Für eine tragfähige Gesundheitsversorgung in Nord-Kivu

Berlin / Goma, 24. Oktober 2019

Bereits seit über 20 Jahren unterstützen wir die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo im Gesundheitsbereich. Mit unseren Gesundheitsstationen ermöglichen wir zehntausenden Menschen eine medizinische Versorgung. Zusätzlich klären wir sie darüber auf, wie sie sich vor Krankheiten oder Pandemien wie Ebola schützen können. Ein psychologisches Team hilft seit einigen Jahren darüber hinaus Frauen und Mädchen, die sexuell missbraucht wurden. Der Fotograf Lambert Coleman hat die Menschen vor Ort besucht und gibt uns Einblicke in ihre Leben.

Kamanzi Bihira, 64, unterstützt die Johanniter ehrenamtlich bei der Aufklärung über das tödliche Ebola-Virus

Kamanzi Bihira im Gesundheitszentrum Mpanamo

"Die meisten Menschen sind noch nicht von der Existenz von Ebola überzeugt, weil sie noch keinen Fall gesehen haben. Sie sind aber in der Lage, ihre Gewohnheiten zu ändern", sagt Kamanzi Bihira. Der 64-jährige Landwirt ist Vertreter seiner Gemeinde und kam einen Tag zuvor ins Gesundheitszentrum von Mpanamo, da er an Bauchschmerzen litt. Als Gemeindegesundheitshelfer unterstützte er uns in der Vergangenheit darin, mehr Wissen über Impfungen und Unterernährung zu verbreiten. Er lebte sein ganzes Leben im Dorf Mpanamo. Als das Gesundheitszentrum dort eröffnete, schlug er vor, als Helfer mitzuarbeiten. Seit dem Ebola-Ausbruch klärt er die Menschen in seinem Dorf über die gefährliche Viruskrankheit auf. Er erzählt, dass einige Leute nicht einmal wüssten, was ein Virus ist. Kamanzi hörte erstmals von Ebola im Radio und möchte seitdem darüber aufklären, da es die ganze Familie umbringen kann, wenn man sich nicht richtig verhält. "Wenn eine Person von Ebola betroffen ist, kann die Familie ihn im Stich und ihn sterben lassen", erklärt er nüchtern.

Theophiler Jamie Lukoo, ausbildender Krankenpfleger im Kibabi Gesundheitszentrum

Theophiler Jamie Lukoo im Gesundheitszentrum Kibabi

"Die Helfer sollen die Bevölkerung zu allen gesundheitsrelevanten Herausforderungen sensibilisieren. Seit dem Ausbruch machen sie die Bevölkerung auch auf Ebola aufmerksam", sagt Theophiler Jamie Lukoo. Er ist 35 Jahre alt und arbeitet als Krankenpfleger mit 68 Gesundheitshelfenden zusammen, welche von der Bevölkerung zuvor ausgewählt wurden. Kandidatinnen und Kandidaten müssen laut Lukoo eine "gute Moral haben, schreiben und lesen können und in guter körperlicher Verfassung sein." Die Helfenden sollen die Bevölkerung zu allen herausfordernden Themen wie Impfungen, Unterernährung oder Risiken bei Hausgeburten sensibilisieren. In Bezug auf Ebola erfahren die Menschen, dass sie sich ihre Hände häufig waschen müssen. Außerdem sollen sie Hände schütteln vermeiden und körperlichen Kontakt reduzieren. "Die Bewohner beginnen zu verstehen, dass es einen Weg gibt, Ebola zu verhindern", sagt Lukoo.

Nchuti Mediatrice, 35, hat im Gesundheitszentrum Kilolirwe ihr Kind zur Welt gebracht

Nchuti Mediatrice mit ihrem Neugeborenen im Gesundheitszentrum Kilolirwe

Das Gesundheitszentrum Kilolirwe steht den 8.828  in der Umgebung lebenden Menschen zur Verfügung. Nchuti Mediatrice hat dort ihr siebtes Kind zur Welt gebracht. Sie ist 35 Jahre alt. Ihr Kind hat noch keinen Namen, weil der Vater noch nicht im Gesundheitszentrum angekommen ist. Nchuti Mediatrice ist Landwirtin und lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Für die Geburt in der Station muss sie umgerechnet 5 US-Dollar als Eigenbeitrag zahlen, wohingegen sie früher nur 60 Cent entrichtete. Trotz der Unterstützung durch unsere Projekte sind die Zentren weiterhin in öffentlicher Hand. Aus diesem Grund arbeiten wir daran mit, eine Krankenversicherung einzuführen. Diese soll dazu beitragen, das Gesundheitssystem finanziell tragfähig zu gestalten und allen Menschen den Zugang zu ermöglichen. Durch die erhöhten Tarife sind die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, viele können sich die Beiträge nicht mehr leisten.

Sifa Furaha, 27 Jahre, wurde vergewaltigt

Sifa Furah in ihrer Küche

Sifa Furaha lebt von dem Verkauf von Bohnen. Sie kommt aus dem Ort Bihambwe, ist verheiratet und hat sechs Kinder. 2017 ging sie auf ein Feld rund fünf Kilometer von ihrem Zuhause entfernt, um Milch zu kaufen. Dort wurde sie von zwei Hirten überwältigt und vergewaltigt. Sie kam sofort ins Gesundheitszentrum, nachdem sie von einigen Gesundheitshelfern beraten wurde. Als sie ankam, habe sie sich wie jemand anderes gefühlt, berichtet Sifa. Ihr Mann wisse bis heute nicht, was damals passiert sei. Sie schämt sich, es ihm zu sagen. Sifa erhielt medizinische und psychologische Hilfe. Anschließend bekam sie Saatgut, um ihr eigenes Geschäft zu gründen und Selbstvertrauen zurück zu gewinnen. Dennauch ihr Geld wurde bei der Vergewaltigung gestohlen. Die zusätzliche Unterstützung erlaubt ihr nun einen wirtschaftlichen Neuanfang.

Durch ihre Erfahrungen konnte sie nun bereits drei Frauen aus ihrer Gemeinde helfen, die ebenfalls vergewaltigt wurden. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, da sie nicht sterben werden", sagt Sifa. Tausende Frauen, Mädchen und Jungen werden jedes Jahr Opfer von sexueller Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo. Vergewaltigungen werden im bewaffneten Konflikt als Waffe eingesetzt und es herrscht weitgehende Straflosigkeit, weshalb Täter selten Konsequenzen zu befürchten haben.

Die Auslandshilfe in der Demokratischen Republik Kongo
Krankenschwester in Gesundheitsstation in Nord-Kivu berührt lächelnd ein junges Kind auf dem Rücken der Mutter

Die Auslandshilfe in der Demokratischen Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo unterstützen wir ländliche Gesundheitszentren in der Provinz Nord-Kivu, um die Basisgesundheitsversorgung zu verbessern.

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