Behandlung der Bulimia nervosa

Die Behandlung der Bulimia nervosa in der Klinik am Korso erfolgt auf zwei Ebenen: Zum einen muss der bulimische Teufelskreis durchbrochen werden. Dies gelingt meistens in den ersten beiden Wochen der Kontaktsperre, in denen externe Lebensmittel nicht gekauft und gehortet werden können. Außerdem ist es Pflicht, an den gemeinsamen Mahlzeiten teilzunehmen, gleichzeitig ist es verboten, Nahrungsmittel auf das Zimmer zu bringen und dort zu lagern. Das Essverhalten unterliegt der sozialen Kontrolle der Gruppenmitglieder, die auch bei Tisch zusammensitzen. Auch das Erbrechen unterliegt einer gewissen sozialen Kontrolle, schon deshalb weil Patienten anfangs in Doppelzimmern untergebracht sind. Nach und nach entwickeln die Patienten dann auch ein Gefühl für die angemessenen Essmengen und empfinden wieder Hunger und Sättigungsgefühl. Außerdem arbeiten wir zurzeit mit einer Nachbetreuungsgruppe, in der gefährdete Patienten in Begleitung einer Krankenschwester oder einer Oecotrophologin den selbstfürsorglichen Umgang erlernen, statt zu erbrechen. 

Schließlich werden die Bulimikerinnen in Einzelkontakten immer wieder auf ihr Essverhalten und das Erbrechen angesprochen. In schweren Fällen besteht ein Erfolg auch schon darin, vom regelhaften, zwanghaften Essen und Erbrechen absehen zu können und sich nur noch in schwierigen Situationen zu überessen oder zu erbrechen. Selbstverständlich wollen wir nicht nur die Symptomatik verändern. In den verschiedenen Therapien geht es um eine Erhellung der zu Grunde liegenden Umstände und um eine Bearbeitung der psychosozialen Rahmenbedingungen. Dabei liegt uns besonders daran, dass sich die Patienten ihrer oftmals reichen Ressourcen bewusst werden. 

In einigen Fällen hat sich der Einsatz von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern eine sinnvolle Behandlungskomponente erwiesen. Oft kommt es unter diesen Medikamenten zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung. Zugleich haben die Medikamente die Eigenschaft, die Hungerzentren im lateralen Hypothalamus zu dämpfen.