24.11.2021 | Johanniter Luftrettung

Johanniter Luftrettung erweitert ihre Flotte um die modernste Maschine auf dem Markt

Besonderes System in Hessen: Der neue Hubschrauber H 145 von Airbus Helicopters erfüllt in Kombination mit der großen H 155 jede erdenkliche Anforderung im luftgebundenen Rettungsdienst und Intensivtransport.

Dr. Alexander Schlier, Prof. Dr. Simon Little, JLR-Geschäftsführer Frank Zabell, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Landesvorstand und JLR-Geschäftsführer Oliver Meermann und Prof. Dr. Michael Sander vor der H 145 auf der Landeplattform des Luftrettungszentrums Gießen der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (v.l.n.r.).
Dr. Alexander Schlier, Prof. Dr. Simon Little, JLR-Geschäftsführer Frank Zabell, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Landesvorstand und JLR-Geschäftsführer Oliver Meermann und Prof. Dr. Michael Sander vor der H 145 auf der Landeplattform des Luftrettungszentrums Gießen der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (v.l.n.r.).
Rechts die neue H 145 gemeinsam mit der größten Maschine der Johanniter-Flotte, der H 155 (links), auf der Landeplattform des Luftrettungszentrums Gießen. Dazwischen Prof. Dr. Simon Little, Frank Zabell, Dr. Christoph Ullrich, Oliver Meermann und Prof. Dr. Michael Sander (v.l.n.r.).
Rechts die neue H 145 gemeinsam mit der größten Maschine der Johanniter-Flotte, der H 155 (links), auf der Landeplattform des Luftrettungszentrums Gießen. Dazwischen Prof. Dr. Simon Little, Frank Zabell, Dr. Christoph Ullrich, Oliver Meermann und Prof. Dr. Michael Sander (v.l.n.r.).

Die Johanniter erweitern mit der H 145 ihre Flotte um das modernste Hubschraubermuster, das derzeit in der zivilen Luftrettung eingesetzt wird. Die kleinere, leichtere und leisere Maschine verfügt über ein hochmodernes Autopilot-System und hat statt der bislang üblichen vier Rotorblätter fünf - diese sorgen für eine stabilere und ruhigere Lage in der Luft, welches dem Patientenwohl zuträgt. In der Maschine ist modernste Technik verbaut und auch die Innenraumanordnung wurde überarbeitet, letztere ermöglicht dem Notarzt flexibleres Handeln während des Fluges.

Durch die großzügige Fensteranordnung haben nicht nur die Piloten eine bessere Sicht, der gesamte Innenraum der Maschine ist heller, wirkt größer und offener.

 

Ab jetzt im Einsatz: Intensivtransporthubschrauber H 145 mit der Kennung D-HJLA

Im Beisein von Dr. Christoph Ullrich, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Gießen, der Genehmigungsbehörde für die Luftrettung in Hessen; Klinikdirektor Professor Dr. Michael Sander, Oberarzt Professor Dr. Simon Little und Oberarzt Dr. Alexander Schlier, alle drei in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie der Universitätsklinik Gießen und Marburg GmbH am Standort Gießen tätig sowie dem Notarzt und ärztlichen Leiter der Johanniter Luftrettung, Mumi Taleb, wurde die neue Maschine der Johanniter Luftrettung am Morgen des 24. November in Dienst gestellt. Der Regierungspräsident persönlich aktivierte die Maschine durch Einsetzen des Funkchips. Nach zahlreichen Trainingsflügen wird die weiß-rote Maschine mit dem anthrazitfarbenen Heck und der Kennung D-HJLA (Deutschland - Helikopter, Johanniter Luftrettung, Alpha) nun als Christoph Gießen in den Einsatz gehen. Mit zunehmender Auslastung der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern wird der Intensivtransporthubschrauber (ITH) gemeinsam mit dem benachbarten ITH Christoph Mittelhessen Verlegungsflüge intensivpflichtiger Patienten durchführen, aber zugleich gemäß der Beauftragung weiterhin für Rettungseinsätze eingesetzt werden. Weniger als eine Stunde nach der Aktivierung durch den Regierungspräsidenten war es bereits so weit: Der Melder ging, Einsatzauftrag Sekundärtransport - ein Intensiv-Patient soll aus Winterberg in eine andere Klinik verlegt werden.

Professor Dr. Simon Little, Ärztlicher Leiter am Luftrettungszentrum Gießen und beim Premieren-Einsatz als Notarzt an Bord, erklärt: „Neben Rettungseinsätzen fliegen wir mit dem Christoph Gießen insbesondere Intensivverlegungen von Klinik zu Klinik. Diese Einsätze sind in der Regel planbar, weniger zeitkritisch, da sich der Patient bereits in der Versorgung befindet. Die neue Technik ist eine hervorragende Unterstützung für die gesamte Crew, der Flug fühlt sich gut an und durch die Gestaltung des Innenraums läuft die Patientenversorgung sehr effizient. Wir nutzen in der H 145 die modernste redundante Beatmungstechnik sowie ein Roll-In-Tragesystem, das in der zivilen Luftrettung so bislang nur in diesem Hubschrauber verbaut ist“. Wenn an Intensivverlegungen besondere Anforderungen gestellt werden, können die Johanniter zwischen ihren Hubschraubern wählen, welcher am sinnvollsten eingesetzt wird: „Wenn wir infektiöse, nichtbeatmete Patienten verlegen, setzen wir unser Infektionsschutz-System IsoArk ein. Es besteht aus einem Isolierzelt und dem zugehörigen Filtersystem. Das System arbeitet zum Infektionsschutz nach außen mit einem Unterdruck-Prinzip. Zusammen mit einem Nanopartikel-Filtersystem wird sichergestellt, dass Krankheitserreger das Isolierzelt nicht verlassen - Personal und Umgebung werden geschützt.“ In diesen Fällen greift die Johanniter Luftrettung auf die Maschine am Luftrettungszentrum Reichelsheim zurück. Dort sind im Wechsel Maschinen vom Typ AS 365 N3 und H 155 von Airbus Helicopters stationiert. „Durch den besonders großen Innenraum unserer Maschinen vom Typ AS 365 N3 und H 155 können wir das Isolationsschutz-System IsoArk auf der Patiententrage anbringen und in den Innenraum des Hubschraubers problemlos integrieren. Wir können sogar bis zu drei Personen zusätzlich zur normalen dreiköpfigen Besatzung und dem Patienten transportieren. Das ist besonders dann relevant, wenn wir von sogenannten ECMO-Zentren angefordert werden. Dort holen wir das Spezialisten-Team samt Equipment ab und bringen es direkt an das Patientenbett. Die Beatmungs-Spezialisten schließen den Patienten vor Ort an das Herz-Lungen-Unterstützungssystem (ECMO) an und wir fliegen das Team und den Patienten sicher, schnell und ohne Unterbrechung der Intensivbehandlung in die Zielklinik“, fährt Little fort.

 

Corona-Pandemie: Johanniter stellen zusätzlichen Hubschrauber für Kleeblattsystem bereit

Die Bundesländer sind in fünf sogenannte Kleeblätter unterteilt worden, die je an einer zentralen Stelle koordiniert werden. Die zentralen Stellen stehen in regelmäßigem Austausch und stimmen sich untereinander ab. Wenn aufgrund einer Überlastungssituation in einer Region Krankenhäuser keine Intensivpatienten mehr aufnehmen können und regionale Strukturen so ausgelastet sind, dass eine Verlegung von Intensivpatienten in benachbarte Regionen nicht mehr möglich ist, erfolgt eine überörtliche Verlegung von Patienten in weniger belastete Regionen.[1] Das Konzept wurde von Bund, Ländern und Intensivmedizinern entwickelt, um COVID-19-Intensivpatienten aus Regionen mit hohem Infektionsgeschehen in Regionen mit freien Kapazitäten verlegen können. „Mit der zusätzlichen Maschine können wir Intensivverlegungen entsprechend des Kleeblatt-Prinzips durchführen, ohne dass wir dazu einen Hubschrauber aus seinem regulären Dienst loseisen müssen. Wir erweitern damit neben unserer Flotte auch unser Angebot, um mit zusätzlichen Verlegungsflügen dabei zu helfen, die lokal sehr angespannte Lage auf den Intensivstationen zu entlasten“, erklärt Oliver Meermann, Landesvorstand im Landesverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (JUH) und Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung.

 

Rettung – Intensiv – IntensivPlus: Hervorragende Kombination der Intensivtransporthubschrauber H 145 und H 155 bzw. AS 365 N3

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich zu dem besonderen System in Hessen: „Mit dem Luftrettungszentrum in Gießen und dem Standort in Reichelsheim haben wir in Mittelhessen die Möglichkeit, auf jede Anforderung ideal zu reagieren – ohne dabei einen anderen Einsatzbereich vernachlässigen zu müssen. In der Corona-Pandemie hat sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Intensivverlegungen infektiöser oder auch über die Herz-Lungen-Maschine beatmeter Patienten sind. Gerade jetzt ist es gut, dass wir hier in Mittelhessen mit der Flotte der Johanniter Luftrettung sowohl Rettungseinsätze als auch jegliche Intensivtransporte optimal abdecken können“.

 

Kleiner, leichter, leiser, moderner – die H 145 ergänzt die Johanniter-Flotte perfekt

Mit 13,63 Metern Länge und einem Rotordurchmesser von 10,8 Metern ist die H 145 kleiner als die Intensivtransporthubschrauber (ITH) vom Typ AS 365 N3 und H 155. „Dass der neue Hubschrauber kleiner, leichter und leiser ist als unsere anderen ITH-Modelle, optimiert unser Dual-Use-System in der Kombination Primär- und Sekundäreinsätze. Das neue Modell hat aufgrund seiner Maße Vorteile bei den Primäreinsätzen. Dazu gehören beispielsweise Unfälle auf der Autobahn oder Notfalleinsätze im Wohngebiet. Hier ist ein kleinerer Hubschrauber im Vorteil, weil er weniger Platz zum Landen benötigt. Aber auch für Verlegungsflüge von Intensivpatienten eignet sich die neue Maschine hervorragend. Wenn der Intensivtransport besondere Anforderungen hat, wie zum Beispiel der Einsatz des Infektionsschutzsystems

IsoArk, extrem schwergewichtige Patienten oder sehr große Distanzen zwischen den Kliniken, dann sind unsere großen Hubschrauber wie die H 155 unschlagbar. Die beiden Triebwerke mit einer Gesamtleistung von über 1.700 PS ermöglichen mit 270 km/h eine höhere Reisegeschwindigkeit und können dank des größeren Tanks bis zu 800 Kilometer zurücklegen – einmal quer durch die Republik ohne Tankstopp. Insbesondere bei Intensivverlegungen über Ländergrenzen hinweg greifen wir auf unsere großen Modelle zurück – die wir neben Gießen auch in Reichelsheim (Wetterau), am Nürburgring und in Rostock bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz haben“, fährt Meermann fort. Für Rettungseinsätze über die Leitstelle Gießen und normale Intensivverlegungen werde der neue Hubschrauber das Mittel der Wahl sein. Die H 145 erreicht eine Reisegeschwindigkeit von etwa 230 km/h und eine Reichweite von rund 600 Kilometern. Das maximale Abfluggewicht liegt bei 3,8 Tonnen, die maximale Kraftstoffzuladung bei 915 Litern Kerosin.

 

Besonderes Fluggefühl dank modernster Technik – aber älter heißt nicht schlechter

Hubschrauber können für ihren Einsatz in der Luftrettung gebraucht gekauft und dann für den Einsatzzweck individuell um- und ausgebaut werden. Das ist gängige Praxis, denn der Hubschrauberkorpus ist so langlebig, dass er problemlos mehrere Jahrzehnte im Einsatz sein kann. Um veraltete Technik muss man keine Sorgen haben, dank festgesetzter Wartungsintervalle, regelmäßiger Checks und stetiger Modernisierungsmaßnahmen sind sämtliche mechanischen und technischen Komponenten immer in bester Verfassung. Die H 145 mit der Kennung D-HJLA der Johanniter Luftrettung ist von der Nase bis zum ummantelten Fenestron-Heckrotor brandneu. Das ist auch für die Crew etwas ganz Besonderes: „Hier ist alles neu, innen wie außen“, sagt Frank Zabell, Mitglied der Geschäftsführung der Johanniter Luftrettung und selbst Pilot. „Die Technik ist sowohl aus fliegerischer als auch medizinischer Sicht auf dem allerneuesten Stand. Für die Piloten zählen da besonders die Bedienfreundlichkeit, die gute Übersicht dank großer Displays und der Autopilot. Die fünf Rotorblätter reduzieren die Vibrationen des Hubschraubers auf ein Minimum, das ist sowohl für die Crew als auch für den Patienten sehr angenehm. Wir haben sämtliche technische Daten für Nachbereitung und Dokumentationszwecke komfortabel auf Tablet-PCs und dank des W-LANs an Bord können die Patientendaten bereits während des Fluges an die Zielklinik übermittelt werden, sodass man sich vor Ort optimal auf dessen Ankunft einstellen kann“, fährt Zabell fort.

Damit die Piloten auf dem neuen Modell eingesetzt werden können, haben sie in den letzten drei Monaten intensive Trainingsflüge absolviert. Auch die rettungsdienstlichen Crew-Mitglieder, die sogenannten HEMS-TC, und natürlich die Notärzte haben sich mit der neuen Maschine eingehend befasst, damit im Einsatz wie gewohnt jeder Handgriff sitzt.

 

Flottenerweiterung im Sinne des Dual-Use-Systems

Das neue Flugmuster wird als Christoph Gießen im Dual-Use-System eingesetzt und fliegt neben Intensivtransporten auch Rettungseinsätze, sogenannte Primäreinsätze – insbesondere nachts. Die neue H145 ist wie alle Hubschrauber der Johanniter Luftrettung nachtflugtauglich. Als einziger Anbieter in Hessen betreibt die Johanniter Luftrettung (JLR) Intensivtransporthubschrauber-Systeme die zu jeder Tages- und Nachtzeit landen können.

 


[1]https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Kleeblattkonzept.html, letzter Abruf 22.11.2021, 13:58 Uhr.