nach-gedacht

Auf unseren nach-gedacht Seiten können Sie Ihre Gedanken und geistigen Impulse zu ausgewählten Bibeltexten der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine wiedergeben.

Die Idee zu unserer Rubrik „nach-gedacht“ entstand auf dem Schwesterntag im Jahr 2014 in Nieder-Weisel. Die Idee ist es, den Mitgliedern der Schwesternschaft sowie den Freunden und Förderern eine Plattform zu bieten, in der es nicht um den Austausch pflegerelevanter Informationen oder Fachfragen geht, sondern um die spirituellen Bedürfnisse. Es geht darum ausgesuchte Bibeltexte auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Gedanken dazu niederzulegen

1. Sonntag im Januar

AT: Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen. Jesaja 58,10
NT: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Das neue Jahr hat gerade angefangen. Wir stecken noch mitten in der Corona-Pandemie, die es in diesem Jahr zu bewältigen gilt. Das Virus hat sich erheblich ausgebreitet, so dass wir in den Kliniken und auf den Stationen deutlich die Belastungsgrenzen spüren. Die ersten Impfungen sind gerade erst angelaufen. Die Unsicherheit ist noch weit verbreitet, Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen werden gestellt. Die Menschen überlegen, ob sie sich impfen lassen wollen und wann sie dazu eingeladen werden. 

Auch einige Pflegende überlegen noch. Als berufstätige Pflegende haben wir eine Priorität in der Impfstrategie und sollten diese nutzen. Wir schützen uns gleichzeitig auch unsere Familien, schützen die uns anvertrauten Menschen und haben in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion. In dieser Pandemie haben wir es sehr nötig, dass es lichter wird am Ende des Tunnels – dass SEIN Licht aufgehe in der Finsternis. Licht am Ende der Dunkelheit – das wünsche ich uns allen in diesem Jahr.

Regionalschwester Gela Spöthe

 

Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6.36) Barmherzig, welch ein großes Wort. Hört man es, so denkt man unweigerlich an sehr bekannte Gebete und Gesänge.

Aus dem Lateinischen übersetzt, kommt das Wort „Barmherzig“ von „misericors“.  „Miser“ = arm (sein) und „Cordis“ = Herz „Ein Herz für die Armen haben“

Wir werden also über die Jahreslosung aufgefordert, so wie unser Vater ein Herz für die Armen zu haben. Dabei denken wir schnell an Spenden für die vielseitigsten Projekte in dieser krisengeschüttelten Zeit, aber das klingt doch zu einfach, oder? Viel interessanter ist es doch einmal darüber nachzudenken woran man, arm sein kann. Beginnt man das in einer Aufzählung, so wird schnell klar, wie unendlich arm wir sein können. Arm an aufrichtiger Liebe, arm an mangelndem Interesse für Probleme, arm an Hoffnung, arm an Trost, arm an normalen Gesprächen und arm an Glauben, arm an Mitgefühl, arm an sozialem Netzwerk, arm an Ideen, arm an Weitblick… die Liste könnte unendlich lang werden.

Aber machen wir uns diese Punkte im Einzelnen einmal deutlich, dann tragen sie im Verborgenen eine Botschaft, sie weisen hin auf die Lösung und die liegt bei uns Menschen, bei uns Christen! In unser aller Barmherzigkeit lässt sich das Herz eines einsamen Menschen doch berühren, ein Gespräch führen und eine Idee gemeinsam entwickeln. Der Impuls ist nicht das Verharren auf Barmherzigkeit durch Gott, nein es ist unser aller Streben, die Barmherzigkeit zu leben, so wie Gott es vorlebt. Kein Verurteilen, kein Ende der Liebe, keine Vorgabe zur Lebensbewältigung, freier Wille, eigene Verantwortung und das ständige Streben nach bewusster Nächstenliebe. Schau Dich um und sei barmherzig mit den Armen, öffne Dein Herz auch für das was unabänderlich erscheint, denn Du bist nicht allein und auf Gottes Spuren…!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, für dieses neue Jahr ein zartes Gespür für die Armut dieser Zeit, die im Getöse des momentanen Geschehens nur durch unsere offenen Herzen gesehen werden kann.

Ihre Regionalschwester Yvonne Emde