nach-gedacht

Auf unseren nach-gedacht Seiten können Sie Ihre Gedanken und geistigen Impulse zu ausgewählten Bibeltexten der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine wiedergeben.

Die Idee zu unserer Rubrik „nach-gedacht“ entstand auf dem Schwesterntag im Jahr 2014 in Nieder-Weisel. Die Idee ist es, den Mitgliedern der Schwesternschaft sowie den Freunden und Förderern eine Plattform zu bieten, in der es nicht um den Austausch pflegerelevanter Informationen oder Fachfragen geht, sondern um die spirituellen Bedürfnisse. Es geht darum ausgesuchte Bibeltexte auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Gedanken dazu niederzulegen

Monatsspruch im Mai

Foto: Monika Eilhardt

„Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen.“ Spr.31,8

Zuerst interessiert mich, wer denn da an wen diesen Appell richtet und ich erfahre: es ist eine Mutter, die ihrem Sohn der König ist, diese eindringlichen Worte zuspricht. Eine kluge Frau, die ihrem machtvollen Sohn diesen Auftrag mit in seine Regentschaft gibt. Sie sagt ihm, er soll Verantwortung übernehmen und er soll Unrecht erkennen. Eine Mutter traut ihrem Sohn etwas zu, sie weiß, er hat die Macht die Stimme zu erheben und sie fordert ihn auf, dies im besten Sinne zu tun, nämlich für die, die nicht sprachfähig sind. Was macht diese Aufforderung mit mir, wo sehe ich die Ähnlichkeit zu meiner Situation? Bin ich mächtig, hört mir jemand zu? Ich denke Ja. Und um mich herum gibt es viele Menschen, die ebenfalls die Macht haben, die Stimme zu erheben. Menschen, die in Führungspositionen arbeiten, Menschen, die sich in Netzwerken organisieren (so wie die Schwesternschaft) und Menschen, die mit einem Sprachgeschick gesegnet sind. Gehen wir verantwortungsvoll mit dieser Macht um? Nutzen wir sie wirklich für die Stummen und die Schwachen oder nutzen wir sie nur um unsere Macht zu mehren? Und weitere Gedanken kommen mir in den Sinn: Was ist, wenn ich zu viel rede? Wenn ich den Stummen und Schwachen unterdrücke und nicht zu Wort kommen lasse? Schwäche ich diese Menschen nicht noch mehr? Zuerst also sollte ich wohl zuhören, auf den Stummen und den Schwachen zugehen, herausfinden, was er braucht, erfahren, was seine Lösung wäre. Erst im nächsten Schritt öffne ich meinen Mund und gleichzeitig suche ich nach Möglichkeiten den Stummen und Schwachen zu stärken, ihn wort- und sprachfähig zu machen. Ich möchte mir für diesen Monat vornehmen meinen Mund zu öffnen und den Mut zu haben für andere Menschen zu sprechen. Und ich möchte Menschen ermutigen sich zu Wort zu melden.

Johanniterschwester Marita Neumann

Ostersonntag - 04. April 2021

Liebe Johanniterschwestern und liebe Interessierte,

wie finden Sie das Bild? Ich trat im Sommer in eine leere Kirche. Draußen war es sehr warm und im Innenraum der Kirche angenehm kühl. Durch die kleinen Kirchenfenster fiel ein wohlig warmer Lichtschein. Mein Herz machte einen Sprung als ich die vielen freundlichen Gesichter der Smilys sah, die alle samt freundlich darauf hinwiesen, dass es Platz für mich gab, mitten unter Ihnen. Alles in gesundem Abstand und dennoch nah und dennoch mit anderen, so konnte man es sich jedenfalls vorstellen. Ja, nicht echt, aber in der Vorstellung eine feine Sache. Glaube in diesen Tagen ist so verletzlich, all der verlässliche Halt in jahrhundertealten Ritualen muss sich dem beugen, was uns so verletzlich macht. Nähe. Gemeinschaft. Verlässlichkeit des Wortes, der Tat. Beugen, ja, beugen muss sie sich die Nähe, aber fort ist das alles nicht, einfach anders. Aber anders ist so unheimlich, keiner weiß ob es gut ist, keiner weiß ob es sich behaupten kann und anders, verstehen wir nicht gleich. Rituale sind wie eine Bank, sie sind die Regel und die Regelmäßigkeit in sich. Nach Ihnen zu handeln heißt sich in bekanntem Rahmen zu bewegen, im Vertrauen auf das ewig Wiederkehrende.

Jetzt fehlt es so, dass Gewohnte, es sehen, es spüren und dennoch ist es da…

Vertrauen hatte Jesus auch, Vertrauen auf den Vater, nicht aber ohne Zweifel an ihm. Er hatte schwer an den Zweifeln um Vertrauen und Liebe zu tragen. Vertrauen trotz Verrat, trotz Schmerz, trotzdem alles so anders war, als man es vermuten durfte. Vertrauen in den Vater, weil seine Liebe unumstößlich und wunderbar ist. So sehr, so tief, dass Schmerz, Trennung und Tod nichts ausrichten konnten, außer dass er sich beugen musste. 
NT: Jesus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Johannes 14,19

Vom Geist der Wahrheit
Nein, ich lasse euch nicht als hilflose Waisen zurück. Ich komme wieder zu euch. 19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein, und niemand wird mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Jesus Glaube an die Liebe Gottes hatte alles überwunden, die Furcht, den Schmerz selbst den Tod. So kann er uns zurufen: Ihr sollt auch leben! In unserem Bekenntnis zu Gott und seiner nicht endenden Liebe für alle, die Zweifler, die Liebenden, die Verlassenen, die die suchen und die die gefunden haben, allen, die im Namen Gottes ein Leben führen und vergeben und vertrauen, mit ihm über den Tod hinaus…

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen Ihre 
Regionalschwester Yvonne Emde 

 

Judika - 21.03.2021  

Foto: Monika Eilhardt

Die Losungstexte sprechen in dieser Woche von der Schöpfung.  Wie passend – rund herum erleben wir gerade, wie die Schöpfung nach ihrem Winterschlaf wieder aufwacht.  Der Johannestext betont Sinn, Gedanken und Bedeutung: „Am Anfang war das Wort…“.  

Ich bin ein Kind meiner Zeit. Die Astrophysik meiner Zeit geht von dem Ursprung der Welt mit dem Urknall aus. Mir gefällt, dass es in Johannes‘ Beschreibung mehr um den Respekt vor der entstandenen Schöpfung geht, eben nicht um den genauen Ablauf der Entwicklung. Ich kann mir also viel mehr darüber Gedanken machen, wie wir die Natur und Schöpfung pflegen und erhalten können. Und dafür gibt es allerdings eine Menge zu tun!

Regionalschwester Gela Spöthe

Latäre - 4. Fastensonntag

Foto: pixabay

„Freuet Euch“ heißt der Name dieses Sonntags (14.03.) in der Passionszeit.  Der Ursprung bezieht sich auf eine Stelle aus Jesajas Prophetenworten, die lautet: „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über sie alle, die ihr sie liebhabt! Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom“ (Jes 66, 10.12).

Den Aufruf, mich zu freuen, kann ich gerne oft mal wieder hören. Ich freue mich gerne! Und es gibt bei genauerer Betrachtung immer wieder viele Dinge und gute Gründe, sich über etwas zu freuen. Das gute Wetter, die ersten Frühlingsknospen und Blüten, ein Lächeln von Menschen, die mir begegnen, eine schnurrende Katze …  und noch vieles mehr.

Über was freuen Sie sich gerne? Und über was haben Sie sich heute schon gefreut? Bestimmt fällt Ihnen auch spontan etwas dazu ein.

Regionalschwester Gela Spöthe

Okuli

Foto: Christine König

Der Name dieses ersten Sonntags im März „Okuli“  bedeutet soviel wie „Augen“  und bezieht sich ursprünglich auf „meine Augen richte ich immer auf den Herrn“ (in Ps. 25,15).

In der Mitte der Fastenzeit soll uns dieser Sonntag vielleicht daran erinnern, auf wen wir vertrauen dürfen. Angesichts der Fastenzeit wird darunter auch verstanden, dass man sich der Nachfolge Jesu bewusster wird und gleichzeitig von Annehmlichkeiten und Gütern einmal Abstand nimmt.

Fasten in Coronazeiten? Wir verzichten derzeit auf Vieles, was uns sonst selbstverständlich war. Auf Einkaufen von neuen Gütern und Reichtümern zu verzichten, ist dabei die geringste Übung. Es gibt noch andere Verzichtübungen, die Menschen während der Fastenzeit leisten. Das kann für einige der Verzicht auf Alkohol, Rauchen oder Süßigkeiten sein, für andere die bewusste Reduktion von klimaschädlichen Verhaltensweisen.

Die Entscheidung, von was ich mich beim Fasten mal bewusst zurückhalten will, ist individuell. Eine besondere Erfahrung kann es werden, wenn mir bewusst wird, dass ein bestimmter Verzicht mir schwer oder leicht fällt und ich vielleicht sogar dauerhaft auf etwas verzichten kann.

Regionalschwester Gela Spöthe

Monatsspruch zum 01. März 2021

Foto: Gela Spöthe

Jesus antwortete:

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. LK 19,40

Diesen Spruch aus Lukas 19,40 lasse ich so stehen und biete „das Gebet des Herrn“ an.

Das Vater unser gibt uns Zuversicht und Trost in allen Lebenslagen:

„Vater unser im Himmel,geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Regionalschwester Gabriele Beyer-Bauer

 

Reminiszere - 2. Sonntag in der Passionszeit

Das Vertrauen ist das Fundament des Lebens. Ein Leben ohne Vertrauen ist unvorstellbar; es wäre beschädigt. Sei es im großen Geschäft der Politik oder im kleinen überschaubaren Lebensbereich des Miteinanders im Beruf und in der Familie. Und wer will leugnen, dass gerade jetzt in der Zeit der Pandemie die Bereitschaft vertrauen zu wollen, besonders gefordert ist. Da heißt es, einen langen Atem behalten; nicht müde werden. Besonders wichtig scheint, sich jetzt nicht der Angst hinzugeben, sondern geduldig den Blick nach vorne wagen. Denn das Gegenwort zu Glauben, zu Vertrauen, ist nicht Misstrauen, sondern Angst.

Vertrauen ist die Grundhaltung dem Leben gegenüber. Hoffnung und Liebe wachsen aus dieser hervor. Gerade wir als Johanniter begegnen Menschen, unseren „Herren Kranken“, denen das Leben z.B. durch eine schwere Krankheit übel mitspielt. In solchen Momenten fällt es schwer, diese Grundhaltung sich zu bewahren. Da wird es schwer mit der Ermutigung, dem Leben weiter zu vertrauen. Der Philosoph Josef Pieper hat darauf verwiesen, dass nur dann von Vertrauen gesprochen werden kann, wenn durch all die Erfahrung der Enttäuschungen hindurch dennoch, ohne Wenn und Aber, vertraut, geglaubt wird. Wie soll das gehen? Ist das nicht eine Zumutung?  Ja, es ist eine! Glauben ist eben nichts für Feiglinge.

Der 2. Sonntag in der der Passionszeit heißt: Reminiszere: Denk daran: Vergiss nicht. Wir sollen uns daran erinnern lassen, dass wir auf unseren Weg durch die Zeit Gott an unserer Seite wissen dürfen, auch wenn wir durch manches finstere Tal der Angst, Sorge und Not wandern müssen. Und so heißt es in der Losung:“ So fürchte dich nun nicht mehr, denn ich bin bei dir.“ (Jes. 43,5) Mit diesen Worten macht der Prophet Jesaja, im Auftrag Gottes, seinem Volk Mut, angesichts der Lebenswirklichkeit, der Gefangenschaft und ohne Perspektive, die alles in Frage zu stellen scheint, dem Leben zu vertrauen. Und das heißt: Gott ist mitten in Deinem Leben. Er erhält nicht nur dein Leben, er hält Dich im Leben. So wächst aus der Urkraft des Vertrauens Leben. Wir mögen dann von allen Seiten bedrängt und verfolgt werden, wie es bei „Kor4,8f. heißt, aber wir werden letztlich bewahrt durch Gottes Zusage und Gegenwart.

Reminiszere: Gedenke; lass dich daran erinnern, dass Du dem Leben vertrauen darfst angesichts der Unsicherheiten des Lebens. Oder wie hat es Carl-Friedrich von Weizsäcker ermutigend ausgesprochen: „Die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern Gott.“

Fördermitglied Bernd Kollmetz
Seelsorger in den Johanniter-Ordenshäusern Bad Oeynhausen

 

Invokavit - 1. Sonntag der Passionszeit

Foto: Gela Spöthe

AT: Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Psalm 102,26
NT: Jesus Christus wird euch auch fest machen bis ans Ende. 1. Korinther 1,8

Die beiden Texte des Alten und des Neuen Testaments drücken in meinen Augen Zusagen aus, die uns in unruhigen und ungewissen Zeiten durchaus gut tun können. Der Boden ist sicher, der Boden ist fest gegründet, erleichtert Standfestigkeit und Bodenhaftung.

Das ist besonders nötig, wenn gerade der Boden „schwimmt“, weil zu viele Patienten gleichzeitig in die Intensivstation kommen und die Pflegenden selbst unter Quarantäne und Personalausfällen zu leiden haben. Man muss kurzfristig die Schichten besetzen und Patienten in kritischen Situationen verantwortungsvoll betreuen. Dafür braucht man ständige Konzentration und Aufmerksamkeit, Gründlichkeit und mehr Zeit als sonst für Isolation und Hygieneschutzmaßnahmen. Manche geraten an den Rand der Erschöpfung. Es kostet Energie, sich immer wieder aufzuraffen, Mut und neue Kraft für den nächsten Tag, den nächsten Dienst, den nächsten Einsatz zu schöpfen.

„fest machen“ kann andererseits nicht bedeuten, sich abzustumpfen oder abzuhärten. Gemeint ist vielmehr die persönliche Stabilität, in der Komplexität des Alltags beide Beine sicher auf dem Boden zu haben, einen kühlen Kopf, Mut und Zuversicht zu behalten. Diese Zusage wünsche ich allen Mitschwestern, die zurzeit im „Dienst an den Herren Kranken“ aktiv sind.

Regionalschwester
Gela Spöthe

 

Monatsspruch Februar

Foto: Gela Spöthe

„Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. 
  Lukas 10,20

Der Monatsspruch erinnert uns an einen zentralen Punkt christlichen Glaubens. Die Freude, die zum Leben gehört, ist ein Geschenk, eine Frucht des Glaubens. Es ist gut, dass der Grund zur Freude, im Himmel zu finden ist.

Der Monatsspruch ist ein Vers aus einer Geschichte, in der Jesus 72 Jünger je zu zweit ausgeschickt hat. Ohne große Vorbereitung, ohne irgendwelchen Besitz sollen sie Gewaltiges vollbringen:

Kranke heilen, den Frieden Gottes zu den Menschen bringen. Und diese Menschen, die in ihrem bisherigen Leben alle etwas anderes getan haben, kommen zurück und haben Gewaltiges bewegt. Sie haben nicht nur Kranke geheilt, sondern auch Geister und Dämonen ausgetrieben. Die 72 kommen voll Freude zurück, Grund haben sie genug.

Und Jesus sagt zu den jubelnden, fröhlichen Jüngern: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Der Grund unserer Lebensfreude liegt nicht in dem Großartigen, was wir in der Welt vielleicht zu Stande bringen, er liegt immer schon verborgen in uns selbst. Ein jeder von uns ist einmalig und unverwechselbar. Und es ist geradezu ein Kennzeichen Gottes, dass er einen jeden von uns mit Namen kennt. Unser Name kann nicht vergessen werden, denn wir sind - um es biblisch zu sagen – eingeschrieben im Buch des Lebens. Das ist eine Würde und die kann uns niemand nehmen.

Oberin Gabriele Beyer-Bauer

 

1. Sonntag im Januar

AT: Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen. Jesaja 58,10
NT: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Das neue Jahr hat gerade angefangen. Wir stecken noch mitten in der Corona-Pandemie, die es in diesem Jahr zu bewältigen gilt. Das Virus hat sich erheblich ausgebreitet, so dass wir in den Kliniken und auf den Stationen deutlich die Belastungsgrenzen spüren. Die ersten Impfungen sind gerade erst angelaufen. Die Unsicherheit ist noch weit verbreitet, Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen werden gestellt. Die Menschen überlegen, ob sie sich impfen lassen wollen und wann sie dazu eingeladen werden. 

Auch einige Pflegende überlegen noch. Als berufstätige Pflegende haben wir eine Priorität in der Impfstrategie und sollten diese nutzen. Wir schützen uns gleichzeitig auch unsere Familien, schützen die uns anvertrauten Menschen und haben in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion. In dieser Pandemie haben wir es sehr nötig, dass es lichter wird am Ende des Tunnels – dass SEIN Licht aufgehe in der Finsternis. Licht am Ende der Dunkelheit – das wünsche ich uns allen in diesem Jahr.

Regionalschwester Gela Spöthe

 

Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!“(Lukas 6.36)
Barmherzig, welch ein großes Wort. Hört man es, so denkt man unweigerlich an sehr bekannte Gebete und Gesänge.

Aus dem Lateinischen übersetzt, kommt das Wort „Barmherzig“ von „misericors“.  „Miser“ = arm (sein) und „Cordis“ = Herz „Ein Herz für die Armen haben“

Wir werden also über die Jahreslosung aufgefordert, so wie unser Vater ein Herz für die Armen zu haben. Dabei denken wir schnell an Spenden für die vielseitigsten Projekte in dieser krisengeschüttelten Zeit, aber das klingt doch zu einfach, oder? Viel interessanter ist es doch einmal darüber nachzudenken woran man, arm sein kann. Beginnt man das in einer Aufzählung, so wird schnell klar, wie unendlich arm wir sein können. Arm an aufrichtiger Liebe, arm an mangelndem Interesse für Probleme, arm an Hoffnung, arm an Trost, arm an normalen Gesprächen und arm an Glauben, arm an Mitgefühl, arm an sozialem Netzwerk, arm an Ideen, arm an Weitblick… die Liste könnte unendlich lang werden.

Aber machen wir uns diese Punkte im Einzelnen einmal deutlich, dann tragen sie im Verborgenen eine Botschaft, sie weisen hin auf die Lösung und die liegt bei uns Menschen, bei uns Christen! In unser aller Barmherzigkeit lässt sich das Herz eines einsamen Menschen doch berühren, ein Gespräch führen und eine Idee gemeinsam entwickeln. Der Impuls ist nicht das Verharren auf Barmherzigkeit durch Gott, nein es ist unser aller Streben, die Barmherzigkeit zu leben, so wie Gott es vorlebt. Kein Verurteilen, kein Ende der Liebe, keine Vorgabe zur Lebensbewältigung, freier Wille, eigene Verantwortung und das ständige Streben nach bewusster Nächstenliebe. Schau Dich um und sei barmherzig mit den Armen, öffne Dein Herz auch für das was unabänderlich erscheint, denn Du bist nicht allein und auf Gottes Spuren…!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, für dieses neue Jahr ein zartes Gespür für die Armut dieser Zeit, die im Getöse des momentanen Geschehens nur durch unsere offenen Herzen gesehen werden kann.

Ihre Regionalschwester Yvonne Emde