Die 9. Familieneinkehrtagung: Einkehren geht auch mit Kindern!

41. Mitteilungsblatt, 27. November 2014

Zum neunten Mal trafen sich vom 7. bis zum 9. März diesen Jahres die Ritterbrüder mit ihren Frauen und Kindern zu einem Einkehrwochenende. Auch einige Gäste wurden eingeladen. Dieses Mal betraten wir ein neues Terrain. Nachdem Konstantin von Eichborn seinen Betrieb auf der Johanniterburg Kühndorf, wo die letzten acht Einkehrtagungen stattgefunden haben,  aufgegeben hat und als kaufmännischer Vorstand in das Jesus-Bruderschaft Kloster Volkenroda e.V. gewechselt ist, war schnell klar: auch der Standort der Einkehrtagung muss umziehen. Die mittelalterliche Johanniterburg Kühndorf bot eine großartige Kulisse für unsere Einkehrtagungen. Die Kinder haben ein Verlies und die Geheimgänge immer aufs Neue für sich entdeckt. Die Erwachsenen schätzten besonders eine familiäre Atmosphäre im Hause Eichborn.

 

Ein Standortwechsel bedeutete also auch einen gewissen Umbruch nicht nur in der Tradition, sondern in erster Linie in der Organisation. Wird alles gut gehen?Wird das Kloster Volkenroda von den „Stammgästen“ der Tagung angenommen? Wie werden unsere Kinder den Wechsel aufnehmen? Dies waren nur einige Fragen, die ich mir im Vorfeld  der Organisation immer wieder gestellt habe. Im Rückblick kann ich über meine Sorgen nur schmunzeln: das Kloster Volkenroda bietet nicht weniger Anreize für unsere erwachsene Teilnehmer als Kühndorf und auch unsere Kinder fanden die Verliese und Geheimgänge auch dort, wo die Erwachsenen sie niemals vermutet hätten!

 

Dieses Jahr begleitete uns  Pfarrer Dr. Frank Lilie durch die Tagung. Er studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Frankfurt am Main, Bonn und Marburg und arbeitet seit 1999 als Schulpfarrer an der Ursulinenschule in Fritzlar. Pfarrer Dr. Lilie war bis vor kurzem Ältester (Leiter) der Evangelischen Michaels-Bruderschaft und brachte somit eigene reiche Erfahrung aus dem Leben mit einer geistlichen Heimat mit.

 

Die Evangelische Michaelsbruderschaft ist eine verbindliche geistliche Gemeinschaft, zu deren Zielen die Vertiefung des geistlichen Lebens und der Einsatz für die Erneuerung und die Einheit der Kirche gehören. Die Laien und Geistliche kommen aus lutherischen, reformierten und unierten Kirchen, aus Freikirchen, aus der alt- bzw. christkatholischen und aus der römisch-katholischen Kirche. Die Brüder leben mit ihren Familien in ihrer Kirchengemeinde und sind in regionalen Konventen zusammengeschlossen.

 

In seinem Vortrag „Über Ägypten nach Volkenroda geistliche Gemeinschaften, Klöster Kommunitäten als Anfrage an unser Christsein“ referierte Pfarrer Dr. Lilie über die Entstehung der geistlichen Gemeinschaften. Seit dem Auftreten Jesu bildeten sich Gruppen der Anhänger, die dem Leben Jesu nachfolgen wollten. Aus diesen Bewegungen entstanden geistliche Gemeinschaften wie Klöster, Orden und Bruderschaften. Pfarrer Dr. Lilie machte einen Querschnitt durch die Geschichte und zeichnete die Auswirkung der bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse - wie die Reformation, die beiden Weltkriege und Industrialisierung - auf die Entstehung, Auflösung und Entwicklung der geistlichen Gemeinschaften auf. Nach einer intensiven Gruppenarbeit fanden die Teilnehmer der Einkehrtagung noch Zeit für einen Spaziergang durch das Kloster und persönliche Gespräche.

 

Während die Kinder mit der Jugendreferentin des Klosters Olga Gräfin v. Lüttichau abends noch am Lagerfeuer einige Köstlichkeiten gebraten haben, haben sich die Erwachsenen auf einen geselligen Abend im Weinkeller vorbereitet. Als die letzten Kinder müde und erschöpft im Bett waren, wurde von einigen Eltern (mir und meiner Frau inklusive) die Erkenntnis mit Begeisterung aufgenommen, dass auch im Kloster die Babyphones funktionieren! Es war ein schöner Abend sowohl mit alten Freunden als auch „neuen Gesichtern“!

 

Beim herzlichen Abschied berichtete mir die Frau eines Ritterbruders einer anderen Genossenschaft mit Bedauern, dass in der Genossenschaft ihres Mannes bei ähnlichen Aktivitäten die Frauen und Kinder nicht im vollen Umfang eingebunden werden und dass sie ihren Mann dazu motivieren wird, sich auch für die nächste Einkehrtagung anzumelden. Einige Tage später bekam ich die Anmeldung ihres Mannes für die Einkehrtagung der Schlesischen Genossenschaft für das nächste Jahr.  

 

Die nächste Familieneinkehrtagung findet ebenfalls im Kloster Volkenroda am Wochenende vom 27. bis 29. März 2015 statt. Es ist uns eine ganz besondere Ehre und Freude, dass durch die 10. Familieneinkehrtagung der Schlesischen Genossenschaft uns der Ordensdekan des Johanniterordens Ruprecht Graf zu Castell-Rüdenhausen begleiten wird.

 

ER Heinrich Schwabecher