Integrale Hilfe gegen Unterernährung

Berlin / Phnom Penh, 29. September 2017

Effizientere und integrale Landwirtschaft, Schutz der Natur und der Ressourcen, Einkommensverbesserungen für Frauen und gesündere Ernährungsgewohnheiten: Die Johanniter stärken 45.000 Menschen in zwei Provinzen im Nordosten Kambodschas darin widerstandsfähiger gegen die Klimaerwärmung und drohende Armut zu sein. 

Der wirtschaftliche Aufschwung Kambodschas in den letzten Jahren hat seine Gewinner und Verlierer: in den Städten führte er zu einer deutlichen Verringerung der Armut. Doch dort wohnt und arbeitet nur jeder Fünfte. Die große Mehrheit lebt auf dem Land, wo der Aufschwung statt besserer Lebensbedingungen vor allem Probleme geschaffen hat. In abgelegenen Regionen im Nordosten des Landes verlieren die Menschen zusehends ihre natürlichen Ressourcen. Illegale Abholzung und industrielle Fischerei in den Flüssen, die häufig unter Einsatz von Chemikalien stattfindet, zerstören ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch den Klimawandel mit einhergehenden Überschwemmungen, Dürren und Stürmen. Die traditionelle Landwirtschaft gerät durch Billigimporte und Massenproduktion wirtschaftlich ins Hintertreffen. Düstere Aussichten für viele ländliche Gemeinden, in denen jeder siebte Mensch als unterernährt gilt.

Integrale Landwirtschaft zur Stärkung der Gemeinden

Gemeinsam mit unserer lokalen Partnerorganisation Save Cambodia´s Wildlife (SCW) stärken wir Familien in 38 Gemeinden der nordöstlichen Provinzen Kratie und Stung Treng. Dazu gehören Schulungen in verbesserter Agrartechnik, um die Erträge im Reisanbau um 15 Prozent zu steigern. Knapp 4000 Familien sind in die Maßnahmen involviert. Angewendet wird hier die Anbaumethode des System Rice Intensification (SRI), die auch zusammen mit unserer Partnerorganisation Khmer Community Development in anderen Regionen Anklang findet. Reis wird dabei in größeren Abständen gepflanzt, was die einzelnen Pflanzen stärkt und dem Boden weniger Nährstoffe entzieht. 

Jugendlicher jätet das Unkraut im Reisfeld seiner Familie.

Der Anbau von Nutzpflanzen soll vielfältiger werden, wofür zunächst Modellfarmen bei einigen Landwirten eingerichtet werden. Diese haben eine Vorbildfunktion für andere  150 Familien, die kein eigenes Land besitzen, werden beim Anlegen von Hausgärten begleitet, um so die Eigenversorgung mit Gemüse zu ermöglichen und die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Denn vielfach führt eine einseitige Ernährung und die falsche Zubereitung von Nahrungsmitteln zu Mangelernährung. Schulungen und Kochkurse zum Umgang mit den Produkten und die Vermittlung von Hygieneregeln tragen zu einer gesünderen Ernährung bei.

Förderung der eigenen Produktvermarktung

Außerdem werden Familien bei der Einkommensverbesserung und 460 Frauen bei der Unternehmensgründung unterstützt. „Soziales Unternehmertum ist wichtig, damit Basisorganisationen und Gemeinden auf eigenen Beinen stehen können“, erklärt TEP Boonny, Direktor von SCW. „Die Prüfung der Nachfrage auf dem Markt und die Herstellung geeigneter lokaler Produkte bedingen sich gegenseitig, um langfristig bestehen zu können. Reine Wohltätigkeit bringt die Menschen hier nicht weiter.“

Kinder-Öko-Clubs und Einsatz erneuerbarer Energien

Eine Frau mit einer Biogasanlage

Schulkinder und Lehrkräfte engagieren sich in 38 Öko-Clubs, um über Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung zu sprechen und gemeinsame Kampagnen zur besseren Müllentsorgung durchzuführen. Erstmals werden zu Demonstrationszwecken in fünf Dörfern zehn Biogasanlagen installiert, um der Bevölkerung die Nutzung erneuerbarer Energien näherzubringen. Mit der Technologie können die Familien selbst erzeugtes Gas aus organischen Haushaltsabfällen produzieren und dieses zum Kochen verwenden. Das spart Zeit, Geld und Strom und schont die Umwelt, ebenso wie 38 stromsparende Solarpumpen zur Bewässerung der Gärten.

Wir wollen mit unseren Aktivitäten erreichen, dass die Kapazitäten und die Widerstandskraft der Kleinbauern gestärkt werden. Denn der Klimawandel hat zunehmend spürbare Folgen auf die Nahrungsmittelproduktion.
Claudia Zehl, zuständige Fachbereichsleiterin der Johanniter

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