Mehr Geld durch Pflege-Neuausrichtungsgesetz

Pflegebedürftige Menschen mit „eingeschränkter Alltagskompetenz“ und ihre Betreuungspersonen können von 2013 an mehr Geld und zusätzliche Leistungen beanspruchen – so sieht es das Pflege-Neuausrichtungsgesetz vor. Es soll vor allem die Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen verbessern und die ambulante Pflege stärken.


Erstmals haben Menschen mit „eingeschränkter Alltagskompetenz“ einen Sachleistungsanspruch, wenn sie in Pflegestufe 0 eingestuft sind. Eingeschränkte Alltagskompetenz bedeutet, dass Betroffene aufgrund geistiger Einschränkungen zum Beispiel nicht mehr allein in der Lage sind, ihren Tagesablauf zu strukturieren und zu bewältigen. Damit die betroffenen Menschen so lang wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können, haben sie Anspruch auf Leistungen wie qualifizierte Demenzbetreuung zu Hause.

Konnten bislang nur Betreuungsleistungen bis zu einem Höchstbetrag von 200 Euro mit der Pflegekasse abgerechnet werden, hat der Gesetzgeber die ambulanten Leistungsansprüche nun deutlich angehoben. Die Pflegekasse ist künftig außerdem verpflichtet, bis spätestens fünf Wochen nach Eingang eines Antrags auf Pflegeleistung eine Entscheidung über die Leistungsbewilligung mitzuteilen.

Die Feststellung der „eingeschränkten Alltagskompetenz“ erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) im Auftrag der Pflegekasse. Die Johanniter unterstützen Sie gern bei der Antragsstellung.

 

Das Gesetz sieht auch Verbesserungen bei der Finanzierung von Pflegemitteln und Zuschüsse zur Wohnraumanpassung vor. Wenn Treppensteigen unmöglich geworden ist, bedeutet zum Beispiel die Anschaffung eines Treppenlifters eine große Hilfe – und kann sogar verhindern, dass ein Umzug ins Pflegeheim nötig wird.


Auch pflegende Angehörige soll das Pflege-Neuausrichtungsgesetz entlasten. Zukünftig erhalten Pflegepersonen die Hälfe des Pflegegelds weiter, auch wenn Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege genutzt wird. Wer Verhinderungspflege stundenweise in Anspruch nimmt, erhält wie bisher das Pflegegeld in voller Höhe. Damit soll es Angehörigen ermöglicht werden, eine Auszeit nehmen zu können - denn Pflege kostet Kraft. Deshalb soll mit dem neuen Gesetz auch der Zugang zur Rehabilitation für pflegende Angehörige einfacher werden, etwa bei der Beantragung einer Kur. Ihre besonderen Belange müssen die Krankenversicherungen bei anstehenden Rehabilitationsmaßnahmen entsprechend berücksichtigen.

Und noch etwas ist neu: Mit der Pflegetätigkeit können künftig auch dann Rentenansprüche erworben werden, wenn der wöchentliche Pflegeaufwand bei einer oder mehreren Personen zusammengerechnet mehr als 14 Stunden beträgt. Bislang erhielten die pflegenden Angehörigen nur Rentenversicherungsansprüche gutgeschrieben, wenn sie einen Pflegebedürftigen mindestens 14 Stunden pro Woche betreut haben. 

In der Servicebroschüre „Stärkung der ambulanten Pflege und Betreuung. Neue Leistungsansprüche durch das Pflege-Neuausrichtungsgesetz ab 1. Januar 2013“ haben die Johanniter die anstehenden Veränderungen zusammengefasst.

 

Die Broschüre steht Ihnen zum Download zur Verfügung.