„Alexa, starte Hilferuf“

Am digitalen Wandel kommt keiner vorbei, das weiß auch Till Walter. Als Leiter des Vorstandsbereichs treibt er das Thema Innovation, zusammen mit den dafür geschaffenen Strukturen im Verband, voran. Was das konkret bedeutet? Das erzählt er uns im Interview.   

Herr Walter, Innovation heißt…

Groß denken. 

Was reizt Sie daran, dieses Thema bei den Johannitern voranzutreiben?

Unsere Aufgabe ist es, das Leben unserer Nutzer und Kunden in den unterschiedlichsten Situationen zu erleichtern. Ich finde es spannend zu überlegen, mit welchen technologischen und innovativen Entwicklungen wir unser Angebot verbessern können und so für unsere Kunden einen noch größeren Mehrwert schaffen.

 

Wie wollen Sie das in Zukunft erreichen?    

Wir wollen mit unseren Forschungsprojekten neue Konzepte auf den Weg bringen. Das bedeutet, den Hausnotruf und unsere anderen Notrufdienste weiter auszubauen. Wir wollen außerdem verstärkt Partnerschaften mit Start-ups eingehen und unsere Infrastruktur und Technik weiterentwickeln. Das Ziel: digital aufgestellt sein. 

Die Johanniter forschen im Bereich Digitalisierung?

Auf jeden Fall! Ich werde oft gefragt, wie digital eine Hilfsorganisation eigentlich sein „kann“. Meine Antwort: Wir entwickeln uns ständig weiter. Was viele nicht wissen: Die Johanniter sind führend in der Forschung und Entwicklung im Bereich „Mensch Technik Interaktion“. Wir haben eine eigene Abteilung im niedersächsischen Elsfleth, wo ein Team von knapp zehn Personen daran arbeitet, soziale und technische Innovationen mit Partnern zu entwickeln, die die Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe von älteren Menschen verbessern sollen. 

Sind dort bereits Projekte entstanden, die den Sprung von der Theorie in die Praxis geschafft haben?  

Ein Smart Home Produkt, das bereits in den Markt überführt wurde, ist der „AmbiAct“. Dabei geht es um eine Erweiterung des klassischen Hausnotrufs durch AAL-Zusatzkomponenten. Die Idee: herkömmliche Notrufsysteme funktionieren nur, wenn die betroffene Person selbst aktiv wird und auf den Notrufknopf drückt – was aber nicht immer möglich ist. Deswegen haben wir den „AmbiAct“ entwickelt, der genau dort ansetzt. Der Clou dieser Ambient-Assisted Living-Komponenten: Fast jeder Mensch benutzt regelmäßig irgendwelche elektrischen Geräte, sei es der Wasserkocher, die Kaffeemaschine oder auch die Leselampe. Der „AmbiAct“ wird einfach zwischen den Stecker eines solchen Gerätes und die Steckdose gesetzt. Wird das Gerät über längere Zeit nicht benutzt, dann schlägt das Hausnotrufgerät automatisch Alarm. 

Wird es den klassischen Hausnotruf also in Zukunft nicht mehr geben?  

Das Konzept „Hausnotruf“ wird es immer geben. Was ihn nämlich ausmacht, ist die innovative Infrastruktur, die hinter ihm und den anderen Notrufdiensten steckt: unsere Notrufzentralen. Wir haben bundesweit neun solcher Zentralen, bei denen die Hausnotrufgeräte unserer aktuell 175.000 Kunden aufgeschaltet sind. Von diesem Netzwerk und unserem Service profitieren übrigens auch externe Partner und Start-ups.  

Können Sie das erklären? 

Es gibt viele Anbieter wie die von Notruf-Apps, bei denen oftmals eine Infrastruktur fehlt. Hier kommen wir als Partner ins Spiel: Die Apps gliedern wir an unser Netzwerk an und die Kunden werden im Notfall direkt an unsere Notruf-Zentralen weitergeleitet. Der Grundgedanke bleibt also bestehen: Sicherheit in den eigenen vier Wänden garantieren.

Was passiert außerdem im Bereich Notrufdienste, um dem System „Hilfeleistung“ auch heutzutage gerecht zu werden?

Was das Produkt-Portfolio angeht, bieten wir zusätzlich zum Hausnotruf auch mobile Varianten mit mehr Reichweite an. Das gilt beispielsweise für den Mobilnotruf oder den Kombinotruf. Da sind wir mit Geräten, Technik und Netz auf dem neusten Stand. Der nächste Schritt? Wir launchen demnächst einen Skill für den Cloud-Service „Alexa“. Im Ernstfall kann ich dem Smart-Speaker per Zuruf „Alexa, starte Hilferuf“ ein Signal geben, der mich dann automatisch mit meinem „Helfernetzwerk“ aus Bekannten und Angehörigen oder der Johanniter-Notrufzentrale verbindet. 

Technik kann nahezu alles. Was kann sie Ihrer Meinung nach nicht?   

Technik ist austauschbar, die Johanniter-Infrastruktur ist es nicht. Der Kern unserer Organisation ist die Hilfe am Menschen und die kann man nicht „nachbauen“. Ob im Fall der Fälle der Notruf per Hand, Smart-Speaker oder von einem Roboter betätigt wird ist egal – denn im Notfall helfen, das tun wir. Hinter all der Technik sitzen bei uns Menschen.