Jetzt hilft nur noch beten …

Bonn, 27. März 2020

… schrieb jemand in diesen Tagen. Für mich geht es hier nicht um ein Entweder-Oder. Ich erinnere mich an eine alte Spruch-Bild-Karte mit einem Mann im Ruderboot und dem Spruch: „Bete, aber fahre fort zu rudern.“ Ähnlich ist der Satz „Bete, als hinge alles von Gott ab, handle, als hinge alles von dir ab“, der auf Ignatius von Loyola (1491-1556) zurückgeführt wird. Das scheint aber eine falsche Übertragung zu sein, eigentlich heißt der Satz von ihm: „Bete, als hinge alles von dir ab, handle, als hinge alles von Gott ab“. Das klingt paradox, wie so vieles Wesentliche. Er lädt uns ein, beim Gebet nicht die eigene Verantwortung zu vergessen und beim Handeln auf Gottes Allmacht zu vertrauen. Bleiben wir wach, zu tun, was jetzt zu tun ist – und zu lassen, was jetzt zu lassen ist.

Die angeordneten Maßnahmen sollten wir sehr ernst nehmen. Auf der anderen Seite ist hilfreich, nicht in Panik zu verfallen. Für die Krise gilt das gleiche, was sonst im geistlichen Leben gilt: alles, was auf der einen Seite Vertrauen und Gelassenheit und auf der  anderen Seite waches, entschiedenes Handeln fördert, ist gut.

Ich will mit einem Gebet von Lisa Lepping enden, einer Krankenhausseelsorgerin aus Bochum:

 

Gott, Du Hoffnung und Halt,
Du weißt um unsere Befürchtungen und Ängste.

Wir danken dir für alle, die helfen:
Für alle, die in Krankenhäusern und Altenheimen arbeiten.
Für Pflegekräfte, Ärztinnen, Ärzte und Therapeuten.
Für alle, die sich für Gemeinschaft einsetzen in Familie und Nachbarschaft.
Wir bitten dich: Behüte und stärke sie.
 

Wir bitten um besonderen Schutz für die Verletzlichsten:
Unsere Kranken, unsere Alten und die chronisch Kranken.
Für die, die in Quarantäne leben müssen.
Die keine Ersparnisse haben und deren Einkommen jetzt ausbleibt. 
Die nicht wissen, wie ihre Kinder betreut werden können.


Für alle Verantwortlichen, deren Expertise jetzt besonders gefragt ist:
Im Gesundheitswesen, in der Forschung, den Medien und der Politik.
 

Wir bitten dich für uns:
Dass wir aufmerksam sind, hilfreich und behütet.
Dass wir in Kontakt bleiben mit anderen und erfinderisch werden darin.
Bewahre uns davor, ein Risikofaktor zu werden für andere.

 

Wir bitten dich, umgib unseren Geist mit Liebe.
Unterbrich uns immer wieder in unseren Ängsten und Befürchtungen
mit Zeichen deiner Nähe und Gegenwart.
Heile und stärke alle, die Heilung brauchen.

 

Stärke Allverbundenheit. Du, der du mit allen verbunden bist
Und uns besser kennst als wir uns selber.

 

Winfried Semmler-Koddenbrock, Pastoralreferent und Krankenhausseelsorger

 

 

„Seelsorge ist für Sie da – auch während der Corona-Krise“
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