10. Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein

Mönchengladbach, 10. Oktober 2018

Individualisierte Brustkrebsbehandlung erspart Chemotherapie

Beim 10. Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein informierten sich mehr als 300 Teilnehmer über die neuesten Entwicklungen.

„Studie“, sagt Oberarzt Dr. Oleg Gluz beim Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein, „ist ein hässliches Wort. Aber Studien retten Leben.“ Seit 1970 wurden allein in den USA drei Millionen Lebensjahre durch die Teilnahme an Studien gerettet. Neue Studien, an denen auch das im Ev. Krankenhaus Bethesda der Johanniter angesiedelte Brustzentrum unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Nitz teilgenommen hat, zeigen, dass vielen Brustkrebspatientinnen die gefürchtete Chemotherapie sicher erspart werden kann. Wenn der Subtyp des Tumors genau bestimmt wird. Denn Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs.

„Früher bekamen fast alle Patientinnen die gleiche Therapie“, sagt Oberärztin Raquel von Schumann. Heute dagegen sei die Therapie individualisiert und abhängig vom Typ des Tumors. Es werden vier Subtypen unterschieden, die sich unter anderem durch ihre Hormonempfindlichkeit unterscheiden. Patientinnen mit frühem hormonsensiblen Brustkrebs, das zeigen aktuelle Studien, kann die gefürchtete Chemotherapie erspart werden. Zu welchem Typ der Brustkrebs gehört, kann durch genetische Tests ermittelt werden, bei denen die Aktivitäten von 21 Genen untersucht werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Test allerdings im Allgemeinen nicht. Das Brustzentrum Niederrhein hat aber als eine der wenigen Kliniken in Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, Gentests innerhalb, aber auch außerhalb von Studien zu verschreiben.

Bei einem anderen Tumor-Subtyp kann die Chemotherapie deutlich verringert werden, wenn vor und nach der OP zwei verschiedene Antikörper gegeben werden. Neoadjuvant, also vor der Operation eingesetzt, bewirken die Antikörper ein Abschmelzen des Tumors. Es kann sogar passieren, dass der Tumor verschwindet. Das umgebende Gewebe muss trotzdem operativ entfernt werden. Damit präzise operiert werden kann, wird im Vorfeld ein Clip gesetzt.

Aber auch wenn Chemotherapie eingesetzt werden muss, sind die Nebenwirkungen heute nicht mehr so belastend wie noch vor einigen Jahren. Es gibt Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen vorbeugen. Wenn sie eingenommen werden, haben 9,5 von 10 Patientinnen keine Probleme. Oberärztin Raquel von Schumann hat außerdem noch ein paar kleine Tipps auf Lager. „Viel trinken, an die frische Luft gehen, Bonbons lutschen und nur kleine Mahlzeiten zu sich nehmen“, rät sie den Teilnehmern am 10. Patientinnenkongress. Auch Akupunktur und Akupressur können hilfreich sein, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie abzumildern.

Was kann ich noch tun, war die große Frage an die Komplementärmedizin und den Sporttherapeuten. PD Dr. Freek Baumann, der für die Universität Köln forscht, zeigte eindrücklich wie Sport sowohl Nebenwirkungen der Chemotherapie, als auch Folgen der Krebserkrankung wie chronische Müdigkeit zu bessern vermag. „150 Minuten Sport pro Woche reichen um die Heilungsraten weiter zu erhöhen.“

All diese vielen Mosaiksteinchen haben geholfen „dass die meisten Menschen mit Brustkrebs heutzutage geheilt werden können“ so Prof. Ulrike Nitz. „Auch beim Kongress 2019 im Brustkrebsmonat Oktober wird es wieder viel Neues geben“.