Ausbildung von Hebammen für sichere Geburten

Berlin / Kabul, 13. Februar 2018

Im Jahr 2012 begannen die Johanniter mit der Unterstützung eines Ausbildungsprogramms für Hebammen in der afghanischen Provinz Balkh, um die alarmierende Mutter-Kind-Sterblichkeit im Land zu reduzieren. Anfang 2018 startete der dritte Ausbildungszyklus in der Provinz Takhar, um 30 Hebammen anzulernen, die in Zukunft in ihren ländlichen Gemeinden sichere Geburten durchführen sollen.

Mutter zu werden ist immer mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Doch in Afghanistan ist das Risiko während der Schwangerschaft und Geburt zu sterben um ein vielfaches höher. Noch vor wenigen Jahren starb dort laut UNICEF alle zwei Stunden eine afghanische Frau während der Schwangerschaft, da die Gesundheitsversorgung vielerorts nicht funktionierte. Zumindest bisher, denn einiges hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren getan.

1000 Hebammen für bessere Mutter-Kind-Gesundheit

Das afghanische Gesundheitsministerium startete ein Programm zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt standen schwangere Frauen und Neugeborene. Das erklärte Ziel: 1000 Hebammen sollten ausgebildet werden, um gesundheitsrelevante Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehören unter anderem die Früherkennung von Komplikationen bei der Schwangerschaft, die Einhaltung und Umsetzung von Hygienestandards, die Förderung des Stillens und die Unterstützung bei einer Familienplanung. Seit 2012 unterstützen wir, gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation AADA (Assistance and Development of Afghanistan) diese Initiative. Im Jahr 2013 wurde im Rahmen dieser Arbeit auch eine Mutter-Kind-Klinik nahe Kabul eingeweiht.

Bis Anfang 2017 konnten insgesamt bereits 93 Hebammen ausgebildet werden, die alle aus abgelegenen Dörfern der nördlichen Provinz Balkh stammten. Wie Masooda, die im Gesundheitszentrum von Balkh als Hebamme angestellt ist: „Seitdem ich hier arbeite, kommen mehr Patienten in das Krankenhaus. Ich fühle mich durch meine neuen Fähigkeiten selbstbewusster und gestärkt, wofür mir meine Kollegen Respekt zollen. Auch wegen der zusätzlichen Aufgaben, die mir anvertraut werden“, berichtet Masooda stolz. Sie arbeitet auch nach Feierabend oft in ihrer Nachbarschaft als Hebamme und hilft so ihren Mitmenschen.

Auch Negina hatte 2014 die Hebammenausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem in einer Gesundheitsstation. Sie hat bereits über 740 Müttern bei der Geburt beigestanden. Gefragt nach ihrer Motivation, sich für eine Hebammenausbildung zu entscheiden, antwortete sie: „Eine meiner Verwandten starb bei der Geburt ihres Kindes und das war für mich der ausschlaggebende Punkt, mich für die Hebammenausbildung zu bewerben.“

Ich hoffe, dass ich durch meine Ausbildung zukünftig verhindern kann, dass die Frauen aus meinem Dorf während der Geburt sterben.
Negina

Ausweitung der Hebammenausbildung auf Provinz Takhar

Das Engagement auf nationaler Ebene der letzten Jahre hat Wirkung gezeigt: Lag die Müttersterblichkeit bei Lebendgeburten 2002 noch bei 1600 pro 100.000 Lebendgeburten, sank diese Rate bis 2014 auf 327. Mit unserer fortlaufenden Hebammenausbildung bilden wir weiter Frauen aus verschiedenen ländlichen Regionen aus Dadurch schaffen wir es in immer mehr Regionen, das eine Schwangerschaft und Geburt nicht tödlich endet.

Die Auslandshilfe in Afghanistan
Gesundheitsmitarbeiterinnen in Afghanistan

Die Auslandshilfe in Afghanistan

In Afghanistan unterstützen wir Binnenvertriebene und Geflüchtete im Gesundheitsbereich und fördern den adäquaten Zugang zu Trinkwasser sowie sanitären Anlagen. Mit der Ausbildung von Hebammen tragen wir zur Verringerung der Müttersterblichkeit bei.

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