Tierische Verstärkung im therapeutischen Team

Treuenbrietzen, 11. September 2018

Michael Schuchardt mit Luna. Foto: Ina Tessnow

Michael Schuchardt mit Luna. Foto: Ina Tessnow

Die Therapiebegleithündin Luna ist ein neues Element der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen. Seit Juni 2018 ist die Labradordame zweimal wöchentlich in der Klinik im Einsatz. Dort wird der große braune und ruhige Labrador von den Therapeuten in die Begegnung mit einem oder mehreren Patienten begleitet. Ganz unterschiedlich und individuell verlaufen hier die inneren Auseinandersetzungen mit Zuneigung, Interesse, Befürchtungen oder Scheu und die jeweilige Beziehungsaufnahme. Hierbei wird die eigene Resonanz in ihrer Wirksamkeit des Miteinanders konkret erfahrbar. Überraschende Beobachtungen an der eigenen Wirkung und der Reaktion des Gegenübers werden so möglich und in therapeutischen Gesprächen verdeutlicht. 

Hund und Herrchen arbeiten dort sowohl mit Einzelpersonen als auch Patientengruppen. Dabei geht es um viel mehr als mit dem Hund zu spielen und zu kuscheln. Es herrscht eine gelöste und entspannte Atmosphäre und das ist einer der Gründe, warum Luna in der Klinik eingesetzt wird. Sie kann Menschen mit sozialen, kognitiven und motorischen Einschränkungen oder Verhaltensstörungen helfen. „Sie können bei der Bewältigung von Krisen helfen, und das wird gerade in der psychiatrischen Arbeit immer wieder sichtbar.“

In den ca. 45 Minuten pro Besuch nimmt Luna Kontakt zu den Patienten auf, wird von Michael Schuchardt angeleitet und darf das eine oder andere gesunde Leckerchen annehmen. Immer mit dabei ist ein Pflegekraft oder Therapeut der Klinik, um Reaktionen zu erfassen und Veränderungen wahrzunehmen. Der größte Lohn für Hund und Herrchen sind positive Reaktionen, z. B. ein erstes Lächeln oder eine erste Handbewegung nach langer Zeit der Starre. 

Vorbereitend waren eine Menge Formalitäten zu bewältigen. Dazu gehörten veterinärmedizinische Unterlagen zur Gesundheit des Tieres, vor allem im Zusammenhang mit den Anforderungen der Krankenhaushygiene. Impfungen, Parasitenfreiheit und Wesenseignung waren nachzuweisen. Auch Aspekte des Tierschutzes sind einzuhalten. All diese Hürden hat Luna erfolgreich gemeistert. 

Für die Klinikleitung gab es kein langes Überlegen, ob das Konzept „Therapiehund“ in die Praxis überführt wird, und es gab von Anfang an die volle Unterstützung der Krankenhausbetriebsleitung dafür.

Der Einsatz von Luna in der Johanniter-Fachklinik ist vorerst bis zum Jahresende 2018 geplant. 

Über die Therapie- und Rettungshundestaffel 
Michael Schuchardt ist Leiter der Therapie- und Rettungshundestaffel der Johanniter-Unfallhilfe des Regionalverbandes Potsdam-Mittelmark-Fläming. Er bildet seit Februar 2018 ehrenamtlich Hunde für diesen Einsatz aus. 

Luna ist 6 Jahre alt, sein erster Hund und Familienmitglied bei den Schuchardts. Eine enge Mensch-Hund-Bindung ist die wichtigste Grundlage. Dazu kommen die charakterliche Eignung des Tieres und ab einem Alter von 2 Jahren die entsprechende Aus- und Weiterbildung über mindestens 14 Tage. Dazu gehört es auch, kurzzeitig Dinge auszuhalten, die Hunde eigentlich nicht mögen wie z. B. Kopf tätscheln, über das Tier beugen oder Berührungen am Schwanz.

Neben Luna begleitet auch Antonia, die Anfang 2018 die Prüfung erfolgreich bestanden hat, die Einsätze von Herrn Schuchardt. Aktuell sind 2 ausgebildete Teams für die Johanniter im therapeutischen Einsatz. Bis Ende 2018 werden noch 2 weitere Teams die Ausbildung beginnen.

Die Therapiehunde werden im DogCoach-Institut in Berlin ausgebildet. Herr Schuchardt ist im Institut als Dozent tätig und begleitet die Therapie-Begleithundeteams durch die praktische Prüfung.

Regelmäßige Qualifizierungslehrgänge, Supervisionen und der regelmäßige Austausch mit anderen Therapiehundeteams unterstützen die anspruchsvollen und praktischen Einsätze.

Über die Klinik:
Die Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen hat vom Land Brandenburg den Vollver-sorgungsauftrag für die Regionen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark.
60 stationäre Klinikbetten sowie 46 tagesklinische Plätze in Jüterbog, Bad Belzig und Treuenbrietzen stehen für die Patienten zur Verfügung.