Hormontherapie

(Antihormontherapie, Endokrine Therapie)
Hormontherapien oder auch Antihormontherapien werden auch Endokrine Therapien genannt und lassen sich nur anwenden, wenn ein Östrogenrezeptor (ER) und / oder ein Progesteronrezeptor (PR) vorhanden ist. Diese Rezeptoren werden am Tumorgewebe durch die Pathologen bestimmt (s. Befund).

Bei jungen Patientinnen vor der Menopause (Prämenopause) wird Tamoxifen und gegebenenfalls GnRH-Analoga eingesetzt. Aromatasehemmer (Synonym Aromataseinhibitoren)  dürfen bei vorhandenen Östrogenen des Eierstocks nicht eingesetzt werden.

Nach den Wechseljahren (Postmenopause) können Tamoxifen oder Aromatasehemmer verwandt werden. Oft werden beide nacheinander eingesetzt. Teilweise ist es besser, zuerst Tamoxifen und dann einen Aromatasehemmer zu verwenden oder umgekehrt. Dies muss individuell festgelegt werden.

Bei Männern kommt nur Tamoxifen zum Einsatz (jedes 100 Mammakarzinom trifft einen Mann!).

Eine große Studie konnte Ende 2012 zeigen (publiziert 3/2013), dass das Rückfallrisiko weiter gesenkt werden konnte, wenn die Einnahmedauer von 5 Jahren auf 10 Jahre verlängert wurde.

Die Nebenwirkungen bei der langen Einnahme waren akzeptabel, so dass von unseren Fachgesellschaften aktuell empfohlen wird, eine Antihormontherapie 10 Jahre durchzuführen. Dies sollte aber nur geschehen, wenn die Mittel gut vertragen werden. Je nach Situation sind Kombinationen zwischen den beiden Substanzgruppen Tamoxifen oder Aromatasehemmern möglich: 10 Jahre Tamoxifen; 5 Jahre Tamoxifen gefolgt von 5 Jahren Aromatasehemmern oder umgekehrt. Aromatasehemmer sollten maximal 5 Jahre eingesetzt werden.

1. Tamoxifen

Seit den 70er Jahren kennt man das Antiöstrogen Tamoxifen, welches dem Östrogen im Aufbau gleicht. Dieses kann den Rezeptor besetzen. Man kann sich dieses System als Schlüssel-Schloss-Prinzip vorstellen: die Tumorzelle hat ein Schloss, in den der „Östrogenschlüssel“ passt. Die Zelle wird stimuliert, wenn das Schloss besetzt wird. Tamoxifen besetzt das Schloss auch, ist aber nicht in der Lage, den Schlüssel zu drehen. Dadurch wird die Zelle blockiert und geht zu Grunde. Ein Wiederauftreten des Brustkrebses wird verhindert.

Ein geniales Prinzip, welches auch nur geringe Nebenwirkungen hat: wie alle Hormone kann Tamoxifen in seltenen Fällen zu Thrombosen führen. Tamoxifen hat eine restöstrogene  Wirkung und kann die Schleimhaut in der Gebärmutter stimulieren, so dass es dort zum Aufbau der Schleimhaut bis hin zu erneut auftretenden Blutungen bei Frauen nach den Wechseljahren kommt. Zum Teil klagen Patientinnen unter der Tamoxifeneinnahme über starke Wechseljahrs-beschwerden. Schuld daran ist aber oft nicht das Antihormon Tamoxifen sondern der Umstand, dass Frauen mit hormonempfindlichen Brustkrebszellen keine Hormone (Hormonersatztherapie) bekommen dürfen. Bei jüngeren Frauen führt Tamoxifen teilweise zu gutartigen Zysten im Bereich der Eierstöcke. Schwangerschaften sind unter Tamoxifen möglich!. Die restöstrogene Wirkung des Tamoxifens kann den Knochenaufbau unterstützen.

Der Einsatz von Tamoxifen ist zur Standardtherapie bei Patientinnen mit Nachweis von Hormonrezeptoren geworden. Es handelt sich um eine der ersten zielgerichteten Therapien, d.h. ein Effekt wird nur an den Zellen erzielt, die einen Rezeptor tragen.

Die Dosis beträgt 20 mg täglich (1 Tablette). Bei Blutungen aus der Scheide unter Einnahme von Tamoxifen sollten Sie unbedingt Ihren Frauenarzt aufsuchen.

2. Aromatasehemmer

Bei den Aromatasehemmern (Synonym Aromataseinhibitoren / ARI) handelt es sich um Substanzen die das Enzym Aromatase hemmen. Aromatase wird dazu benötigt, im Fettgewebe aus Vorstufen Östrogene herzustellen. Die Hemmer verhindern somit die Produktion von Östrogenen und wirken dadurch auch stark antiöstrogen.

Aromatasehemmer dürfen nur bei Frauen nach der Menopause (nach Beendigung der Wechseljahre) eingesetzt werden.

In den letzten Jahren wurden Aromatasehemmer zunehmend untersucht. Bei der Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses haben die Aromatasehemmer die Tamoxifen-Therapie in die zweite Behandlungslinie verdrängt. Neuere Studien zeigen, dass auch bei der vorbeugenden (adjuvanten) Situation die Aromatasehemmer Vorteile haben können. So werden Aromatasehemmer heutzutage bei bestimmten Situationen statt Tamoxifen direkt eingesetzt. Auch eine sequenzielle Therapie (2 – 3 Jahre Tamoxifen, dann 2 – 3 Jahre Aromatasehemmergabe) oder eine erweiterte adjuvante Therapie (nach 5 Jahren Tamoxifen noch 5 Jahre ein Aromatasehemmer bzw. umgekehrt) ist möglich. Die Entscheidung hierüber muss individuell getroffen werden. Wenn Tamoxifen nicht vertragen wird, bzw. es Einwände gegen die Einnahme von Tamoxifen gibt, müssen Aromatasehemmer statt Tamoxifen eingesetzt werden. Aromatasehemmer sollten nur 5 Jahre lang eingesetzt werden.

Als wesentliche Nebenwirkung ist ein fehlender Effekt auf die Knochen zu erwähnen, so dass Patientinnen unter einer Aromatasehemmer-Therapie etwas häufiger eine Osteoporose mit dem möglichen Risiko von Knochenbrüchen entwickeln. Zudem leiden Patienten manchmal unter Knochenschmerzen. Es ist daher ratsam, vor Beginn und unter der Therapie Knochendichte-messungen durchzuführen. Als Antihormon führt auch diese Substanzgruppe teilweise zu Wechseljahrsbeschwerden.

3. GnRH-Analoga, Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie)

Aus dem geschilderten Prinzip der Hemmung von hormonempfindlichen Zellen durch Verdrängen vom Rezeptor (Tamoxifen) oder durch den Versuch, die Östrogenproduktion zu vermindern (Aromatasehemmer) lässt sich folgern, dass es sinnvoll sein könnte, bei jüngeren Frauen die Hormonproduktion der Eierstöcke zu unterdrücken. Diese können dann keine Hormone mehr produzieren. Die Nebenwirkung dieser Therapie ist somit gewünscht und führt dazu, dass die Patientin in die Wechseljahre kommt.

Untersuchungen haben bestätigt, dass dies ein hervorragendes System ist, um zusätzlich junge Frauen nach der operativen Therapie zu heilen. Eingesetzt werden Spritzen die alle 4 Wochen unter die Haut injiziert werden. Diese greifen in den Regelkreislauf der Östrogenbildung ein. Anfangs kommt es dann noch zu einer  Blutung, mit der 2. - 3. Spritze hört aber die Menstruation auf. Gegeben werden diese Spritzen über 2 Jahre. Oft wird diese Spritze mit Tamoxifen oder einem Aromataseinhibitor kombiniert. Eine eindeutige Datenlage, ob dies tatsächlich Vorteile bringt gibt es nicht. In bestimmten Situationen werden wir v.a. sehr jungen Frauen oder Frauen mit  fortgeschrittenem Brustkrebs eine GnRH-Gabe empfehlen.

Die Therapie mit der GnRH-Analogon-Spritze ist reversibel. Das bedeutet, dass nach Absetzen der Medikamente die Eierstockfunktion wieder aufgenommen wird (sofern Sie dann nicht die eigentlichen Wechseljahre erreicht haben). Alternativ können die Eierstöcke aber auch komplett z.B. durch eine Bauchspiegelung entfernt werden. Dies ist dann selbstverständlich ein endgültiges Vorgehen.

Ihr Ansprechpartner Brustkrebszentrum Bonn / Euskirchen

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