21.10.2020 | Landesverband Niedersachsen/Bremen

Rückenschonend pflegen

Teil 4 der Presseserie „Pflege zu Hause – aber richtig“

Viele Bewegungen in der Pflege sind ungewohnt und können auf den Rücken gehen. Schonende Bewegungsabläufe schützen vor Überbeanspruchung und erleichtern die wichtigsten Bewegungsabläufe. Die Johanniter geben praktische Tipps zum rückenschonenden Pflegen.

Stabiler Stand für mehr Sicherheit

Achten Sie bei allen Pflegehandlungen auf bequemes, rutschfestes Schuhwerk und einen stabilen Stand: Füße hüftbreit und parallel, die Knie minimal gebeugt. Die Schultern möglichst nach hinten unten ziehen, dies entspannt die Wirbelsäule.

Schweres Heben

Die Arme beim Heben nach Möglichkeit immer gleichmäßig belasten, Rücken möglichst gerade lassen. Für eine starke Körpermitte ziehen Sie den Bauchnabel leicht nach innen. Gehen Sie beim Anheben, Aufheben oder Stützen in die Knie, um die Kraft aus den Beinen anstatt aus dem Rücken zu holen. Tragen Sie schwere Lasten möglichst nah am eigenen Körper und mit angespannter Rumpf- und Beinmuskulatur. Es kann helfen, vor einer Belastung einzuatmen und mit dem Anheben kontrolliert auszuatmen.

Aufsetzen des Pflegebedürftigen

Für bettlägerige Menschen ist es wichtig, sich möglichst viel im noch möglichen Rahmen zu bewegen oder bewegt zu werden. Auch für noch mobile Menschen kann es nötig sein, sie beim Aufstehen zu unterstützen. So setzen Sie eine liegende Person auf die Bettkante: Legen Sie einen Arm unter den Kopf und führen Sie so die Hand an die Schulter. Mit dem anderen Arm von oben um die Knie fassen. Setzen Sie die den Pflegebedürftigen in einer Drehbewegung auf, während Sie an Schultern und Knien stützen. Die Unterbeine gleiten dabei nach unten. Wichtig: Das Aufsetzen kann den Kreislauf belasten – warten Sie deshalb, bis Sie sicher sind, dass die Person stabil ist.

Vom Stuhl oder von der Bettkante aufstehen

Legen Sie zur Stabilisierung eine Hand in Höhe der Schulterblätter um den Oberkörper und fassen Sie mit der anderen den Arm. Zum Aufstehen beugt sich der Pflegebedürftige vor und verlagert das Gewicht allmählich auf die Beine, bis sich das Gesäß abhebt. Ein Stuhl oder anderer stabiler Gegenstand kann als Stütze dienen. Unterstützen Sie die Bewegung so viel wie nötig – doch lassen Sie möglichst viel Eigenarbeit leisten.  

Unterstützung beim Gehen

Sie können den Pflegebedürftigen beim Gehen seitlich durch leichtes Einhaken oder mit einem Arm um die Taille unterstützen. Passen Sie Ihre Schritte und das Tempo an den Pflegebedürftigen an. Auch von hinten ist Stützen möglich: Stellen Sie sich dazu dicht hinter die Person und greifen Sie unter den Armen durch, um die Hände etwa in Bauchhöhe zu fassen.

Sicher ist sicher

Gerade für nicht geschulte Pflegende ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Insbesondere beim Heben, Stützen und Umlagern der pflegebedürftigen Person steht die Sicherheit an erster Stelle. Berücksichtigen Sie immer auch die Wünsche und den Zustand des Betroffenen: Achten Sie auf ungewohnte Körperhaltung und Anzeichen für Schmerzen oder Gleichgewichtsstörungen.

Im kostenlosen Online-Kurs „Grundlagen der häuslichen Pflege“ beim Johanniter Pflegecoach finden Sie interaktiv aufbereitet und anschaulich illustriert weitere Praxisanleitungen zu den wichtigsten Bewegungsabläufen in der Pflege – wie zum Beispiel An- und Ausziehen im Sitzen und Liegen, Körperpflege im Bett, aber auch Tipps zu Pflegehilfsmitteln sowie Maßnahmen zur Sturzprophylaxe im häuslichen Umfeld.

Der Johanniter-Pflegecoach: Online pflegen lernen

Die Johanniter bieten ab sofort einen weiteren Baustein zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen: Online-Pflegekurse durch den Johanniter Pflegecoach. Das kostenlose Online-Kursprogramm steht allen Interessierten unter johanniter-pflegecoach.de nach einer einmaligen Registrierung offen. Es umfasst die vier Bereiche „Grundlagen der häuslichen Pflege“, „Alzheimer und Demenz“, „Wohnen und Pflege im Alter“ sowie „Rechtliche Vorsorge für den Ernstfall“.