Jahr wurden 178 Schüler ausgebildet. Medizinische Absicherung durch die ausgebildeten Sanitäter erfolgte bei 6 Veranstaltungen z.B. Veranstaltungen/Freizeitlager/Fahrten

 

Sonstiges:

Sie haben ja im Mitteilungsblatt gelesen, dass die Aktion „Schlesiertelefon“ noch nicht richtig angelaufen ist und darf Sie bitten sich bei Mark v. Busse zu melden, wenn Sie bereit sind zu telefonieren oder selbst angerufen werden wollen. Oder jemand aus unserem Kreis kennen, der angerufen werden sollte.

 

Einmal mehr kann ich von der hervorragenden Zusammenarbeit mit unserem Schweizer Ritterbruder Daniel Hug, Zürich, berichten, wir haben 7 Transporte abgewickelt, von denen 2 nach Masuren gingen. Klinikbetten gingen nach Grünberg und Groß Wartenberg, 100 Matratzen gingen in das Altenheim Eben Ezer.

 

Jeder Transport hat seine eigene Geschichte, aber 2 kurze Anmerkungen. Das Verladen ist oft schwierig, und daher bittet Herr Hug um Unterstützung. Eine große Hilfe war, dass die Swisscom Kollegen von Ludwig Graf Yorck, die mit angefasst haben und den Bettentransport ermöglichten. Für  andere Transporte kamen Gemeindemitglieder aus Groß Wartenberg und Grünberg angereist und haben aufgeladen. Herr Hug war sehr beeindruckt und dankte für ihren Einsatz.

 

Die evangelische Schule in Gleiwitz hat wieder PCs bekommen.

 

Ein Novum für uns war die Schulranzenaktion von Herrn Bernhard v. Felbert, dem wir herzlich für die Initiative danken. Die Palette mit den Ranzen ging nach Teschen, da dort ein Pfarrer  in Skoczow bedürftige Erstklässler bei der Einschulung mit einer Grundausstattung versorgt. Eine Aktion, die in dortigen Presse sehr positiv aufgenommen wurde. Jetzt kommen die Ranzen dazu, sie werden mit Heften, Stiften und anderem Schulmaterial gefüllt.

 

Zum Abschluss der Dank von Pfarrer Pech aus Wang, dem wir den Kauf von 15 Sauerstoffgeräten ermöglicht haben:

Im Name von unserer Gemeinde möchte ich mich sehr herzlich bedanken für die großzügige  Spende an die Johanniter Sozialstation Wang für die Beschaffung von Sauerstoffgeräten nebst Zubehör.

Die Geräte sind dringend erforderlich, denn unsere Sozialstation betreut stark pflegebedürftige Patienten, die große Schwierigkeiten bei der Atmung haben.

(Pfarrer Pech aus Wang)

 

EK Jobst-Babo Graf Harrach