Krisenintervention im Regionalverband Allgäu

Der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen, ein Unfall, bei dem Angehörige verletzt wurden. Oder Sie sind Zeuge eines tragischen Unfalls gewesen, haben geholfen und waren mit dem Leid anderer Menschen direkt betroffen. Das können Situationen sein, die Menschen nahe gehen, die sie beschäftigen und manchmal auch ratlos bleiben lassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johanniter Kriseninterventionsdienste stehen Menschen in solchen Situationen bei, stehen mit Rat und Unterstützung bereit. Gerade die ersten Minuten und Stunden können sehr belastend sein. Die Johanniter nehmen sich Zeit für Sie oder die betroffenen Menschen.

Die Kriseninterventions-Teams der Johanniter werden in der Regel durch die jeweiligen Rettungsleitstellen nach einem Ereigniskatalog alarmiert und zum Einsatz entsandt. Solche Situationen können beispielsweise sein:

  • Am Unfallort: Betreuung von Angehörigen, Opfern, Unfallverursachern und Zeugen
  • Zu Hause: beim plötzlichen Tod eines nahestehenden Menschen, besonders bei plötzlichem Kindstod, nach dem Erhalt einer überraschenden Todesnachricht

Die Begleitung durch die Johanniter Kriseninterventions-Teams ist ein freiwilliges Angebot. Es ist vom Geist der christlichen Nächstenliebe motiviert. Es richtet sich an alle Menschen unabhängig von deren Weltanschauung, Glaubenszugehörigkeit oder ethnischem Hintergrund.

Dieses Angebot wird ermöglicht durch Spenden und Mitgliedsbeiträge und ist daher für die Nutzer kostenlos.

Wenn Sie in einem Kriseninterventions-Team mitarbeiten möchten...

Krisenintervention

Erste Hilfe für die Seele

Bei ihren Einsätzen helfen die Johanniter nicht nur den unmittelbar Betroffenen wie Verletzten oder Vermissten, sondern kümmern sich auch um Angehörige, die sich nach plötzlichen Unglücken mit Todesfolge nicht selten in seelischen Ausnahmesituationen befinden.

„Zu den Aufgaben der Kriseninterventions-Teams gehört es beispielsweise, Unfallzeugen oder Ersthelfer nach Unfällen zu betreuen, ihnen zuzuhören und mit ihnen über das Erlebte zu sprechen“, erklärt Agnes Gessenharter, die seit zwanzig Jahren zum Kriseninterventionsteam der Johanniter in Kempten gehört. „Manchmal werden wir auch vom Rettungsdienst zu häuslichen Einsätzen hinzugezogen, bei denen der Patient nicht mehr gerettet werden konnte. Dann bleiben wir bei Bedarf für ein paar Stunden bei den Hinterbliebenen“, so Gessenharter weiter. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die Polizei beim Überbringen von Todesnachrichten - etwa nach Unfällen oder Suiziden - zu den Angehörigen zu begleiten. Wir versuchen den Menschen in den ersten paar Stunden beizustehen. Einfach nur da zu sein und zuzuhören ist oft schon eine große Hilfe. Zudem verständigen wir auf Wunsch weitere Angehörige oder Bekannte und beraten über die weiteren Schritte, wie etwa das Verständigen eines Bestatters etc.“

Der Einsatz des Kriseninterventions-Dienstes ist auf Akutsituationen zugeschnitten und endet in aller Regel wenige Stunden nach dem Unglück.

Im Allgäu erfüllen die Johanniter die wichtigen Aufgaben des Kriseninterventions-Dienstes gemeinsam mit den Kollegen vom Bayrischen Roten Kreuz und der katholischen sowie evangelischen Notfallseelsorge.

Im Jahr 2015 leisteten die ehrenamtlichen Helfer in rund 100 Einsätzen wertvolle seelische Unterstützung. Zu deren eigenem Schutz finden regelmäßig Supervisionen statt.

So können Sie sich im Kriseninterventions-Team engagieren

Der Kriseninterventions-Dienst der Johanniter ist ein ausschließlich ehrenamtlich getragenes Angebot. Wer sich in dieser sehr sensiblen und wichtigen Aufgabe engagieren möchte, sollte gewisse Kriterien erfüllen. Unerlässliche Grundvoraussetzung für die Tätigkeit ist absolute psychische Stabilität. Die Menschen dürfen zudem kein eigenes Trauma haben. Interessenten sollten über soziale Kompetenz und persönliche Reife verfügen und mindestens 25 Jahre alt sein.

„Wir arbeiten im Schichtdienst“, erklärt Agnes Gessenharter. „In der Regel steht mindestens einmal pro Monat eine 24-Stunden-Schicht an. Dies ist wichtig, um eine gewisse Routine zu entwickeln. Die Schichteinteilung ist über den Dienstplan geregelt.“

Die Ausbildung zum Kriseninterventions-Helfer

Die Johanniter bieten eine umfangreiche Grundausbildung für Interessenten an. Diese ist organisationsübergreifend gleich. Sie gliedert sich in einen theoretischen und praktischen Teil. Die theoretische Ausbildung umfasst 80 Unterrichtseinheiten und beinhaltet u.a. folgende Themenschwerpunkte:

  • Grundlagen Psychotraumatologie
  • Stresstheorie
  • Kultur und Religion
  • Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie
  • Grundlagen zur Kommunikationstheorie
  • Struktur einer Intervention
  • Besondere Zielgruppen (Kinder, Jugendliche etc.)
  • Psychohygiene
  • Recht und Verwaltung


Im anschließenden praktischen Teil begleiten die neuen Helfer ihre erfahrenen Kollegen mehrfach zu Einsätzen, bis sie sich sicher genug fühlen, um alleine zu agieren.

Ihr Ansprechpartner Regionalverband Allgäu

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Regionalverband Allgäu
Haubenschloßstraße 6
87435 Kempten

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Krisenintervention

bei Akutfällen: 112
für Psychosoziale Notfallversorgung bei Einsatzkräften: 0173-3545344