„Wann fahren wir wieder zu Lorna?“

Nachrodt-Wiblingwerde/Iserlohn, 23. Mai 2018

Julia Spelsberg mit Lorna

Reittherapie mit der Kita Löwenzahn

Auf der flachen Hand halten die beiden Fünfjährigen aus der Johanniter-Kita Löwenzahn dem Pferd einen Apfel hin. Und im Reitstall der Familie Cordt-Humpert in Nachrodt-Wiblingwerde greift Warmblüter Lorna gerne zu. Es sei wichtig, dass die Kinder bei ihrem Eintreffen das Pferd direkt begrüßten, sagt Heilpädagogin und Reittherapeutin Julia Spelsberg. „Denn sie sollen es als Lebewesen und Partner kennenlernen, dem mit Wertschätzung, Empathie und Verantwortungsgefühl begegnet wird“, erklärt die Mitarbeiterin der Johanniter-Kita Löwenzahn aus Iserlohn.

Ohne Angst und Leistungsdruck

Kinder mit einem besonderen Förderbedarf aus der Kita Löwenzahn haben seit vier Jahren die Möglichkeit, an einer Reittherapie mit Julia Spelsberg und ihrem dafür ausgebildeten Pferd Lorna teilzunehmen. „Diese Therapie wirkt sich ganzheitlich auf Körper, Seele und Geist aus. Entwicklungsschritte können zwanglos, angstfrei und ohne Leistungsdruck nachgeholt werden“, erklärt die Fachfrau.

Körperwärme genießen

Und diese Therapie umfasst eben mehr als das Sitzen auf dem Pferd: Die Kinder füttern Lorna nicht nur, sie bürsten ihr Fell, bis es glänzt, kuscheln mit dem Tier und genießen die Warme seines großen Körpers. „Bei der Berührung werden alle Sinne angesprochen. Und da das Pferd jedes Kind so annimmt, wie es ist, blühen die Kinder auf und verlieren ihre Ängste“, erklärt Julia Spelsberg.

Einzeln und der Reihe nach gelangen die Kinder über eine Aufstiegstreppe auf Lornas Pferderücken in 1,68 Meter Höhe. „Tor frei bitte!“, ruft das Kind in die Reithalle, in der bereits andere Reiter mit ihren Pferden trainieren. Auf Lornas Rücken sind die Kinder selbstsicher.

Konzentrierter lernen

Während des Reitens nehmen sie den Bewegungsrhythmus des Pferdes auf. „Beim Reiten finden sie ihre Körperbalance“, beschreibt Julia Spelsberg diesen Effekt. Und wenn sich die Kinder sicher fühlen, dann dürfen sie sogar Kunststücke auf dem Pferd turnen. Die Fünfjährige, die gerade rückwärts auf Lornas Rücken sitzt, ruft dabei stolz: „Guckt mal, was ich schon kann!“

Solche Erfahrungen bereiteten die Kinder auch auf den Schulbesuch vor, meint die Reittherapeutin. „Kinder, die ihren Körper positiv erleben und spüren, können sich besser konzentrieren – und das ist eine Grundvorrausetzungen fürs spätere Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.“

Den Mut nicht verlieren

Und auch wenn der Ball beim Kegelspiel von Lornas Rücken aus oftmals das Ziel verfehlt, muss kein Kind traurig werden: Die Kinder erhalten so viel positive Bestärkung, bis sie es geschafft haben. Solche positiven Erfahrungen stärkten das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein der Kinder, meint Julia Spelsberg. „Die Kinder trauen sich mehr zu und bewältigen auch mal Misserfolge.“

Grenzen lernen die Kinder auch kennen: So sollen sie sich in der Nähe von Tieren leise und ruhiger verhalten. Denn rennen und schreien könnten zum Beispiel die Pferde und Hunde erschrecken, die auf dem Hof leben. Solche Regeln dienen dem Schutz von Mensch und Tier und vermeiden Unfälle. „Ein Pferd spiegelt unangemessene Verhaltensweisen sofort wieder und zeigt damit nonverbal, dass es so nicht geht.“

Sich kümmern ist selbstverständlich

Die Kinder entwickeln ein Gespür für das Tier und wissen bald, was ihm gut tut: Bevor sie in die Kita zurückkehren, säubern sie Lornas Stall, damit sie es sich dort später gemütlich machen kann. Im Kindergarten und zu Hause berichten sie von ihren Erlebnissen und freuen sich schon auf die nächste Woche, wenn sie wieder mit Julia Spelsberg zu Lorna fahren dürfen.

Nähere Infos zur Reittherapie gibt es bei der Johanniter-Kita Löwenzahn unter Tel. 02371 689261 oder per Mail an die Kita.