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Das Wappenbuch der Baden.-Württ Kommende

Buchbesprechung


Das Wappenbuch des Johanniterordens in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Baden-Württembergischen Kommende des Johanniterordens. Bearbeitet von Christian Raap und Heinz Renz. Stuttgart 2013. € 50,- (zu beziehen bei RK Curt-Ekkehard Freiherr Schenck zu Schweinsberg, 71638 Ludwigsburg, Jägerhofallee 100)

Wappenbücher haben in Mitteleuropa eine jahrhundertelange Tradition, die auch im Johanniterorden einst sehr gepflegt wurde. Darauf wurde zum Beispiel in JOBW 129 (2014), S. 37 f., deutlich hingewiesen.

Um das Urteil über das hier anzuzeigende Werk vorweg zu nehmen: Es liegt ein gutes, gediegenes und überzeugendes neues Wappenbuch vor, auf das die Baden-Württembergische Kommende und ihre Ritter stolz sein können! Anlass zur Veröffentlichung dieser Sammlung in Form eines leicht zu ergänzenden Ringbuchs war der 60. Geburtstag der Wappenrolle, die unter Kommendator Rudolf v. Bünau und auf Betreiben von Ehrenkommendator Wilhelm Volrad v. Rauchhaupt im Februar 1953 gegründet wurde. Seither werden Wappen von Johannitern der Baden-Württembergischen Kommende in dieser Zeitschrift veröffentlicht, leider jeweils nur im Schwarz-Weiß-Druck. Dieser kleine und nur zu gut zu begründende Mangel wird mit dem hier vorliegenden Sammelwerk beseitigt, das alle Wappen ausnahmslos und dankenswerter Weise in Farbe zeigt!

Das Wappenbuch ist übersichtlich gegliedert. In Teil A finden wir die Wappenblätter mit den Wappen unserer Herrenmeister Prinzen Oskar d. Ä., Wilhelm-Karl und Oskar d. J. von Preußen, in B die der Regierenden Kommendatoren der Kommende, in C die von deren Ehrenkommendatoren, in D, dem bei weitem umfangreichsten Teil, die der Rechts- und Ehrenritter der Kommende in alphabetischer Ordnung – sonst wurde die chronologische Reihung gewählt – sowie schließlich in Teil E die der Wappenkünstler, die die Wappenrolle betreuten. – Vorangestellt wurde ein Geleitwort des Regierenden Kommendators, Curt-Ekkehard Freiherrn Schenck zu Schweinsberg, sowie wichtige und grundsätzliche Ausführungen über Familienwappen des Heraldikers Walter Freier, auf den noch einmal kurz einzugehen sein wird, sowie lesenswerte Bemerkungen aus der Feder von RR Diethelm Lütze zu Geschichte und Aufbau des Wappenbuchs. Hier erfahren wir auch, dass die damalige Württembergisch-Badensche Genossenschaft schon kurz nach ihrer Gründung 1858 wohl in Anlehnung an den Brauch des Gesamtordens mit der großen Wappensammlung in Kirche und Schloss zu Sonnenburg in der Neumark begann, Wappen ihrer Ritter zu sammeln, die zunächst im Ritterzimmer des Johanniterkrankenhauses in Plochingen aufgehängt wurden und nach einer Zwischenstation im Schloss Weikersheim (1929 bis 1969) im Roten Schloss der Freiherren v. Berlichingen in Jagsthausen sowie im Johannitermuseum in Krautheim a. d. Jagst zu besichtigen sind. Wichtig ist Lützes Hinweis auf die schwarz-weißen Erstabdrucke der Wappen in dieser Zeitschrift der Kommende, weil dort auch kurze familiengeschichtliche Abrisse und die exakten Wappenbeschreibungen – Blasonierungen – nachgelesen werden können. Auch in dem vorliegenden Wappenbuch wird  bei jedem betroffenen Wappen auf diese Erstdrucke verwiesen, was nützlich und wichtig ist.

Auf jeder Seite der Sammlung sind in Farbe zwei Wappen abgedruckt. Obwohl die Vorlagen von verschiedenen fachlich stets gut ausgewiesenen Wappenmalern gefertigt wurden, wirkt der Stil recht einheitlich. Es überwiegen die Darstellungen im Stil der Früh- und Hochrenaissance mit Rundschild sowie dem Stechhelm für bürgerliche und dem Bügel- oder Spangenhelm für adelige Wappenträger mit den mehr oder weniger stark „gezaddelten“ Helmdecken. Aber es gibt auch eine nicht geringe Anzahl von Darstellungen in dem älteren, in seiner Einfachheit beeindruckenden Stil der Spätgotik mit Dreiecksschild, Kübelhelm und ganz knapper, kurzer und einfacher Helmdecke. Als willkürlich herausgegriffene Beispiele seien hier nur die Wappen derer v. Below, v. Both – ein sogenanntes redendes Wappen: in Silber ein rotes, offenes Boot – , v. Crailsheim, v. Dewitz, Freiherrn v. Gemmingen-Hornberg, Freiherren v. Massenbach, v. Prittwitz und Gaffron, v. Rauchhaupt, Freiherrn Rüdt v. Collenberg und v. Wedel genannt. – Alle fast 200 Wappenabbildungen zeigen über der Wappendarstellungen in der (vom Betrachter aus gesehenen) linken Oberecke des Wappenblattes unser achtspitziges silbernes Ordenskreuz als Zeichen der Zugehörigkeit der Wappenträger zu unserem Hospitalorden, eine gelungene Lösung. Es überwiegen bei weitem die für die Heraldik vorgeschriebenen klaren, ungebrochenen Farben, „Tinkturen“, und nur hier und da ist auf Grund von recht alten und verblassten Vorlagen z. B, eine Tinktur zu sehen, die zum Beispiel fast hellblau wirkt (v. Below). Solche Unebenheiten lassen sich aber eben wegen der Quellenlage bei einem Werk wie dem vorliegenden nicht vermeiden.

Festgehalten sei, dass der erste heraldische Betreuer der Wappenrolle für die Jahre 1953 bis 1957 der bekannte Heraldiker und Privatgelehrte Dr. iur. Walter Freier war (1890 bis 1957). Auf ihn geht auch die Gründung der – heutiger Titel – „Deutschen Wappenrolle“ im Jahre 1920 zurück, ein Zentralregister für die Eintragung von zunächst nur Wappen bürgerlicher Familien. Die entsprechende Buchreihe erscheint nunmehr, bearbeitet vom „Heroldsauschuss der Deutschen Wappenrolle“ des „Herold“ in Berlin, in ihrem 75. Band. Seit 1925 ist diese Einrichtung gemäß Beschluss des Dachverbandes „Arbeitsgemeinschaft der deutschen sippenkundlichen Vereine“, der heutigen „Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände“, die zentrale Matrikel deutscher Familienwappen. Jener Grundsatzbeschluss bewahrt bis heute leider nicht vor mehr oder weniger seriösen und unseriösen Nachahmern, die häufig rein kommerzielle Ziele verfolgen. – In der Nachfolge Freiers steht auch der gegenwärtige, seit 2012 heraldische Betreuer der Wappenrolle der Baden-Württembergischen Kommende Heinz Renz aus Kirchberg an der Murr, der zusammen mit RR Dr. iur. utr. Christian Raap die Mühen der Betreuung dieses schönen Sammelwerks auf sich genommen hat. Die Mühe aber hat sich gelohnt, denn die gedruckte Sammlung ist schlicht und einfach ebenso schön wie nützlich. Möge sie auf ihrem Gebiet zum Vorbild für unseren ganzen Orden werden!

RR Dr. phil. Ludwig Biewer; Berlin