Neue Bischöfe in Kattowitz und Breslau

41. Mitteilungsblatt, 27. November 2014

In der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens wurden in diesem Herbst zwei neue Bischöfe gewählt. In Kattowitz folgt Dr. Marian Niemiec auf dem zu unserem Bedauern Anfang des Jahres verstorbenen Bischof Tadeusz Szurman. In Breslau gibt Ryszard Bogusz nach 20 wirkungsreichen Jahren nun sein Amt an Waldemar Pytel ab. Bogusz bleibt Pastor der Hofkirche in Breslau und auch uns somit als Kontakt, Anlaufstelle und Interaktionspartner in Breslau erhalten.

 

Beiden ehemaligen Bischöfen gilt unser ausdrücklicher Dank für ihr Wirken und die gute Zusammenarbeit über die vielen Jahre! Beiden neuen Bischöfen (die im Übrigen auch beide in Schlesien geboren wurden) wünschen wir von ganzem Herzen Kraft, Gottes Segen und viel Erfolg für Ihre neuen Aufgaben. Wir freuen uns auf das gemeinsame Wirken!   

 

Ks. Waldemar Pytel, der neue Bischof in der Diözese Breslau

Die Diözesansynode, die am 24. bis 25. Oktober in Misdroy stattfand, hat Pfarrer Pytel mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Bischof Bogusz gewählt. Der Bischof elect wird am 7. März 2015 in sein Amt eingeführt, für die Dauer von 10 Jahren. Seine Diözese umfasst die Provinz Niederschlesien. Lebus, Teil der Provinz Westpommern und zählt viertausend Gläubige.

 

„Ich werde die Politik meines Vorgängers, Bischof Richard Bogusz, der mein Vorbild ist, weiterführen.“ sagt Pytel. Bischof Bogusz bleibt Pastor der Hofkirche in Breslau. Pytel hat angekündigt, auch die Diakonie weiter zu entwickeln, so dass sich dadurch die Zusammenarbeit mit unserer Genossenschaft vertiefen wird.

 

Waldemar Pytel wurde am 5. Juni 1958 in Istebna, Oberschlesien, geboren. Ab 1978 studierte er an der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau. Nach erfolgreichem Abschluss des Theologiestudiums am 30. November 1986 wurde Pytel in der Friedenskirche in Schweidnitz durch Bischof Janusz Narzyński zum Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ordiniert. Er übernahm zunächst das Vikariat in der Friedenskirchen-gemeinde und wurde 1991 zum Propsteiverwalter der Gemeinde ernannt und 1992 zum Propst gewählt.

 

Von 1986 bis 1992 war Pytel zudem als Jugendseelsorger der Diözese Breslau tätig und von 1997 bis 2010 Mitglied der Kirchensynode und Mitglied des Synodalausschusses für Massenmedien. 2002 wurde er außerdem Mitglied des Synodalrats. Von 2009 bis 2012 übte Pytel das Amt des Präses der Synode aus. Seit 2007 war er als Mitglied im Diözesanrat der Stellvertreter des Bischofs der Diözese Breslau.

 

Zwischen 2005 und 2007 war Pytel Präses der Schweidnitzer Freundesgesellschaft für Kranke „Hospicjum“ und engagierte sich in der Stiftung „Kreisau für europäische Verständigung“, deren Ratsmitglied er von 1995 bis 1999 war und seit 2008 wieder ist.

 

Zu Schweidnitz sagt Pytel: „Hier bin ich gereift als Geistlicher, hier wurden unsere Kinder geboren, und die Friedenskirche ist für mich und meine Familie sehr wichtig geworden.“ Durchaus verlockende Angebote hat er daher ausgeschlagen. Dank seiner Bemühungen wurde die Kirche UNESCO-Weltkulturerbe, als eines von nur drei Denkmälern von Niederschlesien. Am 25. November wird sie in die Jubiläums-Veranstaltungen zum Deutsch-Polnischen Freundschaftsvertag einbezogen sein. Bundespräsident und Bundeskanzlerin werden erwartet.

 

 

Dr. Marian Niemiec, der neue Bischof in der Diözese Kattowitz

In der evangelischen Diözese Kattowitz ist Dr. Marian Niemiec zum Bischof gewählt worden und somit unser neuer Ansprechpartner vor Ort. Seit dem Tod von Bischof Tadeusz Szurman im Januar diesen Jahres blieb das Amt zunächst unbesetzt. Am 14. September 2014 wählte die Synode nun den 53jährigen Familienvater (2 Kinder) für eine 10-jährige Amtszeit zum Nachfolger Szurmans.

 

Marian Niemiec ist selbst Schlesier. Er wurde am 17. Februar 1961 im ostoberschlesischen Kobielitz geboren. Er studierte an der Christlichen Akademie für Theologie in Warschau und absolvierte ausbildungsbezogene Gemeindepraktika in Konin und Alt Bielitz. Am 24. November 1985 wurde er in Nikolai als Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen durch deren leitenden Bischof Janusz Narzyński ordiniert. Danach war Niemiec in Alt Bielitz und Oppeln tätig. Er besuchte zu weiteren theologischen Studien die Universität Oppeln und erwarb dort im Jahr 2007 den Doktortitel in ökumenischer Theologie bei Professor Zygfryd Glaeser. Zwischen 2002 und 2012 war Niemiec Kirchenrat der Diözese Kattowitz und stellvertretender Bischof. Seit 2011 war er zugleich Oberkirchenrat im Konsistorium der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens in Warschau.

 

Ein Schwerpunkt in der Arbeit Niemiecs ist die Diakonie. Er hat ein evangelisches Hospiz gegründet, ist seit 2004 Präses der Hospizstiftung in Oppeln und verantwortete u.a. auch die Johanniter-Verleihstation in Kattowitz. 

 

Die Diözese Kattowitz umfasst den südlichen und den südöstlichen Teil Polens mit den historischen Regionen Oberschlesien (außer dem Teschener Teil, der eine eigene Diözese bildet) und Kleinpolen (mit Krakau). In den 41 Gemeinden sind 30 Geistliche tätig. In der jetzigen territorialen Ausdehnung existiert die Diözese seit Ende des II. Weltkrieges. Marian Niemiec ist das fünfte geistliche Oberhaupt.

 

 

RR Babo Graf Harrach, ER Johannes Benjamin Helfritz / Textauszüge/Quellen: Schlesien Heute, Wikipedia