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Mittwochsbesinnung - 06.05.2020

von ER Karsten Kümmel, Osnabrück

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Der Wochenspruch der Woche nach dem Sonntag Jubilate ist zu lesen im 2. Brief an die Korinther, Kapitel 5: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5, 17)

Liebe Johanniterfamilie,

Wenn wir Sätze hören oder sprechen wie „Ich bin in andern Umständen...“ - „Ich bin in Eile“ – „Ich bin im Homeoffice …“ – verbinden wir damit klare Vorstellungen. Was aber ist gemeint, wenn der Apostel Paulus schreibt: „Ist jemand in Christus“? Eine für uns ungewohnte Formulierung. Ich verstehe es so: Wenn ich mein Leben Jesus Christus anvertraue, dann bin ich mit ihm aufs Engste verbunden. Diese enge Verbindung verändert in der Folge auch mich.

Viele Christen vor uns haben versucht, diese Veränderung mit dem Betreten einer neuen Welt oder auch dem Öffnen bisher verschlossener Augen zu vergleichen, auch wenn das Unzureichende dieser Versuche ihnen stets bewusst war. Vielleicht können wir einfach festhalten, dass sich Grenzen und Erkenntnisse verschieben, wenn durch Ostern der Tod nur noch eine vorläufige Macht besitzt. Die Deutung unserer täglichen Lebenserfahrungen verändert sich. Wir erleben keine nur äußerliche Schönheitsmaßnahme, sondern eine Generalüberholung, die uns von bisherigen Vorstellungen befreit.

Paulus entwickelt aus diesem Gedanken die Schlussfolgerung, wir alle seien nun Botschafter einer neuen Lebensweise „an Christi statt“. Diesen österlichen Neuanfang verbindet er im weiteren Abschnitt, aus dem die Wochenlosung entnommen ist, mit dem Hinweis auf die Versöhnung. Jürgen Werth hat dazu bereits 1988 folgende Zeilen gedichtet: „Wie ein Regen in der Wüste, frischer Tau auf dürrem Land, Heimatklänge für Vermisste, alte Feinde Hand in Hand. Wie ein Schlüssel im Gefängnis, wie in Seenot „Land in Sicht“, wie ein Weg aus der Bedrängnis, wie ein strahlendes Gesicht. So ist Versöhnung. So muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung. So ist Vergeben und Verzeihn.“

Die Frage, die dieser Gedanke für unsere Johanniterfamilie aufwirft, lässt sich vielleicht so zuspitzen: Leben wir eigentlich aus dem Bewusstsein, zu Botschaftern des Reiches Gottes berufen worden zu sein? Es würde dann in dieser Zeit der erzwungenen Selbstbesinnung nicht nur darum gehen, auf etwas zu verzichten, sondern etwas hinzuzugewinnen. Wir sind berufen, in dieser für viele Menschen schwierigen Zeit als Botschafterinnen und Botschafter einer anderen, hoffnungsgesättigten Lebensweise zu leben. Meist geht es dabei weniger um große Worte als vielmehr eine innere Verbindungsaufnahme, die unserem äußeren Auftreten Strahlkraft und Aufbruchsstimmung verleiht. Stellen Sie sich vor, dass wir als Johanniter Kleinmut und Verzagtheit hinter uns lassen und mit bescheidenem Stolz einen botschafterlichen Dienst der Versöhnung und Hinwendung zu den Menschen versehen – wir also Menschen auf alle mögliche Art darauf hinweisen, dass das Reich Gottes und mit ihm die Hoffnungsbotschaft von Auferstehung und Leben gerade jetzt und trotz allem gilt. Ich glaube, das wäre ein von Gott neu geschaffenes, johanniterliches Christenleben, das Gott gefiele und den Herren Kranken diente. Amen.

Wir beten:

Gütiger Gott, wir loben Dich für die Auferstehung Christi und die alles erneuernde Hoffnung, die Du uns dadurch schenkst. Lass uns wahrhaftige, ermutigende Botschafterinnen und Botschafter Deiner alles überwindenden Lebenskraft sein. Aus uns allein können wir das nicht, doch wir bitten um Deinen Geist, der uns in Jesus Christus stärkt und aufrichtet und mit Dir verbindet. Amen.

Es segne uns Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Amen.