Antikörpertherapie

Antikörpertherapie auf der Basis des „Her-2/neu-Gens“
Krebszellen können auch Krebsgene (Onkogen) in sich tragen. So wird das Krebsgen Her-2/neu bei ca. 20% der Tumorgewebe von Brustkrebspatientinnen nachgewiesen. Der Nachweis dieser Tumoreigenschaft wurde anfangs eher als ungünstig angesehen und mit einer schlechteren Prognose verbunden. Dies führte dazu, dass intensivere Therapien bei positiven Her-2/neu-Status durchgeführt wurden und werden. So führt der Her-2/neu-Nachweis bereits ab einer Tumorgröße von mehr als 5mm zum Einsatz einer Chemotherapie. Allerdings gibt es dann die zusätzliche Möglichkeit einer Antikörper-Therapie (s.u.). Insgesamt führen diese Erkenntnisse zu immer besseren Therapie-Ergebnissen.

Der beschriebene Antikörper ist Trastuzumab (Herceptin®). Im Frühjahr 2005 zeigten Studienergebnisse von drei großen unabhängigen Untersuchungen erstmals, dass der Einsatz des Herceptins® vorbeugend in der frühen, fernmetastasenfreien (M0), adjuvanten Situation einen klaren Vorteil für betroffene Patientinnen zeigte. Danach wurden von zahlreichen Fachgesellschaften der Einsatz bei Patientinnen, deren Zellen die Eigenschaft des Her-2/neu tragen, empfohlen. Dies führte zur offiziellen Zulassung des Präparates (Herceptin®) für die Brustkrebsbehandlung von Her-2/neu-positiven Brustkrebsen in der frühen, nicht metastasierten Situation. Diese Therapie ist immer an die Gabe einer Chemotherapie gekoppelt. Wir werden persönlich mit Ihnen sprechen, wenn diese Therapie für Sie in Fragen kommen sollte.

Die Therapie erfolgt über 1 Jahr als Infusionen alle 3 Wochen (alternativ auch wöchentlich). Entweder werden die ersten Infusionen mit einem Taxan (z.B. Paclitaxel) kombiniert, oder das Herceptin® als Monosubstanz nach einer Chemotherapie eingesetzt.

Neue Daten zeigen, dass bei Nachweis des Her-2, hervorragende Ergebnisse erzielt werden, wenn eine vorgeschaltete Chemotherapie mit dem Herceptin in Kombination mit einem weiteren Antikörper Pertuzumab (Perjeta®) kombiniert wird. Sollte diese sogenannte duale Blockade eine Option für Sie sein, werden wir dies mit Ihnen besprechen.

Wesentliche Nebenwirkungen sind nicht beschrieben. Da Herceptin® in seltenen Fällen Herzprobleme hervorrufen kann, werden vor und während der Therapie Herzechographien (alle 3 Monate) durchgeführt. Bitte gehen Sie bei Gewichtszunahmen > 2 kg pro Woche oder bei Pulsbeschleunigungen > 15% Ihres normalen Wertes zum Hausarzt, Internisten oder zu uns.

Zwischenzeitlich gibt es das Trastuzumab (Herceptin® s.c.) auch als Spritze unter die Haut (subcutan s.c.).

Auch bei fortgeschrittenen Situationen mit vorhandenen Tochtergeschwülsten (M1) im Körper (Metastasen z.B. in Knochen, Leber oder der Lunge) ist das Herceptin® Mittel der Wahl und wird sofort erfolgreich eingesetzt, sofern Her-2 nachgewiesen ist. In diesen Situationen gibt es zusätzliche Medikamente wie den Tyrosinkinaseinhibitor Lapatinib (Tyverb®). Auch dieses Präparat setzt an dem Her-2/neu-Krebsgen der Krebszelle gezielt an und wird unter anderem beim Versagen des Herceptins® oder speziell bei Tochtergeschwülsten im Gehirn eingesetzt. Je nach Situation werden 4 – 6 Tabletten täglich gegeben. Tyverb® und Herceptin® können in bestimmten Fällen auch zusammen eingesetzt werden.

Seit 2012 gibt es einen weiteren Antikörper, der ebenso am Her-2/neu-Rezeptor ansetzt und bei Patientinnen mit Metastasen eingesetzt werden: Pertuzumab (Perjeta®). Ähnlich dem Herceptin® wird es alle 3 Wochen als Kurzinfusion injiziert. Dies geschieht in der ersten Linie kombiniert mit Herceptin® und dem Chemotherapeutikum Docetaxel.

Vor kurzem wurde eine Verbindung zwischen Trastuzumab und einem Chemotherapeutikum entwickelt: T-DM1 (Trastuzumab-Emtansine Kadcyla®). Der Antikörper bindet wie beschrieben an das Her-2/neu und nachfolgend wird die Chemotherapie gezielt in die Tumorzelle eingeschleust. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die modernen Therapie-Entwicklungen immer gezielter die Tumorzelle und immer weniger den gesamten Körper angreifen.

Sie haben in den letzten 3 Absätzen gemerkt, dass es immer schwieriger wird, die Therapieoptionen klar abzugrenzen. Gerade in diesen M1-Situationen (Vorhandensein von Tochtergeschülsten) wird eine individualisierte Therapie immer wichtiger. Jeder Einzelfall wird anders behandelt. Wir informieren Sie über Ihre persönliche Situation.

Ihr Ansprechpartner Brustkrebszentrum Bonn / Euskirchen

Standort Bonn

Johanniter-Straße 3–5
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