Chemotherapie

Bei der Chemotherapie handelt es sich um eine Therapie, die von Ihnen am meisten gefürchtet wird. Schuld daran sind Medien und Berichte sowie Fernsehfilme, bei denen die Chemotherapie immer als die letzte Möglichkeit der Therapie kurz vor dem Lebensende dargestellt wird. Sie müssen verstehen lernen, dass es sich bei dieser Form der Chemotherapie um einen ganz anderen Ansatz handelt: die adjuvante Therapie soll verhindern, dass es zu einem erneuten Auftreten der Erkrankung kommt. Die Chemotherapie dient somit in diesen Fällen der Heilung. Dies wissen aber natürlich nur Sie und Ihr engster Bekanntenkreis. Alle bemerken, dass Sie eine Chemotherapie bekommen, wissen aber nicht, wie gesund sie tatsächlich sind. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie sind nämlich die bekannten und von Ihnen gefürchteten.

Chemotherapeutika greifen Zellen an und vernichten sie. Bösartige Zellen haben dann keine Chance der Erholung mehr, während die normalen Zellen sich erholen und wieder regenerieren. Nebenwirkungen können somit der Verlust der Haare sein, da die Chemotherapeutika auf die schnell wachsenden Haarwurzeln zugreifen. Dies ist reversibel, das heißt, dass die Haare nach Beendigung der Therapie wieder wachsen. Bei den verwandten Schemata beginnt der Haarausfall schlagartig nach ca. 16-20 Tagen. Bis dahin sollten Sie Kontakt zu einem Perückenmacher gehabt haben.

Weitere Nebenwirkungen sind der Abfall der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Daher müssen Sie jede Woche ein - zwei Mal bei Ihrem Haus- oder Facharzt eine Blutbildkontrolle durchführen lassen, um zu sehen, wenn die Werte zu stark absinken (siehe auch Information nach Chemotherapie).

Als weitere Nebenwirkung treten Übelkeit und Erbrechen auf. Dies kann nur gering oder sehr stark ausgeprägt sein. Wir haben viele potente Mittel, die dagegen helfen (siehe zusätzliche Information).

Um eine Chemotherapie rankt sich viel Mystik. Der Ablauf ist aber recht einfach. Nach dem Legen einer Nadel in die Vene werden Ihnen normale Infusionen verabreicht und zwischendurch die Medikamente in einem bestimmten Zeitschema gegeben. Während dem Einlaufen der Chemotherapie sollten Sie den betroffenen Arm ruhig halten, damit das Medikament auch tatsächlich in die Vene läuft. Dieses ist nämlich äußerst aggressiv. Nach normalen Nachinfusionen zum Spülen der Vene ist die Therapie nach maximal 5-6 Stunden auch schon vorbei. Je nach notwendigem Schema werden 1, 2 oder 3 Medikamente gegeben. Am häufigsten werden derzeit folgende Schemata eingesetzt: EC-wPac (4x Epirubicin, Cyclophosphamid alle 2 – 3 Wochen, gefolgt von 12x wöchentlich Paclitaxel), TAC (6x Taxol®, Adriamycin, Cyclophosphamid alle 3 Wochen) oder wPC-EC (12x wöchentlich Paclitaxel und 4x Carboplatin alle 3 Wochen gefolgt von 4x Epirubicin mit Cyclophosphamid alle 2 – 3 Wochen. Manchmal wird auch auf das Epirubicin verzichtet. Ab und zu werden auch dosisdichtere- bzw. dosisintensivere Therapien eingesetzt (z.B. ETC).
Bei der Behandlung einer Eierstockerkrankung werden Carboplatin und Paclitaxel eingesetzt (6 Zyklen im Abstand von 21 Tagen).

Zunehmend setzen wir Chemotherapien auch vor der Operation ein (Neoadjuvante oder Primäre Chemotherapie). Dies hat den Vorteil, dass der Effekt der Behandlung durch die Größenabnahme des Brustknotens überprüft werden kann und dass häufiger trotz größerem Befund ein brusterhaltendes Vorgehen gewählt werden kann. Diese Vorgehensweise wird vor allen bei Triple-Negativen Brustkrebsen (ER 0 & PR 0 & Her-2: 0) oder bei Her-2-Positivität gewählt .

Welche Chemotherapie am sinnvollsten ist und wie und wann sie eingesetzt wird, muss anhand der Gesamtsituation individuell entschieden werden.

Üblicherweise führen wir die erste Chemotherapie ca. 2 - 3 Wochen nach der Operation durch. Stationäre, teilstationäre oder ambulante Abläufe sind möglich.  Einzelheiten über die Abläufe werden mit Ihnen besprochen. Die Durchführung übernimmt ein Internischtischer Onkologe in Ihrer Nähe. Wir haben ein Netzwerk aufgebaut, um Ihnen einen optimalen Ablauf zu ermöglichen.

Die Überwachung zwischen den Zyklen übernimmt Ihr Haus- oder Frauenarzt oder in Absprache auch wir. Am Tag vor dem nächsten Zyklus müssen wir uns wieder sehen: sie werden erneut klinisch untersucht und eine aktuelle Blutbildkontrolle wird entnommen. Ihr aktuelles Gewicht und die Körpergröße werden gemessen. Bei Problemen (niedrige Blutwerte, Fieber), sollten Sie immer Kontakt zu uns aufnehmen oder sich hier vorstellen.