Winterkapitel in Breslau - mit Verleihung des Ehrenkreuzes des Ordens an Bischof Ryszard Bogusz

Breslau, 17. März 2018

Das Winterkapitel des Johanniterordens tagt abwechselnd im In- und Ausland. Auf Einladung unseres Kommendators diesmal in Breslau; er hatte festgestellt, dass viele Mitglieder des Kapitels Breslau noch nie besucht haben.
Die meisten Kapitelmitglieder und ihre Damen waren schon am Donnerstag angereist und konnten erste Eindrücke sammeln. Alle gut 60 Teilnehmer waren neben der Hofkirche im Hotel Kamiencia Pod Aniolami der polnischen evangelischen Gemeinde und damit nicht weit vom Ring untergebracht. Dort war auch das erste Ziel. Im Restaurant Cesarsko Krolewska - unmittelbar neben dem Haus der schlesischen Familie v. Korn - wurden die Gäste von prächtigen Bildern der Mitglieder nordeuropäischer Königshäuser begrüßt und beim Genuss  der polnischen Küche beobachtet. Unser Ritterbruder Dag v. Kap-herr hatte zusammen mit den Mitarbeitern des Ordensbüros ein umfangreiches Programm zusammengestellt und war die ganze Zeit ein umsichtiger Führer und wo nötig Spontanorganisator.
Mit der engagierten Führerin - Mitglied der deutschen evangelischen Christophorie Gemeinde - Frau K. Kadlewicz ging es dann bei Schneeregen durch die Innenstadt von Breslau. Besonderes Highlight war die Begrüßung durch den Rektor der Universität, einem Chemiker, der am Ende die Besucher zu stehenden Ovationen hinriss: In der Aula der Leopoldina spielte er zuerst am Klavier und dann an der Orgel. Im Sitzungssaal des Rathauses begrüßte uns später der Breslauer Stadtpräsident. Nach seiner imposanten Power-Point-Präsentation zur Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren der Stadt Breslau wurde auch über die Politik der Gegenwart diskutiert. Hängen blieb der Satz, Polen sei zwar ein katholisches Land, ein Teil seiner Politiker aber möglicherweise nicht christlich genug. Zahlreiche Fragen führten zu einer lebhaften Diskussion.
Einen Einblick in das Leben der evangelischen Kirchengemeinden vermittelte Dr. Witt, Mitglied im Kirchenvorstand der Hofkirche. Seine kritischen Anmerkungen am Freitag während des Abendessens zu den politischen Veränderungen über die vergangenen Jahrzehnte wurden aufmerksam aufgenommen und anschließend diskutiert. Ich glaube, alle Besucher werden das Restaurant Lwoska loben, das wegen der Lage am Ring, der Ausstattung und der exzellenten Speisen berühmt ist, - unmittelbar neben dem Stadthaus der Familie v. Loesch.
Am Samstag tagte das Kapitel. Die Tagung wurde durch einen Gottesdienst in der Hofkirche eingeleitet. In der Predigt lobte der Bischof Bogusz die Zusammenarbeit mit den Johannitern in Schlesien. Nach dem Gottesdienst trennten sich die Wege:  Die Herren tagten, und die Damen fuhren in die Friedenskirche nach Schweidnitz. Auf dem Weg gab es Erläuterungen durch Frau Kadlewicz und mir. Ich erläuterte nicht nur die geschichtliche Entwicklung, die zum Bau der Kirche führte, sondern auch die Aktivitäten unserer Genossenschaft in Niederschlesien. Schneefall und Straßenglätte machten die Fahrt zu einem Abendteuer.
Wir hatten alle gebeten, sich warm anzuziehen, denn in der Friedenskirche herrschten  -6 Grad. Die Kirche präsentierte sich im schönsten verschneiten Gewand. Zur Einführung und Erläuterungen der Kirche erklang die Orgel. Der Organist zeigte, was in der frisch renovierten Orgel steckt. Alle waren begeistert, aber dann auch froh, als es zur Suppe in die gemütliche „Barockstube“ ging.  Frau Bock hat uns begleitet und über das Leben in Schweidnitz nach dem Krieg erzählt; alle Damen folgten sehr aufmerksamen ihren Ausführungen und waren sehr dankbar.
Über vereiste Straßen folgte ein kurzer Besuch in Kreisau. Frau Kadlewicz hat sehr kenntnisreich die Ereignisse um Kreisau dargestellt. Die Ausstellung im Schloß rundete den Ausflug ab. Vorsichtig ging es zurück nach Breslau.
Zur Erholung blieb nicht viel Zeit; mit dem Bus ging es nach Kurtwitz zur Familie v. Kap-herr. Besonders herzlich wurden wir von der ganzen Familie (4 Töchter) begrüßt und in Leben und Arbeit der Familie eingeführt. Es folgte ein Buffet mit vielen Köstlichkeiten. Der Herrenmeister bat dann um Aufmerksamkeit: Die Sitzung des Kapitels am Morgen bewertete er als außerordentlich fruchtbar; es ging um die Standortbestimmung des Ordens und seinen Weg in die Zukunft. Dann würdigte er das Erlebte in Breslau und dankte besonders Herrn v. Kap-herr für seine umsichtige Planung und Begleitung, um dann den sichtlich überraschten Bischof Bogusz anzusprechen. Er würdigte dessen wichtige Rolle bei allen Aktivitäten der Schlesischen Genossenschaft seit den frühen 80iger Jahren, dankte ihm und verlieh ihm das Ehrenkreuz des Ordens.
An verschieden Beispielen habe ich die Tätigkeit unserer Genossenschaft dargestellt, um so besonders den Kommendatoren der anderen Genossenschaften einen Einblick in unsere Arbeit zu geben. Besonders habe ich auf die Lage der lutherischen Kirche in der polnischen  Diaspora und unsere gemeinschaftlichen diakonischen Tätigkeiten erläutert.
Am nächsten Sonntagmorgen war früh Aufbruchsstimmung, da das Wetter unsicher war. Einige gingen noch zu Pfarrer Fober in den Gottesdienst in der Christophoriekirche. Ich glaube es war für alle ein erlebnisreiches Wochenende, das zu einem weiteren Besuch in Breslau anregte, - uns wundert das nicht!

EK Babo Graf Harrach