Rittertag in Schmochtitz 2019

Nach 3 Jahren durften wir wieder im Bischof-Benno-Haus zu Gast sein, nachdem es uns damals so gut gefallen hatte. Wie immer spielte das Wetter mit, wenn wir zum Rittertag fahren. Trotz wochenlanger Regenphase vorher war es am Wochenende 24.- 26.Mai schönstes Wetter.

Es ging wie immer am Freitag nach der vorgängigen Konventsitzung mit dem gemütlichen Zusammensein los, nachdem man sich am Buffet im Haupthaus stärken konnte. Dieses zwanglose und familiäre Wiedersehen wird immer von allen Teilnehmern geschätzt und gewürdigt. So konnte sich auch unser diesjähriger Gast aus der Ordensregierung, der neue Generalsekretär des Ordens, RR Wolf-Ingo Kunze, gleich mit vielen Anwesenden bekannt machen und sich in der Genossenschaft heimisch fühlen.

Das Programm am Samstag begann mit der Andacht im Vortragssaal mit stimmgewaltigen Gesang aller Teilnehmer. Die Jugendlichen wurden danach in ihr Jugendprogramm entlassen, das im wesentlichen ähnlich wie vor 3 Jahren gestaltet war und wieder von einem Team um Felicitas Rohde organisiert und begleitet wurde. Danach folgten die Grussworte, zunächst vom Kommentator Egbert von Schultzendorff, der die Schlesische Genossenschaft nach seinen Worten als Beschenkte fühlte und versprach, weiter den Schwächeren und gerade in dieser Region in der Oberlausitz zu helfen. Danach sprachen wie vor 3 Jahren die Baubürgermeisterin von Bautzen, Frau Naumann, und der Landrat, Herr Haarig. Frau Naumann erwähnte die anstehenden Kommunalwahlen, bei denen eine Mehrheit der AfD droht (Anmerkung: In Görlitz und Bautzen lag am Ende die AfD nur knapp hinter der CDU). Ein wichtiges Thema für die Stadt als auch die ganze Region ist auch die Frage, wie man in Bautzen auch in Zukunft zusammenleben kann, auch wenn der Ansturm der Flüchtlinge nachgelassen hat. Herr Harig erinnerte an die Veränderungen, die die letzten 30 Jahre gebracht haben, aber dass die Gesellschaft zerrissen erscheint und nach einem Sinn sucht.

Es folgte das Grusswort des Generalsekretärs, RR Wolf-Info Kunze. Sie beginnt mit den Worten: „Wer glaubt denn so etwas?“ Während auf der einen Seite leider auch in unserer Kirche zunehmend ein Abstand von der grundsätzlichen Glaubenswahrheiten zu beobachten ist, gibt es auf der anderen Seite selbst im entchristlichten Ostdeutschland eine Neugründung eines Kloster „Neuzelle“ der Zisterzienser für Menschen, die auch in der heutigen Zeit Gott wirklich suchen. Und der Johanniterorden ist nicht irgendein Gesundheitsdienstleister, sondern steht fest auf einer geistlichen Basis.

Danach folgte das Grusswort unseres ortsansässigen Ritterbruders RR Vogel, der Grüsse des Sächsischen Kommentators überbrachte und von der Arbeit der sächsisch-schlesischen Subkommende in der Oberlausitz berichtete. Ihr gehören aktuell 4 schlesische und 9 sächsische Ritterbrüder an. Dazu gehört auch eine JHG.

Zuletzt sprach noch Herr Nero vom Lebenshof bei Görlitz zu uns. Er erzählte uns von Schicksalen junger, problematischer Menschen, denen auf dem Lebenshof geholfen werden soll, wieder in die Spur zu kommen. Eine Erfolgsstory „Vom Drogendealer zum Zollbeamten“ hat uns sehr beeindruckt. Diese Einrichtung und ihre Mitarbeiter sollten wir auch weiterhin unterstützen.

Der Kommentator dankte allen und auch seinem Bruder York für die Vorbereitung und Durchführung des Rittertages.

Nach der Kaffeepause gehörte das Podium Frau Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping. In ihrer weitgehend frei gehaltenen Rede, der eine intensive Diskussion folgte, erwähnte sie die Ausgangslage, als sie ins Amt gekommen war. 2015 musste der Freistaat Sachsen 69.000 Flüchtlinge aufnehmen. Es wurden viele Programme angeschoben, die Flüchtlinge nicht nur zu beherbergen, sondern auch zu integrieren (u.a. mit Sprachkursen), wobei auch die JUH eingebunden war. Eine vielfach gehörte Reaktion der Bürger, mit denen sie gesprochen hatte, war aber: „Integriert doch erst mal uns!“ - so auch das Thema ihres Vortrages. Ein wesentliches Argument der Bürger, insbesondere der älteren, die in der DDR aufgewachsen waren, ist die fehlenden Wertschätzung ihrer Lebensleistung. Dies führte u.a. auch dazu, dass die AfD 2017 stärkste Partei in Sachsen geworden ist.

In der Diskussion wurden verschiedene Themen aufgegriffen, u.a. auch das Verhalten der Treuhand in einzelnen Fällen, teilweise fehlendes Demokratieverständnis und Beteiligung am politischen Prozessen, aber auch die Feststellung, dass es vielen Bürgern in Ostdeutschland inzwischen gut geht und die AfD-Wähler nicht nur bei den sozial Schwachen zu suchen sind.

Nach dem Mittagessen brachen die Damen zu einer Stadtführung nach Löbau auf (Bautzen wurde ja schon vor 3 Jahren besichtigt). Nach der Ritterversammlung trafen wir wieder alle auf dem Gusseisernen Aussichtsturm hoch über Löbau zusammen, von dem man noch bis zu den ersten schlesischen Gebirgen sehen konnte. Anschliessend gab es bei der Ausflugsgaststätte neben dem Turm noch Kaffee und Kuchen.

Die Ritterversammlung arbeitete inzwischen die Tagesordnung ab. Der Generalsekretär gab einen Überblick über den Orden insgesamt und warb für Unterstützung eines Gemeinschaftsprojekt der JUH und der Genossenschaft, die religionspädagogische Ausbildung der Kindergärtnerinnen in den ca 410 KITAs der JUH zu fördern. Weiter ging er auf die Digitalisierungsthemen wie das CRM-System, neuer Internetauftritt und das leider immer noch zur Verfügung stehende Intranet ein. Die Satzungsänderung, die der Kommendator erläuterte, wurde von der Versammlung angenommen. Der Bericht des Werkmeisters, EK Graf Harrach, kann in einem weiteren Artikel unter "Aktuelles" nachgelesen werden. Weitere Beiträge kamen von RR von Rheinbaben (Sozialstationen), RR von Lieres (Verleihstationen), RR Rohde (Finanzen) und RR von Foerster (Personalbericht). Neues Mitglied im Konvent ist RR Friedrich-Johannes Graf v. Pfeil.

Am Abend nach Rückkehr vom Eisernen Turm und Eintreffen der erschöpften, aber glücklichen Jugendlichen trafen wir uns zum Empfang in der Abendsonne, die wunderschön durch die Bäume des Parks schien, auf der Terrasse des Restaurants. Danach genossen alle das umfangreiche Buffet, guten Wein, so manches Bier, viele Gespräche bis in den späten Abend.

Am Sonntag fand der Festgottesdienst mit dem Einzug der Ritter nicht in Bautzen, sondern in der Autobahnkirche von Uhyst am Taucher, ca 20 km Richtung Dresden statt. Auch zu meiner Überraschung war das nicht etwa ein moderner Zweckbau wie manch andere Autobahnkirche, sondern eine wunderbare, klassizistische Kirche mit ovalem Innenraum, fast wie eine Verkleinerung der berühmten Frauenkirche (siehe auch Fotos). Der Gottesdienst wurde vom Ortspfarrer gehalten, aber die Predigt von unserem Pfarrer Gisbert v. Spankeren.

Nach den Gruppenfotos in schönstem Sonnenlicht vor der Kirche konnten alle wieder beseelt von diesem schönen Wochenende nach Hause oder Schlesien fahren. Im nächsten Jahr treffen wir uns alle wieder in Breslau!

 

RR Graf Yorck

 

Photos: photos.app.goo.gl/ceLru1Kd3U55UdeC6