Wenn das Signal des Körpers zur Qual wird

Geesthacht, 07. Juni 2006

Der Schmerz ist eine Sinnesempfindung. Er schützt den menschlichen Körper vor Überanstrengung und weist auf Verletzungen hin. Voraussetzung für seine Wahrnehmung ist das Vorhandensein von Schmerzrezeptoren, die auf eine drohende oder eingetretene Verletzung des Körpergewebes reagieren, und die ungestörte Weiterleitung des entsprechenden Signals an das Zentralnervensystem ermöglichen. Was aber, wenn der Schmerz außer Kontrolle gerät?

Jeder zehnte Bundesbürger etwa leidet unter Migräne. Chronische Nacken- und Rückenschmerzen zählen ebenfalls zu den Volkskrankheiten. Wenn der Schmerz seine Signal- und Warnfunktion verloren hat, ist eine interdisziplinäre Schmerztherapie das Mittel der Wahl. Chefarzt und Leiter der Schmerzambulanz im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht Dr. Torsten E. Wieden: „Moderne Schmerztherapie geht von der Erkenntnis aus, dass Schmerz eine Empfindung mit starker seelischer Komponente sein kann. Bestes Beispiel sind durch Stress ausgelöste Verspannungen der Muskulatur, die im Einzelfall zu einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung führen können. Da am Phänomen Schmerz der ganze Mensch beteiligt ist, bedarf es einer Zusammenarbeit von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen.

Ärztliches, psychologisches, physiotherapeutisches, ergotherapeutisches und pflegerisches Wissen und Handeln muss zusammenwirken.“ Dr. Matthias Heißler, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ergänzt: “Gerade chronischer Schmerz bedarf der Behandlung. Andernfalls schränkt er nicht nur die Lebensqualität des Betroffenen unnütz ein, sondern kann auch zu einer nachteiligen Persönlichkeitsveränderung führen. Von erheblicher Bedeutung ist auch der psychosomatische Schmerz. Hier ist der körperliche Schmerz Ausdruck seelischer Belastung. Insgesamt ist dem Körperlichen nicht weniger, sondern dem Seelischen mehr Aufmerksamkeit zu schenken".

Die schmerztherapeutische Betreuung von Tumorpatienten (Palliativmedizin) stellt gerade vor diesem Hintergrund einen weiteren Behandlungsschwerpunkt dar. Dr. Wieden ist einer von zurzeit nur sieben Ärzten für Palliativmedizin in Schleswig-Holstein.

Die Eröffnungsveranstaltung der interdisziplinären Schmerzambulanz im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht findet am Dienstag, den 13. Juni 2006, von 19:00 bis 20:30 Uhr im Vortragssaal der Klinik statt.