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19.01.2021 | Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal

In der zweiten Welle der Corona-Pandemie bestehen

„Zuversicht ist unsere feste Burg“ – Zur Corona-Lage in den Johanniter-Krankenhäusern, zu Testungen und Impfungen

Foto: Dr. Thomas Krössin, Geschäftsführer der Johanniter-Akutkliniken. Foto: Claudia Klupsch

Wie das gesamte Gesundheitssystem mit seiner Krankenversorgung stehen die neun Johanniter-Krankenhäuser in Deutschland mit einem der Standorte in Stendal in der Corona-Pandemie vor enormen Herausforderungen. Hohe Infektionszahlen und ein großes Patientenaufkommen mit schweren Krankheitsverläufen gilt es zu bewältigen. „Die Situation verändert sich täglich. Fortwährend müssen neue Entscheidungen getroffen und alte überdacht werden“, so Dr. Thomas Krössin, Geschäftsführer der Johanniter-Akut-Kliniken und Leiter des Zentralen Krisenstabes der Johanniter GmbH.

Doch, so führt der Geschäftsführer aus, habe sich das Krisenmanagement organisatorisch und klinisch auf eine zweite Welle vorbereiten können. „Über die Sommermonate konnten Reichweiten von vier Wochen für Medikamente, Schutzmasken, für persönliche Ausrüstung etc. aufgebaut werden. Wir haben unsere Intensiv- und Beatmungskapazitäten bereits während der ersten Corona-Welle auf über 330 Plätze erhöht. Um Intensiv-Pflegekräfte zu entlasten bzw. um unseren Pool an Pflegenden auf den Infektionsstationen zu erhöhen, haben wir Pflegende mit Basiskenntnissen in der Intensivpflege qualifiziert.“

Um bei weiterer dramatischer Entwicklung die Kapazitäten ausbauen zu können, kämen Care Intensiv-Einheiten und Telemonitoring in Betracht. Aber: „Bundesweit fehlt den Krankenhausträgern das qualifizierte Personal auf den Intensivstationen, weil Mitarbeiter selbst unter Quarantäne stehen oder sich von den Folgen der Erkrankung – Stichwort Fatigue-Syndrom (Erschöpfung) – erholen müssen. Das ist die eigentliche Dramatik, die uns täglich in ihrer Dynamik einholt. Ärzte und Pflegende, die Menschen in der Verwaltung, in der Technik und in den Küchen - alle arbeiten hochkonzentriert, mit großer Verantwortung und Ernsthaftigkeit. Allen sind wir jeden Tag aufs Neue zu nachhaltigem Dank verpflichtet“, so Dr. Krössin.

Eine ausgearbeitete Teststrategie für Personal und Patienten könne Ansteckungen eindämmen helfen, erklärt der Geschäftsführer weiter. Zudem sei mit Impfungen begonnen worden. „Wir empfehlen unseren Mitarbeitenden die Impfung. Wir streben in unseren Kliniken eine Impfquote von mindestens 80 Prozent an und setzen dabei auf Freiwilligkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeitenden für sich selbst und unsere Patienten.“ Impfskeptikern versichert der promovierte Mediziner: „Ein von der EU zugelassener und vom Robert-Koch-Institut empfohlener Impfstoff ist sicher. Vor der Zulassung durchläuft ein Medikament mehrere Testphasen. An Studien von Biontech/Pfizer haben sich 40.000 Teilnehmer beteiligt, an der Studie für den Moderna-Impfstoff 30.000. Bei dieser Art Impfstoff treten laut ständiger Impfkommission Langzeitschäden äußerst selten auf. Wer sich und andere schützen will, sollte sich impfen lassen.“

Skepsis wegen der überraschenden Schnelligkeit in der Impfstoffentwicklung begegnet Dr. Krössin mit einem Vergleich: „Von der Entdeckung des Penicillins 1928 bis zur industriellen Massenproduktion 1940 dauerte es für einen flächendeckenden Einsatz in Europa bis 1945. Am D-Day 1944 verfügten die Amerikaner bereits über 2,3 Millionen Impfdosen Penicillin, die an der Front zum Einsatz kamen.“ Diese zeitlichen und historischen Zusammenhänge würden den unglaublichen wissenschaftlichen Fortschritt veranschaulichen, den die Entwicklung der neuen Impfstoffe gegen das COVID-19-Virus vom ersten Auftreten im Dezember 2019 bis zur Publikation des neuen Impfstoffs am 09.11.2020 genommen habe. „Innerhalb von 12 Monaten konnte mit einer völlig neuen Technologie ein Impfstoff mit einer Wirksamkeit von über 90 Prozent hergestellt werden. Im Vergleich dazu besitzt ein herkömmlicher Grippeschutz lediglich 60 Prozent. Ob das ein neuer historischer `Robert-Koch-Moment´ am 09.11.2020 war, werden wir in der Nachschau wissen.“

Nachdenklich stimmt den Geschäftsführer, dass eine viel zu geringe Zahl von Impfchargen zur Verfügung stehe und der Impfstoff viel zu spät durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen worden sei. Diese zeitliche Verzögerung werde vielen Menschen das Leben kosten. Wichtig bleibe nach wie vor: Abstand halten, Maske tragen, Hände desinfizieren, Lüften und Kontakte weitestgehend vermeiden. Dr. Krössin: „Es ist noch lange nicht vorbei. Das Virus kennt keine Empathie. Aber Zuversicht ist unsere feste Burg.“

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