Woher kommt mir Hilfe?!

Bonn, 03. April 2020

So fragt in diesen Tagen manch einer unter uns, mal laut und manchmal nur ganz leise.

Die Hilfsbereitschaft in der gemeinsam durchzustehenden Bedrängnis durch das Corona-Virus  ist groß und einfallsreich. So kommen wir uns auch in der gebotenen Distanz nahe.

Die Frage nach Hilfe in der Notsituation ist eine zutiefst menschliche und existiert biblisch belegt seit Jahrtausenden. Etwa im 6. Jahrhundert vor Christus spricht es der 121. Psalm aus: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“

Der Psalmbeter liefert quasi eine Steilvorlage, indem er das Ergebnis eines sicher längeren inneren Prozesses an den Anfang stellt: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.“ Er richtet seinen Blick auf und damit auch sich selbst. Er bleibt nicht in der Bedrückung, sondern sucht, spricht sein Bedürfnis aus und findet Hilfe. Er betet weiter: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Dieser Psalm ist eines der Gebete, die ich als Seelsorgerin am Krankenbett und auch für mich selbst gern bete.

Diese innere wie äußere Aufrichtung gelingt nicht jedem von uns zu jeder Zeit. Oft braucht es eine längere Zeit dazu und auch die Hilfe anderer. In der Lebensgeschichte z.B. des Propheten Elias ist dies geschildert. Menschen, die sich heute niedergedrückt fühlen, können sich darin wiederfinden. Die augenblickliche Kontaktbegrenzung löst Ängste und Unsicherheiten aus. Manch einer fühlt sich allein - im Krankenhaus, im Altenheim oder auch zu Hause. Elias lag am Boden, er wollte nicht mehr, war am Ende seiner Kräfte. Der Komponist Mendelssohn Bartholdy  drückt in seinem Oratorium „Elias“ in berührender Weise diese Gefühle von Bedrängnis und tiefer Not aus. Im Terzett der Engel lässt er dem Propheten aufrichtenden Zuspruch zukommen: „Hebe deine Augen auf zu den Bergen …“ Hören Sie doch einmal hinein und lassen Sie sich berühren, trösten, aufrichten: https://youtu.be/PB4qemd1kvw

Der Blick zu diesen Bergen  (Foto: Schweizer Alpen mit Säntis) hat mich in den Anfängen der Corona-Krise in Deutschland begleitet und an den 121. Psalm erinnert. Aus der Natur und dem Gebet ist mir Kraft, Besonnenheit und Ermutigung zugewachsen, die ich auch Ihnen von Herzen wünsche:

„Gott, der Dich behütet, schläft nicht!“  Psalm 121, 3

Manuela Quester, Pfarrerin