Johanniter-Krankenhäuser lassen sich in die Karten schauen

Berlin, 30. November 2009

Impressionen vom Peer Review im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht

Die Johanniter GmbH ist Mitglied der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Alle an IQM teilnehmenden Krankenhausträger verpflichten sich, Qualitätsmanagement auf der Basis von Routinedaten zu betreiben, die Ergebnisse zu veröffentlichen sowie unterstützende Peer-Review-Verfahren* durchzuführen. Bereits zwei Johanniter-Krankenhäuser haben sich von Ärzten anderer Mitgliedskliniken in Peer Reviews in die Patientenakten schauen lassen.


Kontrolle und Optimierung der medizinischen Qualität – dieses Ziel hatten im November die ersten beiden trägerübergreifenden Peer-Reviews in den Johanniter-Krankenhäusern in Stendal (Sachsen-Anhalt) und Geesthacht (Schleswig-Holstein).

 

Genthin-Stendal - erstes Krankenhaus mit Mut zur Offenlegung

 

Erstes Krankenhaus in der Johanniter-Gruppe mit Mut zur Offenlegung war das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal. Dort begrüßte am 2. November 2009 der Ärztliche Direktor Prof. Ulrich Nellessen das interdisziplinäre IQM-Reviewer-Team. Diese Gruppe – bestehend aus Experten der Bundesärztekammer sowie Ärzten der Johanniter, HELIOS und dem Uniklinikum Dresden – hat anhand von 24 selbst gewählten Patientenakten mit dem Indikator "Todesfälle bei Hauptdiagnose Herzinsuffizienz" die Kardiologie unter die Lupe genommen.

 

Der Stendaler Internist und Chefarzt PD Dr. Martin Mohren erinnert sich über seine anfängliche Skepsis und schlussendliche Begeisterung: „Bei der Datensicht dachte ich anfangs, die Auffälligkeiten sind nur Codierfehler, doch beim Review habe ich gelernt, dass die wenigsten Auffälligkeiten auf Codierfehlern basieren. Die Nutzung der Routinedaten bietet die einmalige Chance, noch besser zu werden.“ Auch sein Kollege aus dem Evangelischen Bethesda-Johanniter-Klinikum in Duisburg, Prof. Jörg Meyer, ist von den Reviews überzeugt: „Die Krankenhäuser erhalten durch die Analysen der externen Kollegen einen phantastischen Mehrwert. Investitionen in Beratungs- und Zertifzierungsgesellschaften werden vermieden. IQM ist ein Geben und Nehmen, bei dem wir Ärzte uns voll und ganz auf die Verbesserung der Medizin konzentrieren können – und das alles ohne Mehraufwand für die Dokumentation!“

 

Erfolgreiches Peer Review in Geesthcht

 

Prof. Jörg Meyer war auch im zweiten Peer-Review im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht als Experte im Team. Am 12. November 2009 analysierte der Mediziner mit seinen externen Kollegen ausgewählte Patientenakten zum „Indikator Todesfälle bei Hauptdiagnose Schlaganfall“. Der Ärztliche Direktor in Geesthacht, Dr. Frank Templin und sein Kollege in Stendal, Prof. Ulrich Nellessen, sind sich einig, dass mit dem Review eine neue Phase der Fehlerkultur in den Johanniter-Krankenhäusern beginnt.

 

Mit der Teilnahme an IQM signalisieren die Johanniter-Krankenhäuser den Patienten, Angehörigen, Ärzten und Kostenträgern, dass die medizinische Behandlungsqualität einheitlich und verlässlich aus Routinedaten gemessen wird, dass die Qualitätsergebnisse transparent veröffentlicht werden und dass die Qualität in der medizinischen Behandlung und Betreuung durch die anschließenden Peer Reviews ständig weiter verbessert wird.

 

Die IQM-Mitglieder setzen dabei auch deutliche Zeichen der Selbstständigkeit in Richtung Politik: „Wir Kliniken brauchen keine weiteren gesetzgeberischen Regularien, um uns mit unserer Qualität auseinander zu setzen. Das tun wir bei IQM freiwillig und sogar zusammen mit unseren Mitbewerbern“ sagt Dr. Jörg Blattmann, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Johanniter GmbH. Auch über die IQM-Teilnahme hinaus zeigen sich die Johanniter-Krankenhäuser offen, innovativ und selbstbewusst: Vor noch nicht langer Zeit hätte niemand eine Zusammenarbeit mit privaten Krankenhausträgern für möglich gehalten. Nun gibt es Kooperationspläne: Das Johanniter Medical Board – die so genannte „Schaltzentrale“ des IQM-Projektes, in dem sich die Ärztlichen Direktoren regelmäßig zum medizinisch-fachlichen Austausch treffen – will über den Tag hinaus einen regelmäßigen Kontakt zu den Ärztlichen Kollegen in anderen Krankenhäusern etablieren. Angedacht sind beispielsweise trägerübergreifende M-und-M-Konferenzen (Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen).

 

Über die Inititaive Qualitätsmedizin (IQM)

 

IQM wurde in 2008 gegründet und ist die erste und einzige trägerübergreifende Initiative zur medizinischen Qualitätssicherung in Deutschland, die auf der Grundlage von Routinedaten mit erprobten Qualitätsindikatoren arbeitet. IQM ist für alle Krankenhäuser offen. 114 Kliniken mit mehr als 40.000 Betten gehören bereits der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) an. Ihr Ziel ist, mit Transparenz und einer offenen Fehlerkultur die beste medizinische Qualität für ihre jährlich rund 1,5 Millionen Patienten zu erreichen.

www.initiative-qualitaetsmedizin.de

 

* Peer Review (dt. Begutachtung) ist ein Verfahren zur Beurteilung von wissenschaftlichen Arbeiten im Wissenschaftsbetrieb oder Projekten in Unternehmen durch unabhängige Gutachter, die sogenannten „Peers“ (engl. für Ebenbürtige; Gleichrangige) mit dem Ziel der Qualitätssicherung. (Quelle: Wikiped

 

 

 

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