16.06.2022 | Regionalgeschäftsstelle Berlin

Ein Jahr unabhängige Beschwerdestelle für Geflüchtete – über 1.000 bearbeitete Fälle

Seit einem Jahr sind die Johanniter Träger der Berliner unabhängigen Beschwerdestelle (BuBS). Das Angebot richtet sich an Geflüchtete, die in Berlin leben. Nun ziehen die Berliner Johanniter eine positive Bilanz des ersten Jahres.

Wenke Christoph, Staatssekretärin für Integration und Soziales (in der Mitte), Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter (links) und Maike Caiulo-Prahm, Leiterin der unabhängigen Beschwerdestelle (rechts) mit einem Teil des BeschwerdelotsInnen-Teams.

Seit einem Jahr sind die Johanniter Träger der Berliner unabhängigen Beschwerdestelle (BuBS). Das Angebot richtet sich an Geflüchtete, die in Berlin leben. Die Johanniter haben im Auftrag der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales die Beschwerdestelle in der Donaustraße 78, Berlin-Neukölln, im März 2021 eröffnet – nun ziehen sie eine positive Bilanz des ersten Jahres.

Geflüchtete haben es oft besonders schwer: „Durch mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Erfahrung mit der Bürokratie in Deutschland wissen viele Geflüchtete oft nicht, welche Rechte und Möglichkeiten sie haben“, erklärt Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter. „Die Beschwerdestelle ist daher ein Sprachrohr für Geflüchtete und stellt sicher, dass ihre berechtigten Anliegen an die richtige Stelle gelangen und ernst genommen werden.“

„Die unabhängige Beschwerdestelle ermöglicht es allen geflüchteten Menschen dieser Stadt, ihre Kritik und ihre Wünsche zu äußern, gern auch anonym. Dabei geht es auch um Beschwerden über Behörden. Wir brauchen diesen Einblick, damit wir die Lebensbedingungen der Geflüchteten weiter verbessern können. Denn das Land Berlin möchte allen geflüchteten Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Status, eine menschenwürdige, bedarfsgerechte und qualitätsgesicherte Unterbringung gewährleisten. Ich danke den Beschäftigten der Johanniter für diese wichtige und zuverlässige Arbeit in der Beschwerdestelle“, erläutert Wenke Christoph, Staatssekretärin für Integration und Soziales.

Die Beschwerdestelle in Neukölln ist für die Geflüchteten einfach erreichbar. „Das Angebot ist bewusst niederschwellig“, sagt Maike Caiulo-Prahm, Leiterin der unabhängigen Beschwerdestelle. „Wir nehmen Beschwerden persönlich, aber auch telefonisch, per E-Mail sowie durch ein Online-Kontaktformular in der Muttersprache der Klientinnen und Klienten entgegen.“ Um die Geflüchteten kümmern sich fast 30 Johanniterinnen und Johanniter, die 16 verschiedene Sprachen sprechen. Viele von ihnen haben selbst einen Fluchthintergrund. Sie können auf die Bedürfnisse individuell eingehen und so schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Die meisten Beschwerden – fast ein Drittel – beziehen sich auf die Ausstattung der Unterkünfte. Auch die Berliner Behörden und Ämter können Anlass für Beschwerden sein, ebenso das Personal der Unterkünfte, die mangelnden Mitbestimmungsmöglichkeiten oder der fehlende Zugang zu Regelangeboten. Alle Beschwerden werden an die zuständige Behörde weitergeleitet – oder ein passendes Hilfsangebot ermittelt. Zur Professionalisierung des innovativen Angebots nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig an Fortbildungen teil.

Die Beschwerdestelle bietet auch regelmäßige Sprechstunden in den rund 90 Unterkünften für Geflüchtete in Berlin an. Circa die Hälfte der über 1.000 Beschwerden in den vergangenen 15 Monaten sind so vor Ort eingegangen. Ein Drittel der Geflüchteten meldete sich telefonisch, andere kamen direkt ins Büro in Neukölln oder nutzten elektronische Medien zur Kontaktaufnahme. „Die Beschwerden der Geflüchteten helfen, die Integrationsbarrieren auf Seiten der Verwaltung sichtbar zu machen, sie abzubauen und so den Weg zur Integration zu ebnen“, so Maike Caiulo-Prahm.

„Wir sind über die Initiative der Senatsverwaltung und die reibungslose Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, dem Flüchtlingsrat und den Initiativen der Flüchtlingshilfe sehr dankbar“, erklärt Regionalvorstand Teuteberg. „Die gute Kommunikation mit festen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern ist häufig der erste Schritt zur Lösung eines Problems.“