Orgel in Not - die Friedenskirche in Schweidnitz

40. Mitteilungsblatt, 15. April 2014

In Schweidnitz wird der 11.2.2014 in die Annalen der Friedenskirche eingehen. An diesem Tag kam nämlich der lang ersehnte Anruf aus Warschau, dass der „Norwegische Kultur Fonds“ zugesagt hat, 85% der Renovierungskosten zu übernehmen. Es handelt sich um verschiedene Projekte in und um die Friedenskirche herum, die nun in Angriff genommen werden können. Dafür bleiben 2 Jahre Zeit, wenn man bedenkt, dass man für den Bau weniger als ein Jahr brauchte, sollte das reichen. Hoffentlich, denn damals gab es keine Denkmalschützer und Bauabteilungen.


Die norwegische Erdölindustrie hat diesen Fonds gegründet und fördert damit den Erhalt von herausragenden Kulturdenkmälern in Europa. Das Projekt Friedenskirche wird mit rund  € 3.800.000 veranschlagt, von denen 85% der Fonds aufbringt. Das heißt aber auch, dass 15% noch zusätzlich aufgebracht werden müssen. Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung. 


Die Friedenskirche in Schweidnitz wurde im Jahre 1655 als ungewöhnlich große Fachwerkkirche errichtet. Sie war eine der drei Kirchen, die, durch die Intervention der Schweden, nach dem Westfälischen Frieden (1648) unter höchst restriktiven Bedingungen für die evangelische Bevölkerung in Niederschlesien gebaut werden durften. Sie bietet 7.500 Gläubigen Platz, der damals auch tatsächlich, oft mehrmals am Wochenende,  genutzt wurde.
 Das bedeutende Bauwerk ist – so wie auch die Friedenskirche in Jauer – erhalten geblieben und im Jahre 2001 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wor­den. Sie ist die größte Fachwerkkirche Europas.  In den vergangenen Jahren ist die Kirche mit Mitteln öffentlicher Stellen und privater Spender  an vielen Stellen renoviert worden. Sie wird nicht nur von der evangelischen Gemeinde zum Gottesdienst genutzt, sondern auch von vielen Touristen aus aller Welt besucht. Regelmäßig finden dort kulturelle und der Völkerverständigung dienende  Veranstaltungen statt.


Zur Ausstattung der Kirche gehören zwei Orgeln, eine kleinere im Altarraum, die sogenannte Altarorgel, und eine große auf der gegenüberliegenden Westempore, die sogenannte Schlag-Orgel.


Die Altarorgel stammt aus dem Jahre 1695 und wurde 1990-91 restauriert. Sie hat auf zwei Manualen und Pedal 15 Register. Da in den vergangenen Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten in der Kirche stattgefunden haben, ist jetzt eine Reinigung erforderlich, die in naher Zukunft ausgeführt werden soll.
Die große Schlag-Orgel auf der Westempore scheint – äußerlich betrachtet – aus dem 18. Jahr­hundert zu stammen, doch ist von dem 1776–84 durch Peter Zeitzius aus Frankenstein unter Verwendung von Teilen der Vorgängerorgel von 1666–69 geschaffenen Instrument nur noch die Schauseite, der sog. Prospekt, erhalten geblieben. Das klingende Werk ist wesentlich jüngeren Datums. Es wurde 1880–82 durch die Firma Heinrich Schlag in Schweidnitz neu gebaut und 1909 im großen Umfang modernisiert. Es umfasst seitdem 60 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Diese Orgel wurde seit der Inbetriebnahme noch nie generalüberholt und hat jetzt ihre Stimme verloren. Über lange Zeit gelang es den Organisten fehlende Töne zu umspielen, bei 5.000 Pfeifen erscheint das auch einem Laien möglich. Irgendwann aber pfiff auch die letzte Pfeife nicht mehr richtig.


Diese Orgel ist etwas ganz Besonderes: Sie ist eine der größten im Kern noch erhaltenen Orgeln aus der Zeit. Sie wurde von der in Schweidnitz ansässigen und zu ihrer Zeit berühmten Orgelbaufirma Schlag & Söhne erbaut, die z. B. eine Konzertorgel für die Berliner Philharmonie geliefert hat.
Die Orgel ist eines der wenigen Instrumente in Europa, die noch komplett erhalten ist. Die  Ventilmembranen der 5.000 Pfeifen und die Luftleitung , etliche Kilometer, sind defekt und müssen ersetzt werden. Auch hier gibt es Marderbiss und die Mäuse, sie haben die Leitungen, die aus Papier bestehen,  an- oder aufgefressen. Die ursprünglichen Zinnpfeifen wurden im ersten Weltkrieg gegen Zinkblech ausgetauscht, sie sollen nun ersetzt werden.
Diese bemerkenswerte und besonders für die Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts hervorragend geeignete Orgel soll grundlegend überholt werden. Die wegen der Größe beträchtlichen Ko­sten werden rund 850.000 € betragen. Davon entfallen 250.000 € auf  das Werk und 600.000 € auf die Restaurierung der Gehäusefassung,  der gesamten Orgelempore und die neuen  Zinnpfeifen im Prospekt. Deutsche und polnische Werkstätten werden zusammenarbeiten.
Es ist aber nicht nur die Orgel, die renoviert werden soll. Die Kirche verfügt über eine 12.000 Bände umfassende Bibliothek, die in keiner Weise adäquat untergebracht ist, das soll sich nun ändern. Außerdem befindet sich neben der Kirche der Friedhof mit Grabsteinen aus fast 4 Jahrhunderten, auch hier soll endlich eine „Wiederherstellung“ erfolgen und die wertvollen Denkmäler sollen gerettet werden.


Der Norwegische Kulturfonds hat zugesagt 85% der Kosten zu übernehmen. Der Rest muss als Eigenmittel d.h. durch Spenden aufgebracht werden. Erfreulicherweise gibt es schon erste Zusagen z.B. vom dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Die Friedenskirche in Schweidnitz verdient es, sie ist nicht nur ein kulturelles Erbe, sie steht auch für unerschütterlichen Glauben und Frieden. Der Glaube der Protestanten hat damals bei aller Verfolgung und Entbehrung, den Bau der Kirche ermöglicht. Die Gemeinde hat um sie gekämpft, als Kanonenkugeln einschlugen und ein Brand ausbrach; die russische Fliegerbombe im 2. Weltkrieg war zum Glück ein Blindgänger.


Frieden: Hier fand der Gottesdienst statt bei dem sich Bundeskanzler Kohl und der polnische Staatpräsident Tadeusz Mazowieki die Hand reichten und der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag geschlossen wurde. Zur 25-jährigen Jubiläumsfeier im Herbst werden hier Bundespräsident Joachim Gauck und der polnische Präsident Bronislaw Komorowski erwartet.


Die kleine Gemeinde in Schweidnitz hat 200 Mitglieder. Sie war und ist nicht allein in der Lage, die notwendigen Geldmittel für die Kirche und ihre Orgel aufzu­bringen.  Wir müssen ihr helfen, dieses bedeutende europäische Kulturgut zu erhalten und dieser wunderbaren Kirche wieder ihre Stimme geben.
Spenden an die Gemeinde werden von den deutschen Steuerbehörden als abzugsfähig anerkannt.

Spendenkonto:
Kosciol Pokoju Swidnica
Konto 156 722 2019
BLZ 35060190
KD-Bank für Kirche
und Diakonie
Internationale Überweisungen:
IBAN DE54 3506 0190 1567 2220 19
BIC GENODED1DKD

Worum ich die Ritterbrüder noch bitte: Wir werden Kirchgemeinden, besonders die mit Friedenskirchen, bitten, Benefizkonzerte zu veranstalten. Kennen Sie eine geeignete Gemeinde, so fragen Sie bitte, ob Bereitschaft besteht, ebenfalls ein Konzert für die Friedenskirche zu machen. Sie würden dann die Mitglieder der Subkommende bitten, Rotarier, Lyons und Freunde und Verwandte einzuladen und zu spenden. Material für Einladung und Programm stellen wir zur Verfügung. Sie würden die Veranstaltung einleiten, Text s.o.
Der Organist des Konzerts wird eingeladen in der Friedenskirche die Orgel zu spielen .

RR Babo Graf  Harrach