Brustschmerzen gemeinsam behandeln

Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen, 29. Juni 2020

v.l.n.r.: Dr. Michael Bell und Dr. Alexander Meyer bei der Besprechung medizinischer Befunde.
Bild: S. Kalkmann

Herr M. ist letzte Woche 76 Jahre alt geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es ihm eigentlich immer gut gegangen. Seit einigen Tagen verspürt er ein Engegefühl in der Brust. Zuerst war es ihm beim Steigen der Treppe aufgefallen, später auch schon bei leichterer körperlicher Belastung. Zuletzt in Ruhe.
Dann ging alles ziemlich schnell. Seine Frau hat den Rettungsdienst verständigt, der ihn in das Johanniter Krankenhaus gebracht hat. Über die Notaufnahme wurde er auf die Brustschmerzstation (CPU= Chest-Pain-Unit) verlegt. Nach der zweiten EKG und Laborkontrolle war klar, dass ein Herzinfarkt drohte. Noch am frühen Abend wurde eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. Der diensthabende Oberarzt erklärte ihm, dass eine über 90%ige Engstelle an den Herzkranzgefäßen mit einem Ballon aufgeweitet werden musste. Um diese zu stabilisieren musste eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt werden. Seit der Behandlung sind die Schmerzen nicht mehr aufgetreten, bereits im Katheterlabor war der Druck von der Brust plötzlich verschwunden. Alles was jetzt von außen noch sichtbar war, war ein kleiner roter Punkt am Handgelenk, die Punktionsstelle für den Katheter. Zudem hatte sich die medikamentöse Therapie verändert.

So läuft idealerweise die Behandlung eines Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom (Herzinfarkt) ab. Der gut informierte Patient verständigt den Rettungsdienst, dieser bringt den Patienten in eine spezialisierte Abteilung mit CPU-Station/Herzkatheterlabor wo der Patient rasch behandelt werden kann. Dazu gehört ein Rettungssystem, welches fast überall in der Bundesrepublik Deutschland in der Lage ist, einen Patienten in kürzester Zeit in eine spezialisierte Klinik zu bringen. In einem über Jahre andauerndem Prozess konnte eine Verknüpfung von ambulanter und stationärer Behandlung aufgebaut werden. Auf einer Chest Pain Unit, also einer solchen Brustschmerz-Station werden die Symptome analysiert, um lebensbedrohliche Erkrankungen rasch zu erkennen und behandeln zu können. Auch andere lebensbedrohliche Erkrankungen können Brustschmerzen verursachen und müssen rasch diagnostiziert werden, z.B. eine Erkrankung der Hauptschlagader oder eine Lungenembolie (Verschluss eines Lungengefäßes).

Dafür braucht es in den Kliniken eingespielte und eingeübte Abläufe, damit diese Diagnosen rasch gestellt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat zu diesem Zweck ein Gütesiegel entwickelt, welches 2008 eingeführt wurde und mittlerweile in Deutschland schon an über 290 Kliniken vergeben wurde: die Zertifizierung einer CHEST-Pain-Unit (CPU; Brustschmerzstation).

Diese Einheiten sind darauf spezialisiert und trainiert, Patienten mit Brustschmerz zu behandeln.

Am Johanniter-Krankenhaus in Rheinhausen gibt es seit 2016 eine solch zertifizierte Station.

Eine erneute Prüfung der Abläufe durch eine Kommission erfolgte Anfang 2020 (Leitung Dr. Michael Bell, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Kardiologie).

Nicht immer ist ein Schmerz im Brustbereich Ausdruck eines Herzinfarktes. Bei fast jedem dritten Patienten, der sich mit Schmerzen im Brustbereich in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus vorstellt, handelt es sich nicht um eine zugrundeliegende Herzerkrankung.

Bei etwa der Hälfte dieser Patienten mit nicht-herzbedingten Brustschmerzen können Funktionsstörungen der Speiseröhre die Ursache sein.

Speiseröhre und das Herz liegen im Brustkorb eng beieinander. Das Gehirn kann den wahren Ursprung der Beschwerden nicht immer sicher zuordnen.

Leider werden oftmals Patienten mit Brustschmerzen, nach unauffälliger kardiologischer Untersuchung wieder nach Hause entlassen, ohne dass eine Ursache der Beschwerden gefunden wurde.

Nicht so am Johanniter Krankenhaus in Rheinhausen. Seit Einführung der Chest-Pain-Unit ist das oberste Ziel, die Ursache des Brustschmerzes zu klären. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Viszeralmedizinern werden nach unauffälligen, kardiologischen Befunden die viszeralmedizinischen Kollegen (Gastroenterologen und Bauchchirurgen/Viszeralchirurgen) hinzugezogen. Denn im Magen-Darm-Zentrum Rheinhausen kennt man sich mit dem nicht kardialen Brustschmerz aus. Ursächlich kann eine irritable Speiseröhre, eine Refluxerkrankung oder eine Transportstörung der Speiseröhre mit Verkrampfungen der Muskulatur (Spasmen) sein, welche zu stärksten Schmerzen im Brustkorb führt.

Häufig finden sich bereits bei einer Magenspiegelung Anhaltspunkte für eine Erkrankung der Speiseröhre. Zur weiteren Abklärung der Beschwerden sind aber meist noch spezielle Untersuchungen, wie die hochauflösende Druckmessung (Manometrie) und Impedanz-pH-metrie erforderlich. Durch diese Untersuchungen können z.B. ein Reflux (das Aufsteigen von Magensäure oder Galle) in der Speiseröhre, eine Überempfindlichkeit der Speiseröhre oder Verkrampfungen identifiziert werden. Nur wenn wir die richtige Diagnose finden, können wir den Patienten auch richtig behandeln, so Dr. Alexander Meyer, Chefarzt der Chirurgischen Klinik I und Leiter des Magen-Darm-Zentrums Rheinhausen im Johanniter Krankenhaus Duisburg. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Patienten mit Brustschmerzen interdisziplinär behandelt werden.

Auf der Brustschmerzstation im Johanniter Krankenhaus treffen Sie auf Ärzte und Schwestern, die darauf trainiert sind, solche Krankheitsbilder zu erkennen und zu behandeln. Und der Patient kann sich sicher sein, dass notwendige Untersuchungsmethoden, wie Computertomographie, Herzkatheterlabor, sowie die gastroenterologische bzw viszeralchirurgische Behandlung an sieben Tagen die Woche und 24h täglich zur Verfügung stehen.