Bulimia nervosa - Diagnose

Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) nach ICD 10

(Vgl. Dilling H. Mombour W. &  Schmidt MH. (Hrsg.) 5. korr. Auflage (2004) Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-10 Kapitel V.  Huber.)

F 50.2 Bulimia nervosa

Ein Syndrom, das durch wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert ist. Dies führt zu einem Verhaltensmuster von Eßanfällen bei denen große Mengen Nahrung in sehr kurzer Zeit konsumiert werden und Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln. Viele psychische Merkmale dieser Störung ähneln denen der Anorexia nervosa, so die übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und körperlichen Komplikationen führen. Häufig lässt sich in der Anamnese eine frühere Episode einer Anorexia nervosa mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nachweisen. 

Einige gängige Methoden zur Gewichtskontrolle

  • selbstinduziertes Erbrechen 
  • Abführmittelabusus 
  • zeitweiliges Hungern 
  • Gebrauch von Diuretika, Schilddrüsenhormonen oder Appetitzüglern 
  • bei Diabetikerinnen: Vernachlässigung der Insulinbehandlung 

Subtypen nicht im ICD kategorisiert

Bulimie purging Type
Die Kompensation der Essattacke erfolgt durch selbst induziertem Erbrechen und/oder Laxanzien- und/oder Diuretikaabusus

Bulimie non purging Type
Die Kompensation der Essattacke erfolgt über Fasten oder durch Hyperaktivität (Bewegungsdrang), aber ohne selbst induziertes Erbrechen, Laxanzien- und/oder Diuretikaabusus.

F 50.3 Atypische Bulimia nervosa

Es handelt sich um Störungen, die einige Kriterien der Bulimia nervosa erfüllen, das gesamte klinische Bild rechtfertigt die Diagnose jedoch nicht. Zum Beispiel können wiederholte Eßanfälle und übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln auftreten ohne signifikante Gewichtsveränderungen, oder es fehlt die typische übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht.

Diagnostische Leitlinien nach ICD 10.

  • Eine andauernde Beschäftigung mit Essen, eine unwiderstehliche Gier nach Nahrungsmitteln; die Patientin erliegt Essattacken, bei denen große Mengen Nahrung in sehr kurzer Zeit konsumiert werden.
  • Die Patienten versucht, dem dickmachenden Effekt der Nahrung durch verschiedene Verhaltensweisen entgegenzusteuern: selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, zeitweilige Hungerperioden, Gebrauch von Appetitzüglern, Schilddrüsenpräparaten oder Diuretika. Wenn die Bulimie bei Diabetikerinnen auftritt, kann es zu einer Vernachlässigung der Insulinbehandlung kommen.
  • Die psychopathologische Auffälligkeit besteht in einer krankhaften Furcht davor, dick zu werden; die Patientin setzt sich eine scharf definierte Gewichtsgrenze, weit unter dem prämorbiden, vom Arzt als optimal oder "gesund" betrachteten Gewicht.
  • Häufig lässt sich in der Vorgeschichte mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren eine Episode einer Anorexia nervosa nachweisen. Diese frühere Episode kann voll ausgeprägt gewesen sein oder war eine verdeckte Form mit mäßigem Gewichtsverlust und/oder einer vorübergehenden Amenorrhoe.

Epidemiologie und Verlauf

  • Jährliche Inzidenz ca. 0,5 bis 1,0 pro 100.000 Einwohner
  • Lebenszeitprävalenz bei Frauen ca. 0,5 % bis 3 % %, 
  • Lebenszeitprävalenz bei Männern ca. 0,2 %. 
  • Erstmanifestation meist in der Adoleszenz
  • Bei etwa 70 bis 80 % langfristig günstiger Verlauf.