Organtransport

Seit Jahren unterstützen die Johanniter in Oberbayern die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Unsere ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer stehen dazu 24 Stunden in Bereitschaft, um Transporte in ganz Europa zu übernehmen. 2019 konnte die DSO 2.995 gespendete Organe erfolgreich an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) übermitteln. Die Aufgabe unserer Helferinnen und Helfer ist es dabei, schnell und zuverlässig die freigegebenen Spenderorgane dorthin zu transportieren, wo sie dringend gebraucht werden und Leben retten.

Ehrenamtlicher Organtransport-Fahrer Max Springl im Interview

Maximilian Springl ist stellvertretender Ortsbeauftragter der Johanniter in Ingolstadt und befördert regelmäßig Organe vom Spender zum Empfänger. Im Interview erklärt der 28-Jährige, warum Organtransport mehr ist als mit dem Auto von A nach B zu fahren.

Bei den Johannitern denkt man zunächst einmal an Pflege oder Rettungsdienst. Wie kam es dazu, dass du in diesem besonderen Bereich des Organtransports tätig bist?
„2013 kam erstmals eine Anfrage von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, ob wir einen Transport unterstützen könnten. Ich weiß noch, dass die Fahrt von München nach Erlangen ging. Ich fand den Auftrag interessant, da ich gerne Auto fahre und das Thema Organspende für sehr wichtig halte. Über die Jahre hat sich die Beziehung zur DSO dann weiter ausgebaut und intensiviert.“

Die Fahrten sind also nicht auf das Verbandsgebiet Oberbayern beschränkt?
„Nein, denn Spenderorgan und Empfänger kommen in den seltensten Fällen aus der gleichen Region. Im Jahr 2019 haben in Deutschland gerade einmal 932 Personen ihre Organe postmortal, also nach dem Tod, zur Spende freigegeben. Die Warteliste ist aber um ein Vielfaches länger. Bei den wenigen Organen, können zwischen Spender und geeignetem Empfänger auch schon mal Landesgrenzen liegen. Manchmal fahren wir daher auch in die Niederlande oder nach Slowenien.“

Wie läuft so ein Organtransport ab?
„Eine Organspende ist nur möglich, wenn der irreversible Hirnfunktionsausfall zweifelsfrei festgestellt wurde. Dazu gibt es genaue Richtlinien der Bundesärztekammer. Zudem muss eine Zustimmung zur Organspende vorliegen. Diese hat beispielsweise der Verstorbene in einem Organspendeausweis dokumentiert oder die Angehörigen entscheiden nach dessen vermuteten Willen. Dann wird geprüft, welche Organe für eine Transplantation infrage kommen. Die Zuteilung an die Empfänger erfolgt über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant. Von der DSO, die die gesamte Spende koordiniert, bekommen wir telefonisch den Auftrag, das Organ abzuholen.

Dann geht alles recht schnell. In der Klinik übergibt uns der Koordinator der DSO das Organ - gut gesichert und gekühlt in einer speziellen Organtransportbox verpackt. Anschließend geht es auf die Reise zur Zielklinik.“

Und wenn du kurzfristig mal verhindert bist?
„Dann findet sich immer jemand, der die Fahrt übernehmen kann. Natürlich ist mal jemand im Urlaub, krank oder muss arbeiten. Wir machen das ja alle ehrenamtlich. Bei den Johannitern in Oberbayern haben wir ein Team von zehn Fahrern. Auf langen Strecken sind wir ohnehin immer zu zweit unterwegs, damit sich immer abwechselnd einer ausruhen kann.“

Gibt es einen Zeitplan für die Fahrt?
„Je nach Organ und Zustand beträgt die Haltbarkeit zwischen vier und 24 Stunden. Die Schwierigkeit ist, dass wir die Zielklinik zwar möglichst schnell, aber mit entsprechender Vorsicht erreichen müssen. Eine Vollbremsung oder zu starke Fliehkräfte bei schnellen Kurvenfahrten könnten das Organ beschädigen. Wenn es notwendig ist, dürfen wir während des Transports auch mit Blaulicht fahren. Das erleichtert uns das Vorwärtskommen in stark befahrenen Streckenabschnitten. Pausen machen wir nur zum Tanken oder für den Fahrerwechsel. Eine Einkehr auf dem Rasthof würde nur wertvolle Zeit kosten.“

Kann die Fahrten jeder Führerscheininhaber durchführen?
„Ein Führerschein der Klasse B ist die Grundvoraussetzung, reicht aber noch nicht aus. Für die anspruchsvollen Fahrten setzen wir ein Mindestalter von 21 Jahren und damit einige Fahrpraxis voraus. Außerdem erhalten die Ehrenamtlichen ein Fahrsicherheitstraining und spezielle Blaulichtschulungen sind verpflichtend.“

Mit welchen Fahrzeugen führt ihr die Transporte durch?
„In Ingolstadt haben wir einen VW-Bus, Modell T6. Der ist besonders praktisch, wenn wir neben dem Organ auch Ärzteteams transportieren. Oft sind wir mit Teams von vier Personen plus Gepäck unterwegs, dann brauchen wir viel Platz. Außerdem haben wir noch einen Audi A4. Der ist aber schon in die Jahre gekommen und soll bald durch ein neueres Fahrzeug ersetzt werden. Dazu sind wir aber noch auf weitere Spenden angewiesen.“

Das heißt, ihr befördert auch Menschen zwischen den Kliniken?
„Ja, denn bei Herz- und Lungentransplantationen führt die Explantation, also die Entnahme des Organs, und die Transplantation dasselbe Team durch. Daher müssen auch die betreffenden Ärzte die Klinik wechseln und begleiten dabei das Organ auf seiner Reise.“

Fahrt ihr auch bei länderübergreifenden Transporten die ganze Strecke mit dem Auto?
„In einigen Fällen reisen die Ärzteteams mit dem Flugzeug an und wir sind dann das Shuttle vom Flughafen zum Krankenhaus. Unser Einsatz wird vorher angemeldet und dann dürfen wir in der Regel ohne Sicherheitscheck direkt aufs Flughafengelände fahren. Befindet sich kein ziviler Flughafen in der Nähe, landen die Jets auch auf Militärflughäfen. Daran sieht man den hohen Stellenwert, den das Thema Organspende genießt. Da werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Länderübergreifend, ob zivil oder militärisch spielt keine Rolle.“

Gab es ein Erlebnis, das sich dir besonders eingeprägt hat?
„Bei der Anlieferung stand einmal ein Mann hinter mir in der Klinik und hat gefragt, ob das Organ in der Box für ihn bestimmt sei. Aber Informationen über Spender und Empfänger bekommen wir gar nicht. Das ist auch gut so, da man weitestgehend Distanz wahren muss. Ansonsten nimmt einen das Thema zu sehr mit, wenn man sich mit persönlichen Details der Betroffenen beschäftigt.“

Was würdest du dir zum Tag der Organspende wünschen?
„Dass sich jeder mit dem Thema Organspende befasst, eine Entscheidung trifft und diese im Organspendeausweis festhält.“

Mutter eines Verstorbenen sagt: „Martin hat sieben Menschen geholfen."

„Mein Name ist Marion, ich wohne in Dresden und ich bin 60 Jahre alt.

Vor fast zehn Jahren erhielt ich den einen Anruf, von dem alle Eltern hoffen, ihn nie erleben zu müssen: „Ihr Sohn hatte einen Unfall, bitte kommen Sie ins Krankenhaus." Als meine Schwester und ich in der Klinik eintrafen, lief bereits die Notoperation. Die erste Information war, dass Martin ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hat und die Operation Entlastung für sein Gehirn bringen soll. Dies war ein Schock.

Während der ca. vierstündigen Wartezeit gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf und auch die Sorge vor der Aussage der Ärzte, dass keine Hoffnung mehr besteht. Und leider trat genau dies ein: Martin verstarb letztlich nur wenige Tage nach dem Unfall.

Auf der einen Seite fast gelähmt von den Ereignissen und auf der anderen Seite klare Gedanken, die ich kaum erklären kann – so wuchs in mir der Gedanke, diese Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen und ich stellte die Frage an den Arzt, ob Martins Verletzungen eine Organspende möglich machen.

Mit seinen 22 Jahren hatte sich mein Sohn über seinen eigenen Tod noch keine Gedanken gemacht und besaß keinen Organspendeausweis. Aber er war seit seinem 18. Lebensjahr aktiver Blutspender. So hat er auch schon anderen Menschen helfen können und diese Entscheidung zur Organspende wäre sicher auch sein mutmaßlicher Wille.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml im Interview

Allein in Bayern warten rund 1.300 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Dem steht gegenüber, dass nur rund ein Drittel der Bevölkerung einen Organspendeausweis hat. Die Kampagne gibt es ja, auch mit Unterstützung prominenter Personen. Wie ist Ihr Plan, die Zahl der Organspendenausweise zu erhöhen?„Jeden Tag sterben in Deutschland bis zu drei Menschen, für die nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung stand. Deshalb ist es mir ein wichtiges Anliegen, die Aufmerksamkeit für das Thema Organspende zu erhöhen. Nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland warten Menschen auf ein lebensnotwendiges Spenderorgan.

Deswegen habe ich mich bereits bei den Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene im Jahr 2018 dafür eingesetzt, die strukturellen Voraussetzungen in den Krankenhäusern zu verbessern - mit Erfolg: Seit dem 1. April 2019 haben die Transplantationsbeauftragten dank einer bundesweiten Freistellungsregelung mehr Zeit für die Organspende, wobei die Kosten für diese Freistellung vollständig zugunsten der Krankenhäuser erstattet werden. Zudem wurden die pauschalen Vergütungen bei der Organentnahme für die Entnahmekrankenhäuser erhöht und Qualitätssicherungssysteme in den Kliniken eingerichtet.
 
Eine weitere gesetzliche Änderung wird erst im Laufe der kommenden Monate in die Praxis umgesetzt:  der neurochirurgische und neurologische konsiliarärztliche Rufbereitschaftsdienst, welcher kleine Krankenhäuser bei der Diagnose des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (also des "Hirntodes") unterstützen soll. Dieser Bereitschaftsdienst wird voraussichtlich im Jahr 2021 einsatzfähig sein.
 
Ich bin davon überzeugt, dass diese strukturellen Verbesserungen mittelfristig zu einer Steigerung der Organspendezahlen führen werden. Als bayerische Gesundheitsministerin ist es mir zudem ein großes Anliegen, dass mehr Menschen einen Organspendeausweis ausfüllen. Obwohl eine große Mehrheit der Bevölkerung der Organspende grundsätzlich positiv gegenübersteht, besitzt nur rund ein Drittel der Deutschen einen Organspende-Ausweis. Das bayerische Gesundheitsministerium engagiert sich deshalb seit Jahrzehnten umfassend in der Aufklärungsarbeit zu den Themen Organspende und Transplantation.
 
Hervorheben möchte ich zunächst unsere Informationsveranstaltungen für Schulklassen: Diese finden bereits seit dem Jahr 2001 für Südbayern im Transplantationszentrum am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in Großhadern statt. Zudem wurden sie auch für Nordbayern auf das Transplantationszentrum am Klinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ausgeweitet. Eine breite Öffentlichkeit konnten wir auch mithilfe unserer online-Kampagne "Keine Ausreden!" erreichen, die wir speziell auf die Interessen junger Menschen ausgerichtet haben.
 
Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig, die Themen Organspende und Transplantation noch stärker im Bewusstsein der heranwachsenden Generation zu verankern, damit junge Menschen eine eigene, informierte Entscheidung zur Organspende treffen können.

Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Menschen zurückhaltend. Braucht es Anordnungen für mehr Organspendeausweise in der Bevölkerung?
„Die Entscheidung für eine Organspende ist eine freiwillige und muss dies auch immer bleiben. Zwang und Sanktionen sind nicht der richtige Weg, um in unserem Land eine Kultur der Organspende zu bilden.
 
Erinnern wir uns zurück an den Anfang dieses Jahres: Damals führten wir eine gesellschaftliche und parlamentarische Debatte über die Einführung einer Widerspruchsregelung bei der Organspende. Im Verlauf dieser Debatte hat sich gezeigt, dass in der Bevölkerung kein ausreichender Rückhalt für eine solche Regelung vorhanden ist. Stattdessen will ich die Menschen überzeugen, zu Lebzeiten eine eigene Entscheidung zur Organspende zu treffen, auch um damit ihre Angehörigen zu entlasten. Gelingen kann dies nur mit einer systematischen Aufklärungsarbeit.

Dieses Ziel verfolgt auch das im Januar durch den Deutschen Bundestag beschlossene Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, welches im März 2022 in Kraft treten wird. Dieses Gesetz sieht neben der Errichtung eines bundesweiten Organspenderegisters unter anderem vor, die Hausärzte verstärkt in die Aufklärungsarbeit einzubinden. Zudem soll bei den Erste-Hilfe-Schulungen für den Führerschein - also in einem Bereich, in dem auch die Johanniter aktiv sind - ein Grundwissen zur Organspende vermittelt werden.

Die Johanniter Oberbayern unterstützen in der Region Ingolstadt beim Organtransport. Wie wichtig ist für Sie die Unterstützung durch die Hilfsorganisationen?
„Die Arbeit der Johanniter ist ein unverzichtbarer Beitrag für das Gelingen der Organspende in Bayern. Generell muss man sagen, dass unser Gesundheits- und Sozialsystem ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht die Qualität hätte, um die uns viele andere Länder beneiden. Ich danke Ihnen für dieses großartige, selbstlose Engagement!

Informationen zum Organspendeausweis

Im Organspendeausweis können Sie Ihre Entscheidung zur Organ- und Gewebespende dokumentieren. So ist sichergestellt, dass in Ihrem Sinne gehandelt wird. Der Organspendeausweis ist ein offizielles Dokument und rechtlich gültig. Sie können Ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende auch auf bestimmte Organe und/oder Gewebe beschränken oder bestimmte Organe und/oder Gewebe ausschließen. Alternativ benennen Sie auf dem Ausweis eine Person, die im Fall der Fälle die Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende treffen soll. Auch Ihr Widerspruch gegen eine Spende kann im Organspendeausweis vermerkt werden. Es ist hilfreich, Ihren Organspendeausweis immer bei den Personalpapieren zu tragen.

Hier können Sie Ihren Organspendeausweis herunterladen und ausfüllen.

Organtransport in Oberbayern

Unsere ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer stehen rund um die Uhr bereit, Organtransporte in ganz Europa zu übernehmen.