Bulimia nervosa - Krankheitsfolgen

Körperliche Begleiterkrankungen und Folgeschäden

  • Es kommt zu Elektrolytstörungen, insbesondere zu einem Kaliummangel, weil der Körper mit jedem Erbrechen Körpersalze verliert. Der Kaliumverlust kann zu Muskelschwäche und gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen.
  • Durch gewohnheitsmäßiges Erbrechen kommt es zur so genannten Refluxkrankheit: Magensäure und Mageninhalt fließen dabei zurück in die Speiseröhre und führen zu Sodbrennen und ggf. sogar zu Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut. Auch wenn die Patientin nicht mehr erbricht, bleibt der Reflux häufig bestehen.
  • Vergrößerte Speicheldrüsen entstehen, weil bei jedem Brechvorgang zunächst große Mengen von Speichel produziert werden. Die Magensäure erzeugt an den Zähnen Schmelzdefekte.
  • Beim häufigen Missbrauch von Abführmitteln kommt es zu Veränderungen der Darmschleimhaut.
  • Neben Kalium verliert der Körper beim Erbrechen auch Kalzium. Der so entstehende Kalziummangel führt zusammen mit einer gestörten Hormonproduktion sowie der Fehlernährung zu einer Verminderung von Knochensubstanz (Osteoporose).

Psychosoziale Folgen

  • Die Patientinnen schämen sich für ihr gestörtes Essverhalten. Sie entwickeln Schuldgefühle. 
  • Der vergebliche Kampf gegen die Essstörung und die Unfähigkeit, sich aus eigener Kraft aus dem süchtigen Teufelskreis zu lösen, führen zu Selbstwertproblemen. 
  • Viele Bulimikerinnen sind depressiv. Teilweise ist die Bulimie als vergeblicher Versuch der Depressionsbekämpfung zu verstehen, sich nochmalig Glück zuzuführen, die Leere zu stopfen, sich das Fehlende anzueignen. Zum anderen führen aber auch das Bewusstsein eigenen Versagens und die Hoffnungslosigkeit zur Depressivität. In einigen Fällen eignen sich übrigens Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zur Bekämpfung sowohl der Depressivität wie auch des bulimischen Hungers. 
  • Zur Ess-Brech-Sucht gesellen sich oft andere süchtige Verhaltensweisen, vor allem Alkoholmissbrauch, aber auch Drogenund Tablettenmissbrauch. Auch exzessives Rauchen findet sich bei Bulimikerinnen häufig. 
  • Bulimikerinnen entwickeln oft eine Aufspaltung in eine öffentliche Fassadenpersönlichkeit und eine heimliche Suchtpersönlichkeit.
Dichotomie bei der Bulimie nach Habermas (1994)
Öffentlich Heimlich
kontrolliert - unkontrolliert
normal - pervers
enthaltsam - gierig
perfektionistisch - chaotisch
attraktiv - abstoßend
altruistisch - bedürftig
unabhängig - abhängig
freundlich - aggressiv