Wichtiger Fortschritt bei der Behandlung von Brustkrebs Neuer Test erspart Frauen unnötige Chemotherapie

Geesthacht, 07. April 2010

Wichtiger Fortschritt bei der Behandlung von Brustkrebs
Neuer Test erspart Frauen unnötige Chemotherapie

Die Zahlen aus dem Krebsregister 2010 scheinen besorgniserregend zu sein: In keinem anderen Bundesland wird Brustkrebs so häufig festgestellt wie in Schleswig-Holstein. Tatsächlich sagt die Statistik damit aber auch etwas Positives aus. Bei uns ist die Krebsfrüherkennung besonders effektiv und die Heilungschancen damit auch besonders groß. Nun gibt es für betroffene Frauen noch einen weiteren Grund zum Optimismus. In einigen ausgesuchten Fällen kann bei Frauen ohne Lymphknotenbeteiligung nach erfolgter Operation auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Es steht zwar außer Frage, dass bei der Diagnose Brustkrebs eine Chemotherapie das Leben retten kann. Mit ihr können Tochtergeschwülste (Metastasen) chemisch abgetötet werden. Mediziner wissen aber auch, dass in der genannten Konstellation etwa 30 % der Patientinnen diese strapaziöse Therapie erspart werden kann. Bei ihnen hat die Operation den Krebs vollständig beseitigt. „Eine Prognose, ob bei einer konkreten Patientin die Ausbildung von Metastasen zu befürchten ist oder nicht, konnte bisher nur schwer getroffen werden. Dies hat sich jetzt erfreulicherweise durch ein neues Testverfahren, den uPA/PAI-1-Test, geändert“, berichtet die leitende Oberärztin der Frauenklinik im Johanniter-Krankenhaus Dr. Ulrike Müller.

In der Geesthachter Klinik wird als erstem Standort des Brustzentrums Herzogtum Lauenburg in Zusammenarbeit mit dem Labor Kramer und der Universität Halle der neuartige Biomarker zur Prognoseeinschätzung nach einer Brustkrebsoperation angeboten. Dr. Ulrike Müller: UPA und PAI-1 haben als Eiweißstoffe im Körper viele Funktionen, unter anderem ist eine hohe Konzentration im Tumorgewebe ein Hinweis auf eine erhöhte Metastasierungswahrscheinlichkeit. Ist die Konzentration dieser Eiweißmoleküle im Tumorgewebe gering, kann dies den Verzicht auf eine vorbeugende Chemotherapie rechtfertigen. Da dieser Test lediglich an Frischgewebe aus dem Tumor durchgeführt werden kann, bedurfte es ausführlicher logistischer Vorplanung in Kooperation mit dem in Deutschland hierbei führenden wissenschaftlichen Zentrum, der Universität Halle. Für die geleistete Pionierarbeit möchten wir ausdrücklich auch dem Labor Kramer, insbesondere Privatdozent Dr. Jan Kramer, danken“.

An dem Projekt sind ferner die onkologischen Praxen Mucha, Vintila, Fastenrath in Geesthacht sowie Fritz, Maas und Schneider aus Reinbek beteiligt. Die Ergebnisse der Tests dienen der Entscheidungsfindung bei den monatlichen interdisziplinären Tumorkonferenzen. Eine Empfehlung der Deutschen Krebsgesellschaft für den Test liegt vor. Nach erfolgreichem Abschluss einer Erprobungsphase soll der uPA/PAI-1-Test als wertvolle Entscheidungshilfe für die weitere Therapie auch an den anderen beiden Standorten des Brustzentrums, Reinbek und Ratzeburg, angeboten werden